Mein Buch „China aufgefächert“

20 01 2017

Vor kurzem bin ich über das Manuskript meines Buches über China gestolpert. Der Text wurde nie veröffentlicht, und ich dachte, bevor es auf meiner Festplatte von den Motten gefressen wird, stelle ich ihn online. Die letzte Bearbeitung, dh. vor allem Aktualisierung der Daten, habe ich 2013 vorgenommen, und so werden die Teile, die sich mit aktuellen Ereignissen beschäftigen – Politik, Bankenwesen, Wirtschaft zum Beispiel – heute von den teils stürmischen Entwicklungen überholt und somit veraltet sein. Andere dagegen haben von ihrer Aktualität nichts eingebüßt.

Ich habe vor, diesen Text stückweise online zu stellen, weil ich manches doch noch überfliegen und gegebenfalls aktualisieren werde, falls meine Zeit dafür reicht. Manche Teile des vorliegenden Texts habe ich verfaßt als Unterrichtsmaterial für meine Dozententätigkeit an einem Business College, andere sind das Ergebnis meiner Erfahrungen in China und weitere wiederum waren Gegenstand meines Sinologiestudiums.

Die verschiedenen Teile habe ich dann schließlich zusammengefasst, um dem Leser ein kleines China-Kompendium an die Hand zu geben, in dem er schnell die wichtigsten Informationen zu Geschichte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft findet. Das Buch sollte ihm auch helfen, sich als Expat oder Student im chinesischen Alltag zurechtzufinden.

Los geht’s heute mit dem Inhaltsverzeichnis auf  der neuen Blogseite – dazu oben CHINA AUFGEFÄCHERT anklicken.

 

 

 





Weisse Weste mit Blei

22 09 2007

… oder ein US-Riese bittet Chinesen um Verzeihung.

Nicht miserable Material- und Produktqualität in den chinesischen Spielzeugfabriken, sondern Fehler der konzerneigenen Designer waren Anlass für die neuerlichen Rückrufaktionen von Spielzeugfiguren der US-Firma Mattel. (Siehe auch meinen Beitrag vom 25.08.2007 – ich weiß leider nicht, wie das mit der Verlinkung funktioniert, sonst würde ich diesen Beitrag hier verlinkt haben.) Die Mängel seien auf Fehler beim Spielzeug-Design zurückzuführen, sagte ein Mattel-Manager: Ich entschuldige mich beim (…) chinesischen Volk sowie all den Kunden, die das Spielzeug gekauft haben. Von den gut 21 Millionen zurückgeholten Spielzeugfiguren seien 13% wegen bleihaltiger Farbe, 87% aber wegen eigener Designfehler von Mattel zurückgerufen worden. Der Manager betonte weiter, die große Mehrheit dieser Produkte habe zurückgerufen werden müssen, weil Mattel Fehler beim Design gemacht habe und nicht etwa die chinesischen Lieferanten bei der Herstellung,

Auch in Deutschland waren hunderttausende Produkte betroffen, unter anderem Barbie-Figuren und -Accessoires. Als Hauptproblem hatte Mattel damals sofort einen zu hohen Bleigehalt in der Farbe und lose Magneten genannt. Die Spielzeug-Rückrufe hatten weltweit für Besorgnis bei den Verbrauchern gesorgt. Aber auch für China, mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Weg zum Export-Weltmeister, drohte die Rückrufwelle in einem nachhaltigen Imageschaden zu enden.

China scheint aus diesem Debakel seine Lektion gelernt zu haben und geht derzeit scharf gegen eigene Spielzeughersteller mit Qualitätsmängel vor. So wurden in den letzten Wochen Lizenzen von rund 300 Firmen eingezogen. China ist der weltweit größte Exporteur von Spielzeugen und hat 2006 rund 22 Milliarden Spielzeuge exportiert, etwa 60 % der weltweiten Produktion.

China macht also seine Hausaufgaben. Und wir?

. Wo bleiben die Rücktritte der verantwortlichen Barbie-Bosse?

. Werden unfähige, höchstbezahlte westliche Manager eines Tages Verantwortung für ihre eigenen Fehler übernehmen, oder wie bisher, stattdessen den anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben?

. Werden diese Wirtschaftskapitäne aus dem Verkehr und zur Verantwortung gezogen?

. Wird Mattel mit den vielen geschassten chinesischen Lieferanten – mit wohl hunderttausenden chinesischen Arbeitsplätzen – wieder zusammenarbeiten?

. Wird Mattel sich bei der Familie des selbstgetöteten Lida-Chefs (siehe meinen Blogbeitrag vom 25.08.) entschuldigen oder gar Entschädigung leisten?

. Werden wir, Verbraucher, darauf drängen, dass die westlichen Konzerne einen Teil ihrer märchenhaften Gewinne den chinesischen Billiglöhnern zukommen lassen? Oder werden wir statt dessen wie gewohnt Krokodilstränen über die Sklavenarbeiter vergiessen? Dass die Konzerne von sich aus für höhere Löhne sorgen werden, das halte ich schlicht für unrealistisch.

