Im tiefsten Dschungel verschollen

17 09 2008

 

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Haha, nicht im Dschungel auf einer einsamen philippinischen Insel am Ende der Welt. Nee nee, da habe ich jedesmal mühelos den Weg nach draussen gefunden. Wenn es diesmal nur ein lächerlicher Urwald mit Schlangen, Malaria, Jaguaren und all den anderen üblichen Verdächtigen wäre! Bin auch nicht in eine Fallgrube von Abu Sayaf im tiefsten Regenwald von Mindanao gefallen. Wenn’s nur das wäre. Nee, diese Geschichte ist viel komplizierter, der Ausgang ungewiss. Und sie spielt nicht irgendwo in den Tropen sondern kurz hinterm Hamburger Hauptbahnhof. Genauer gesagt im Finanzamt Hamburg Oberalster, fünfter Stock. Und sie geht so:

Mein Leben lang habe ich meine Steuer bei dem og. Finanzamt… genau: entrichtet! (oder sogar noch schlimmer). Rechtzeitig bevor ich letztes Jahr nach China ging, hatte ich diesen Schritt der zuständigen Sachbearbeiterin mitgeteilt. Daraufhin sagte die Dame, ich möchte dann 2008 meine – vorerst – letzte Steuererklärung für die 2007er Monate, die ich in Deutschland verbrachte, einreichen. Und dann schickte sie mich noch zu einem anderen Hamburger Finanzamt, das für deutsche Staatsbürger zuständig ist, die im Ausland leben. Gesagt getan. Der Herr im neuen Finanzamt lies sich von mir schriftlich bestätigen, dass ich meinen Wohnsitz dauerhaft ins Ausland verlege, und wünschte mir ein gutes Leben in China (sein Glückwunsch ist übrigens in Erfüllung gegangen).

Am 20. Juli dieses Jahres habe ich auf elster-online.de meine elektronische Steuererklärung gemacht. Dieser Vorgang wurde beim Absenden auch bestätigt. Nun, nach etwa acht Wochen wollte ich langsam den Stand der Dinge wissen und habe auf mein dortiges Steuerkonto geschaut… kein Vorgang verzeichnet, kein Eingang einer Nachricht, keine Spur meiner Steuererklärung vom 20. Juli, geschweige denn mein Steuerbescheid wäre eingegangen.

Leicht irritiert aber immer noch frohen Mutes rief ich am nächsten Morgen deshalb die nette Dame beim FA HH Oberalster an. Da teilte mir meine Sachbearbeiterin mit, dass meine Steuernummer gelöscht wurde und somit keine Steuererklärung mehr dort abgegeben werden kann. Sie riet mir, an meinem jetzigen Wohnsitz – in China – meine Steuererklärung für 2007 zu machen. Weil schliesslich die §§ 40 ff. Abs.1a) der Durchführungsvorschriften zur novellierten Einkommensteuerdurchführungsverordnung (EStDV) zum alten Einkommenssteuergesetz (EStG), aber insbesondere die §§ 67 und 68 – aber hier nur die Abs. 49f bis 69c und dann Abs. 74 und 78 – der Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UStDV) zum allseits bekanntem § 17 Abs. 4 des Umsatzstergesetzes (UStG) das so regeln. Ach so!

Sie meinte auch noch, ich könnte das andere Finanzamt anrufen und nach einer Lösung fragen. Gesagt getan. Da es aber um den Zeitraum vor meiner Auswanderung geht, fühlte sich der Herr dort logischerweise nicht zuständig. Eine Email an Kundenservice@FA… blieb bisher ohne Reaktion. Und nu!

Ach! Wäre ich jetzt bloss im tiefsten Mindanao-Urwald, geschwächt von wochenlanger Malaria, auf der Flucht vor einem heranstürmenden schwarzen Jaguar (ich weis, die leben dort garnicht!), im nächsten Augenblick gezwungen mit dem bis an die Zähne bewaffneten Anführer der Abu Sayaf-Rebellen von Angesicht zu Angesicht zu kämpfen! Ach was gäb ich dafür! Was hätte ich da für ein leichtes Spiel! Stattdessen: Finanzamt Hamburg Oberalster, fünfter Stock, Frau Kuklinski-Hühnemeyer, mit einer drei-fünftel Stelle und einem Hausfrauen-Kampfhaarschnitt. Hilfe!!!

 

 

 

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