Mein Buch „China aufgefächert“

20 01 2017

Vor kurzem bin ich über das Manuskript meines Buches über China gestolpert. Der Text wurde nie veröffentlicht, und ich dachte, bevor es auf meiner Festplatte von den Motten gefressen wird, stelle ich ihn online. Die letzte Bearbeitung, dh. vor allem Aktualisierung der Daten, habe ich 2013 vorgenommen, und so werden die Teile, die sich mit aktuellen Ereignissen beschäftigen – Politik, Bankenwesen, Wirtschaft zum Beispiel – heute von den teils stürmischen Entwicklungen überholt und somit veraltet sein. Andere dagegen haben von ihrer Aktualität nichts eingebüßt.

Ich habe vor, diesen Text stückweise online zu stellen, weil ich manches doch noch überfliegen und gegebenfalls aktualisieren werde, falls meine Zeit dafür reicht. Manche Teile des vorliegenden Texts habe ich verfaßt als Unterrichtsmaterial für meine Dozententätigkeit an einem Business College, andere sind das Ergebnis meiner Erfahrungen in China und weitere wiederum waren Gegenstand meines Sinologiestudiums.

Die verschiedenen Teile habe ich dann schließlich zusammengefasst, um dem Leser ein kleines China-Kompendium an die Hand zu geben, in dem er schnell die wichtigsten Informationen zu Geschichte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft findet. Das Buch sollte ihm auch helfen, sich als Expat oder Student im chinesischen Alltag zurechtzufinden.

Los geht’s heute mit dem Inhaltsverzeichnis auf  der neuen Blogseite – dazu oben CHINA AUFGEFÄCHERT anklicken.

 

 

 

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Ich war dann mal weg

14 09 2008
 
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Die letzten drei Monate habe ich – bis auf zwei Pausen zwischendurch – überwiegend auf den Philippinen verbracht. Wie soll ich anfangen? Was soll ich aus den unzähligen Erlebnissen herausheben? Ich fang an mit den Eckdaten, und dann fällt mir vielleicht was ein. Also das erste Mal bin ich Anfang Juni auf die Phils gereist, darüber hab ich aber schon ausführlich geschrieben. Ende Juni zurück nach China, gut zwei Wochen später wieder hin, und bis vor fünf Tagen dort geblieben, mit Ausnahme einer kleinen Reise nach Macau und Hongkong, wo wir versucht haben, ein China-Visum für meine philippinische Freundin zu bekommen. Aufgrund der Olympischen Spiele ("Eine Welt ein Traum") wurden aber viele Menschen, vor allem aus Ländern der "Dritten Welt", so auch meine Filipina, komplett ausgesperrt. Andere wiederum, aus der "Ersten Welt", konnten eines – wenn auch stark reduziertes – bekommen. Ich konnte, aber habe dankend verzichtet und bin mit meiner Freundin stattdessen auf die Philippinen zurückgeflogen.

Überhaupt Olympia, weil mich so viele danach gefragt haben. Ist an mir weitgehend spurlos vorbeigegangen. Wenn einer 100 Meter seitwärts, mit nur locker zugeschnürten Schuhen, zur Tribüne grinsend in 9,69 Sekunden hüpft und ihm danach empfohlen wird, den Lauf nur etwas ernster zu nehmen, um dann 9,55 zu laufen. Und wenn einer acht Weltrekorde im Stundenrhythmus nach Belieben schwimmt, auf Strecken die so unterschiedlich sind wie 100 Meter und 10.000 Meter Lauf, und für die man absolut unterschiedliche Technik, Training und körperliche Voraussetzungen mitbringen muss – ja, dann frag ich mich, wieviel das noch mit Sport und wieviel mit den Milliarden der Sponsoren und TV-Anstalten zu tun hat. Und ich beantworte die Frage für mich glatt mit: Das hat mit Sport nichts zu tun! Der griechische Schäfer Louis Spiridon übrigens gewann 1896 den Lauf von Marathon nach Athen. Er wird auf den letzten Metern vom griechischen Kronprinzen persönlich begleitet. Als Belohnung für seinen Sieg bekommt er einen Ölzweig und eine Silbermedaille (!) sowie Gratiskleidung und -rasur bis an sein Lebensende.