. Werden wir, Verbraucher, bereit sein, einen höheren Preis für T-Shirts, MP3-Abspielgeräte, Schuhe, Lampen, Notebooks und all das andere Zeugs aus China zu zahlen, wenn uns der Lieferant garantiert, die Preisdifferenz direkt an die chinesischen Arbeiter weiter zu geben?

. Wann werden wir – die westliche Öffentlichkeit – aufhören, Made in China sofort und ausschliesslich mit schlechter Qualität, Arbeitssklaven oder gar mit Fa lun Gong, Da Lai La ma, Tibet und der Taiwanfrage zu verknüpfen?

Um gleich allen Missverständnissen vorzubeugen: all das – in der letzten Frage Aufgeworfene – gibt es, aber eben nicht nur das! Und vor allem nicht so wie es uns unsere Medienpropaganda weismachen will. Es ist so, als ob man im Ausland etwa jede Bilanz-Pressekonferenz von Siemens mit der Neonazi-Problematik in Ostdeutschland oder mit den Entschädigungsforderungen der Preussischen Treuhand gegenüber Polen in Verbindung bringen würde.

Ich denke, wir sollten schon in unserem Interesse schnell aufhören, China ausschliesslich durch diese negative Brille zu sehen. Sonst werden wir uns noch die Augen reiben, wenn wir bald in Neuschwanstein, Hofbräuhaus oder auf der Düsseldorfer Kö Scharen von chinesischen Touristen mit dicken Portemonnaies und hochklassiger Elektronik mit Marken Made in China antreffen und unser Strassenbild unzählige chinesische Autos prägen werden. Zumindest was die Touristen angeht, konnte ich meine Voraussage schon vor einigen Wochen in Paris als verifiziert sehen: ob in Louvre oder in Versailles, die Mehrheit der Besucher sprach Chinesisch.

Wenn wir diese Lektion gelernt haben, dann war das Mattel-Theater doch zu was nützlich, und diese Verzeihung-Schose einer der letzten dieser Art.

Quellen für das Mattel-Thema, unter anderem:
CRI online – http://german.cri.cn/221/2007/09/21/1@82210.htm
Spiegel Online – http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,507126,00.html





Chinesischer Blogger hinter Gittern

25 08 2007

Der chinesische Blogger, He Weihua, ist in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden – offenbar weil er regimekritische Beiträge in Internet-Foren und auf seiner eigenen Seite veröffentlichte.

Nach Angabe von Verwandten in der südchinesischen Provinz Hunan war He Weihua von den Behörden vorgeladen und Anfang des Monats festgenommen worden, nachdem er im Juli den Anstieg der Schweinefleischpreise in China in einem Artikel kritisiert und den Zusammenbruch der Kommunistischen Partei wegen Korruption vorhergesagt hatte.

Ein Verwandter berichtete, He Weihua leide keineswegs an einer Geisteskrankheit. Vielmehr habe er in jüngster Zeit mehrere Artikel für die in China von der Zensur gesperrte regimekritische Webseite „Boxun“ geschrieben. Schon im Dezember 2004 war He Weihua in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen worden, wie „Reporter ohne Grenzen“ berichtete.

Quelle: ard-Tagesschau





Neues Gesetz soll vor willkürlichen Räumungen schützen

25 08 2007

Chinas oberste Rechtsexperten begannen gestern mit Beratungen über Gesetzesvorhaben zum althergebrachten Problem im Bereich von Grunderwerb. Insbesondere wollen sie Änderungen im Grunderwerbsrecht vorschlagen, welche Enteignungen von städtischen Grund- und Immobilienbesitzern detailliert regeln sollen.
Spektakuläre Zwangsräumungen für neue städtische Bauprojekte haben in der Vergangenheit häufig Proteste ausgelöst und führten zu Wellen der Empörung in ganz China. Um sowohl das Recht von privaten Grundeigentümern zu schützen als auch dem öffentlichen Interesse gerecht zu werden, wird das neue Gesetz, das im Oktober in Kraft tritt, Enteignungen nur im Interesse der Allgemeinheit ermöglichen. Nach dem neuen Gesetz muss den ausgesiedelten Bewohnern eine „faire“ Entschädigung gezahlt und neuer, angemessener Wohnraum angeboten werden.

_done_0326nailhouse_600big.jpg Das Nagelhaus in Chongqing

Das neue Gesetz wird das bisherige bedingungslos ersetzen, sofern dieses dem neuen widerspricht. Der Gesetzgeber soll dem Staatsrat das Recht übertragen, neue Richtlinien auf diesem Sektor autonom zu erlassen. Dieses neue Gesetz soll dem Staat, der Gemeinschaft und den einzelnen Bürgern jeweils den gleichen Schutz bieten.

Quelle: Shanghai Daily