Ein G für ein M vorgemacht

5 10 2007

Gestern wurden mir an unzähligen Marktständen des riesigen unterirdischen Markts in Gongbei, auf dem Fussweg nach Macau, USB-Sticks mit Sony VAIO drauf und mit 64 GB, ja sogar mit 128 GB drin, angeboten. Und zwar für 8 Euro der kleinere, für 13 Euro der größere, und das schon nach dem ersten Abwinken. Hätte ich überhaupt angefangen zu handeln, hätte ich den Preis locker nochmal halbieren können. Die Händler haben als Reaktion auf meinen skeptischen Blick diesen Stick auch flink in ihre Notebooks reingesteckt, und siehe da: diese haben auch 64 bzw. 128 GB als Volumen angezeigt.

Auch wenn ich eine Speichermöglichkeit dringend brauche, um für den Notfall meinen Daten-Backup zu machen, bin ich skeptisch und standhaft geblieben. Wollte der Sache erst einmal nachgehen. Und siehe da, heute finde ich im Internet http://testberichte.ebay.at/Fake-64-GB-Sony-Vaio-USB-Sticks_W0QQugidZ10000000003939346 folgende Meldung: Hallo an alle, wieder einmal sind hier Fakes von 64 GB Memory Sticks zu beobachten. Angeblich sollen diese von der Marke Sony sein und aus der Modellreihe VAIO.Einen solchen USB Memorystickk hatte ich kurz in den Händen und konnte durch Tests feststellen, dass diese sich als Produkt der Firma ALCOR identifizierten und die „wahre“ Grösse wohl bei ca. 1GB liegen. Verschiedene Dateien wurden nur mit Nullen aufgefüllt oder geschrieben (siehe auch schon meine Vorgänger!). Beim Löschen und einem HKDSK darach wurden reihenweise unverkettete Einträge gefunden. Ein Hinweis auf fehlende Informationen. Ein Ausführen der Routine CONVERT (um das Medium in ein NTFS-LW zu konvertieren) schlug fehl.

Auch das ist China. Ich denke, ich werd mir demnächst in Hongkong oder Macau eine große externe Festplatte zulegen. Ist wohl die optimale Lösung.

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Mit den Capri-Fischern nach Macau

4 10 2007

Voller Vorfreude – nach meiner Reise nach Nordchina und dem anschliessenden dreitägigen Auskurieren der Montezumarache – bin ich heute morgen in aller Herrgottsfrühe, das heisst gegen acht, nach Macau aufgebrochen. Endlich nach Macau! mit einem Langzeitvisum, keine Gebühren, kein neues Visum notwendig, das wird ein Spaziergang, ein schöner und voller Erinnerungen noch dazu.

Zunächst von meiner Insel nach Tangjia, in den 10er Bus umgestiegen, eine knappe Stunde nach Gongbei. Während der Fahrt liefen mir Bilder vom Heiligabend 1980: zuerst mit ein paar Freunden in die zweisprachige – auf Kantonesisch und Portugiesisch abgehaltene – Christmesse in der großen, überfüllten barocken Str. Francis Xavier Kirche, danach zu Füssen der Fassade der ausgebrannten Kathedrale Sao Paolo uns auf den Rasen gelegt unsere Schätze ausgepackt: Schwarzbrot, Schweizer Käse und eine Flasche Chianti, die wir kurz vorher in Hongkong gekauft hatten. Das war das erste Mal nach einem knappen halben Jahr in Taiwan, das wir etwas westliches essen und trinken konnten. Und vor uns soweit das Auge reicht, das jadegrüne Perlflussdelta, mit chinesischen Fischerbooten, die vor der blutroten, im Meer versinkenden Sonne im Hintergrund, mit ihrem Fang nach Hause zurückkehrten… Ein Genuss für alle Sinne. Das Lied Die Capri-Fischer auf Chinesisch, live und in Farbe, selbst eine Freundin hieß Marie (ok: Maria, und kam nicht aus Capri sondern aus Karlsruhe oder so, aber immerhin); nur vom Ablauf her anders herum als es Rudi Schuricke beschrieb.

Wir sind in Gongbei! – kreischt die Stimme aus allen Lautsprechern, auch aus dem direkt über meinem Ohr. Plötzlich rausgerissen aus meinen traumhaften Erinnerungen, sehe ich schon beim Aussteigen an der Endhaltestelle vor dem gigantischen Grenzübergang die Gründe, warum ich auch heute nicht nach Macau gehen kann: Sie sind viele tausend an der Zahl, alle haben schwarze Haare, sind chinesisch und stehen Schlange. Die Goldene Woche! Eine der dreien im Jahr. Mein Vorstellungsvermögen hatte mich schlicht im Stich gelassen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Myriaden Chinesen meine Idee heute, ausgerechnet heute! in die Tat umsetzen werden.

Am liebsten würde ich es mit Rudi Schuricke halten: ich komm zurück morgen früh. Das Problem ist nur, dass es morgen früh nicht anders sein wird. Also bis zum nächsten Mal, irgendwann. Um es mit den Capri-Fischern zu schliessen: Macau, ich vergess dich nie!