Ich habe diese "Spiele" 2008 an mir vorbeiziehen lassen. Nicht ganz. Eines Abends, gerade in Hongkong angekommen, sah ich im TV wie deutsche Reiter ein paar Ecken weiter Goldmedaillien umgehängt bekamen. Und an einem anderen Morgen auf dem Weg zum Frühstück an einem der Public Viewings in Macau hörte ich plötzlich die deutsche Nationalhymne:

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So ich machs kurz: China hätte niemals die Olympischen Spiele kriegen dürfen. Westliche Medien haben zugenüge Argumente für diese Aussage geliefert; stellvertretend für viele, diese hier.  Für mich waren die 40 Millionen Blumenkübel verstreut über ganz Beijing ein Sinnbild dieser Veranstaltung. So wie diese Blumen nur für zwei Wochen den Dreck und die Rückständigkeit von Beijing verdeckt haben und nach Olympia-Ende auf dem Müll gelandet sind, genauso haben diese "Spiele" und Dutzende von Goldmedaillien für chinesische Sportler die Tatsache verdeckt, dass so gut wie niemand hier Sport treibt und die olympische Idee keinerlei Wurzeln in China hat. Ich habe noch keinen Chinesen schwimmen, laufen oder in der Freizeit Rad fahren sehen. Sport findet in China nur im Fernsehen statt.

Nun habe ich mich verquatscht. Werde später meinen Philippinen-Bericht fortsetzen.

 

 

 
 





Reise nach Nicht-China

6 07 2008
Obwohl ich schon einige Tage zurück in China bin, kam ich erst an diesem Wochenende dazu die Fotos zu sortieren und einen kleinen Reisebericht zu schreiben.

Also, an einem regnerischen Tag ging es von Macau nach Manila mit dem Tiger in den Flügeln.

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In der Warteschlange beim Einchecken standen überwiegend Pinoys und ein paar Westler. Nach neun Monaten China kam es mir unwirklich vor, mit so vielen Nicht-Chinesen irgendwo zusammen zu sein. Im Flieger versorgte mich mein australischer Nachbar Mat mit vielen Praxistipps von seinen zahlreichen Phil-Aufenthalten, so auch mit guten Hoteladressen. Nach der Ankunft am Clark Airport stürzten sich erwartungsgemäss sämtliche Taxifahrer und andere Hallodrie draussen vor der Ankunftshalle auf mich. Es gelang mir, sie alle abzuwimmeln und mich zu dem klimatisierten Bus durchzuschlagen, der schon abfahrtbereit stand und nur einen Bruchteil des Taxipreises kostete. Als kostenlose Dreingabe gab es noch freundliches Lächeln von den Nachbarn.

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Während der etwa zweistündigen Fahrt im chaotischen Verkehr nach Quezon City passierten wir schier endlose Slums. Wäre ich direkt aus Europa gekommen, hätte ich das sicherlich heftiger empfunden als nach meiner Zeit in China. Der Verkehr erinnerte mich etwa an Nanjing, Beijing oder Shanghai.

Im – mit Jesusfigürchen, Mariabildern und Rosenkränzen überfrachteten – Taxi vom Busbahnhof zum Hotel prahlte der etwa 40jährige Taxifahrer mit seinen zwei Geliebten, die er noch gänzlich ohne Viagra glücklich macht. Aber keine Sorge, versicherte er mir, seine liebe Frau zu Hause kümmert sich schon sehr rührend um den Nachwuchs. Da er sich aber sehr viel Mühe mit der Hotelsuche gegeben hat, hab ich ihm einen Preis gezahlt, der ihn voll befriedigte. Sein Angebot, mir ein Mädchen zu besorgen oder zumindest ihm ein paar seiner Wunderpillen abzukaufen, habe ich allerdings abgeschlagen.

Das erste Treffen mit meiner Freundin machte hungrig. Und so ging es gleich – vorbei an China-Fastfood Chow King, vorbei auch an einem Pastaladen, der die Lösung für die weltweite Reis-Krise fand 

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in einen westlichen Pancake-Laden. Westliches Essen! Begleitet von Harry Potter, den Gaunern von Ocean’s twelve, von Del Monte’s Ketchup und John Denver’s Country Mama,

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schmeckten die saftigen Steaks, die genialen Pancakes mit Maple Leaf Syrup und die frisch gepressten Säfte vorzüglich. Welch ein Unterschied zu China mit all seinen klein-klein geschnippelten Speischen! Und alles so sauber: kein Gerotze und Gespucke, kein Nase-Hochziehen, niemand raucht am Tisch, keiner der Gäste wirft irgendetwas auf den Boden, stattdessen gibt es Mülleimer überall… die auch als solche in Anspruch genommen werden. Und alle unterhalten sich in Zimmerlautstärke. Unglaublich! Es gibt doch Zivilisation in Asien.

Einige Besuche in den genialen Malls 

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haben allerdings ein Riesenloch in mein Reisebudget gerissen. Aber was soll man machen, wenn eine Reisebegleiterin weder Badeanzüge, noch passende Sommerschuhe noch sonst so’n Zeugs besitzt, was eine junge Dame so auf einer dreiwöchigen Reise braucht. Vom Shoppingstress konnten wir uns in den zahlreichen gemütlichen Cafes erholen. Unvergesslich auch die Gesangspausen in den Karaokekabinen, die es überall in den Malls gibt

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Hier kauft man am Eingang eine Chipkarte und dann kann man in einer winzigen schalldichten Kabine seine eigene Karaokeshow abziehen, und danach den Einkauf fortsetzen. Diese Karaokekabinen haben mit den schmuddligen KTV-Räumen in China und sonstwo nichts gemeinsam. Es sind sozusagen kleine Oasen für die eigene Singlust inmitten der Alltagsroutine. So was wie Duschkabinen ohne Wasser, dafür aber mit einem Bildschirm und Musikboxen, und wo man in den Brausekopf reinsingt. 

Nach drei Tagen in Manila sind wir zu unserer Inseltour aufgebrochen. Von dem Moloch ging es mit dem Bus zum Fährhafen Batangas, von wo wir mit diesem Boot (Foto vom Zwillingsboot)

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zu einer zweistündigen Überfahrt auf Mindoro ansetzten. Bei ruhiger See kamen wir im Hafen von Puerto Galera an. In diesem vor Taifunen geschützten Hafen haben früher die Spanier ihre Galeeren und Galeassen überwintern lassen.

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Allerding hat es sich rausgestellt, dass das von Mat im Flieger empfohlene Hotel in Sabang liegt, 20 Minuten mit einem Tricycle über eine nur teilweise befestigte Strasse. Für all das Geruckel wurden wir durch den Blick von den Hügeln aufs azurblaue Meer mehr als entschädigt.

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Unser Hotel lag direkt am Meer, von dem nur durch einen etwa einen Meter schmalen asphaltierten Fussweg getrennt. Der Panoramablick auf den Hafen von Sabang und das blaue Meer war im Frühstückspreis inbegriffen.

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Das Nachtleben in diesem kleinen Ort ist gut ausgeprägt, auch die vielen Bars und Discos waren voll mit Westlern; einige davon mit dem Schlachtruf: Trübsal ist nicht das einzige was man blasen kann! unterwegs. Da wir weder trinken noch rauchen, haben wir das bunte Treiben nur am Rande flüchtig zur Kenntnis genommen. Wir verzogen uns in die einsameren und ruhigeren Strandabschnitte, wo wir allerdings auch nicht daran dachten, Trübsal zu blasen. Nach ein paar Tagen unternahmen wir eine kleine Wanderung ausserhalb von Sabang, zu einem Leuchtturm auf einem Hügel. Ein Baugrundstück mit diesem Ausblick habe ich mir schnell vorgemerkt   🙂

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Nach ein paar Tagen setzten wir unsere Tour fort. Wir fuhren in Richtung Osten bis nach Calapan. Dort haben wir drei Tage im Anahaw Beachressort verbracht. Leckeres Essen, Karaoke, abends Livekonzerte am Strand bleiben neben dem schönen Strand in Erinnerung

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Unser eigentliches Ziel war allerdings die Pandan Island westlich von Mindoro, also machten wir uns auf den Rückweg in westliche Richtung. Von Puerto Galera – wir sind wieder in in dem selben Hotel in Sabang abgestiegen – fuhren wir mit einem kleinen Boot 

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an der Nordküste von Mindoro entlang bis nach Abra. Unterwegs auf dem unbeschreiblich blauen Meer, vorbei an unzähligen einsamen Buchten kam ich unweigerlich ins Träumen. Das Wasser völlig klar und lauwarm. Alles wie auf einer Postkarte, die ein dutzend Mal mit Photoshop verfälscht wurde. Nur das hier war echt!

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Von Abra fuhren wir etwa drei Stunden mit einem Van bei strömendem Regen und verhangenem Himmel auf teilweise unbefestigen Strassen quer übers bergige Land bis nach Sablayan an der Westküste. Abends angekommen, wurde alle Müdigkeit von diesem Sonnenuntergang direkt hinter unserm Hotel wie weggespült.

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Allerdings waren wir immer noch nicht am Ziel. Das haben wir dann am nächsten Morgen angesteuert. An Bord eines kleinen Bootes tuckerten wir durch den kleinen Fischereihafen von Sablayan um eine kleine Landzunge herum, und auf einmal bot sich uns ein unbeschreiblich schöner Anblick: unsere Pandan Island!

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Wie auf einem Werbeplakat für Bacardi-Rum ruhte ein kleines Fleckchen Erde direkt vor uns im kristallklaren, azurblauen Meer, vorne von weitem sichtbar ein von Palmen umsäumter schneeweisser Strand.

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Hier genossen wir die nächste Woche. Ob Essen, Meer, Himmel… Alles aber auch alles war perfekt; noch nicht einmal das EM-Halbfinalspiel Deutschland-Türkei hat mich dazu bewogen aufs Festland zu fahren. Pandan Island ist nämlich nur notmässig mit Strom versorgt, über Solarzellen. TV und andere künstliche Zerstreuung, die gibt es hier einfach nicht. Die Zeit kann allerdings besser, viel besser genossen werden. Beispielsweise mit Strandspaziergängen (Risa hat hinterher ihre ganze Nachbarschaft mit wunderschönen von hier mitgebrachten Muscheln beschenkt), Schlafen, Lesen (passenderweise war „Der Schwarm“ in der Inselbibliothek vorhanden) und liebevoller Zuwendung.

Hier haben wir auch den Sturm mit dem – diesmal männlichen – Namen Frank abgewartet. Dieser hat sich hier westlich der Insel Mindoro nur noch relativ schwach bemerkbar gemacht. Am schlimmsten wütete er im Osten; Risa bekam Nachricht, dass das Elternhaus auf Leyte dem Boden gleichgemacht wurde. Auf meine besorgte Frage, wie es denn jetzt weiter geht mit den Eltern und Schwestern, meinte sie nur, sie sind eben zu den Grosseltern gezogen, deren Haus stehen geblieben ist. Ok…

Gewohnt haben wir auf Pandan in einfachen Bambushütten; Toiletten und (kalte) Duschen waren draussen. Und dennoch hatten wir beide nicht das Gefühl, irgendetwas vermisst zu haben. Im Gegenteil, wir wäre dort liebend noch länger geblieben, allerdings der Blick auf mein Flugticket erinnerte uns an den Abschied von Pandan. Nach rund einer Woche setzten wir aufs Festland über. Aber auch Risas Blick zurück vom Boot sagte das gleiche wie meiner: Pandan, wir kommen sicherlich wieder. Von Sablayan ging es per Van wieder zurück nach Abra. Von da aber nicht mehr weiter nach Sabang, sondern mit der Fähre direkt nach Batangas auf Luzon, und dann mit dem Bus weiter nach Manila. Als die Abendnachrichtensendung im philippinischen TV die Bergungsaktion an der vor Sibuyan gesunkenen Fähre zeigte (bei dem Ungluck ertranken im Sturm Frank etwa 800 Menschen) und unsere Fähre im selben Moment kurz etwas heftiger schaukelte, da ging ein leises Ooooh! durch die Sitzreihen an Deck – man merkte, die Angst und der Schock sassen tief in den Menschen.

Um den Passagieren die Angst zu nehmen, zeigte sich Mindoro zum Abschied noch einmal von der schönsten Seite:

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Die letzten drei Tage habe ich bei meiner Freundin zuhause in Quezon Cit verbracht. Es war für mich eine neue und interessante Erfahrung, in einem der eher ärmlichen Stadtteile einer philippinischen Grossstadt zu wohnen. Hier habe ich Risas Freunde kennengelernt und konnte einen kleinen Einblick in ihr Leben gewinnen.

Nach drei Tagen gings wieder zum Flughafen. Traurig und widerwillig. Am liebsten wäre ich da geblieben. Aber die Pflichten… Manchmal findet der innere Zustand eine Entsprechung in der äusseren Welt:

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Auch in Macau drückte die Natur meine Gefühle aus: Die Schwesterstadt von Zhuhai begrüsste mich mit dem gleichen Wetter wie beim Abschied: Regen.

Wie üblich findet ihr noch ein paar mehr Bilder hierhttp://picasaweb.google.com/chriswillanders/Philippinen_2008

 

 

 





Farewell dear friend

29 04 2008
 
Letztes Wochenende besuchte mich eine liebe Freundin aus Nordchina. Sie startete hier ihre halbjährige Reise durch mehrere südasiatische Länder. Wir haben viel erlebt. Auch wenn es nur zwei Tage waren, gehören diese zu den schönsten bisher hier in China. Es gibt so Menschen, die einfach dazugehören und nicht weg sein sollten. Und sind sie weg, dann ist das nicht richtig. Noch Fragen?