Neues Blog

17 03 2009

Hallo Fans und Gemeinde, nach meinem Umzug von China auf die Philippinen setze ich meine Notizen fort, und zwar hier:

VIELIPPINEN

Ich würde mich freuen, wenn ihr dann und wann mal reinschaut und eure Kommentare dort hinterlasst.





… und weiter geht’s von den Philippinen

17 03 2009
bekanntermassen bin ich letzten Dezember auf die Philippinen gezogen. Von dort gibt es eine Menge zu berichten, und deshalb schreibe ich wieder Notizen aus meinem Alltag. Wen es interessiert, der findet diese hier:

Vielippinen

Über Besuch dort und Kommentare würde ich mich sehr freuen. Bis gleich dann…





Das Letzte vom Ringelnatz

30 12 2008
 

Silvester

Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im Geringsten.
Ich merke nur: die Zeit verrinnt
Genau so wie zu Pfingsten,

Genau wie jährlich tausendmal.
Doch Volk will Griff und Daten.
Ich höre Rührung, Suff, Skandal,
Ich speise Hasenbraten.

Mit Cumberland, und vis- à-vis
Sitzt von den Krankenschwestern
Die sinnlichste. Ich kenne sie
Gut, wenn auch erst seit gestern.

Champagner drängt, lügt und spricht wahr.
Prosit, barmherzige Schwester!
Auf! In mein Bett! Und prost Neujahr!
Rasch! Prosit! Prost Silvester!

Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
In heimlichen Geweben.
Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,
Beginnt ein neues Leben.

Joachim Ringelnatz
aus: Allerdings

Mein neues Leben begann vor etwa zwei Wochen, wenn auch ohne Krankenschwester, Champagner und Skandal, dafür aber mit Rührung.  Den Abschied von China umwehte doch eine zarte Wolke aus Wehmut. Diese wurde aber schnell von den neuen Herausforderungen vor Ort in Tacloban in der tiefsten philippinischen Provinz verweht: unser Haus von Kakerlaken befreien, neues Bett kaufen, den Wasserfall aus der Klospülung auf Bachstärke drosseln, sich auf den Märkten nicht übers Ohr hauen lassen und einiges mehr. Und nicht zuletzt eine Heiligabendfeier für drei Dutzend Gäste aus dem Nichts zaubern.

Als meine Freundin auf meine Frage, was wir denn besonderes all den Gästen anbieten könnten, "Spaghetti" antwortete, da dachte ich zuerst, es ist schon wieder so eine höfliche Reaktion, nach dem Motto: Wir wollen den Neuankömmling nicht gleich mit ausgefallenen Wünschen: Karpfen blau, geröstete Prinzessinenböhnchen undsoweiter überfordern. Aber nein, die Ecke im Supermarkt mit Spaghetti und Zubehör war völlig überfüllt. Spaghetti – alles von Del Monte – ist in der Tat DAS Heiligabendessen hier auf den Philippinen. Also war es für mich ein Leichtes die angereiste Familienbaggage (meiner Freundin) unter den blinkenden Xmas-Lichterketten Made in China glücklich zu machen. Als ich dann noch eimerchenweise Eiscreme aufgefahren habe, da hat mich auch die letzte der schätzungsweise acht Nichten meiner Freundin angefangen, heissinnig zu lieben. Alle waren sich einig: der neue Ausländer in der Familie kann reichlich und lecker kochen! hehe….

So einfach kann man Menschen glücklich machen… womit ich gleich bei "einfach" und "glücklich" gelandet bin. Auch wenn ich jetzt voll in die Klischees reinhaue: Das Verhältnis zwischen arm und glücklich ist hier unglaublich klein. Oder mit anderen Worten: Die caroll singers die seit dem 16. Dezember in Batallionstärke auch vor unserem Haus allabendlich philippinische Weihnachtslieder sangen, bekamen regelrecht glänzende Augen, als wir ihnen säckchenweise Reis als Geschenk überreichten.

Der stundenlange Regenguss hat gerade aufgehört, also können wir endlich in die Stadt aufbrechen. Schliesslich steht Sylvester vor der Tür und somit die nächste Feier bei uns. Das Essenkochen – Lechon (Spanferkel) und Bihon (ein Nudelgericht), andere Nationalgerichte der Filipinos – steht uns wieder bevor. Und die bestellte Karaokeanlage muss auch abgeholt werden. Womit wir eine philippinische Grossfamilie in Tacloban, Leyte vollends glücklich machen werden.

Doch Ringelnatz‘ Worte:

Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im Geringsten.

… kann ich allerdings nicht bestätigen. Dass bald das neue Jahr beginnt, spüre ich ganz deutlich. Zumindest so deutlich, wie dass hier vor wenigen Tagen der Geburtstag Jesus‘ gefeiert wurde und nicht eine Konsumorgie. Die meisten Geldbeutel waren zwar leer, die Kirchen dafür knallvoll, und zwar jeden Abend. Und so bekam ich trotz der über 30°C im Schatten ganz schön viel Weihnachtsgefühl.

Da dieser Bericht mit China-Terminal betitelt ist, und ich inzwischen aus China weg bin und auf den Philippinen lebe, schliesse ich dieses Blog, aber nicht ohne ein paar Bilder von meinem neuen Wohnort:

Am ersten Weihnachtstag, fünf Minuten von unserem Haus entfernt…

 

… hier auch.

Maligayan Pasko… ! Da kann man nur: …at ang happy new year 2009!!! zurückrufen. Ein Pedicab-Fahrer vor unserem Haus wünscht Frohe Weihnachten.

Einige der jüngeren Familienmitglieder, die ich für diese eine Sekunde einfangen konnte.

Diese jungen Damen wünschen uns allen ein glückliches 2009… dem schliesse ich mich an. 

 

 

 

 

 

 

 





Zhuhai – ein paar zufällige Fotos

23 10 2008
 
Als ich das letzte mal von Manila kommend in Zhuhai ankam, fiel mir wieder auf in welch schöner Stadt ich doch wohne. Zur Veranschaulichung hier ein paar beliebig ausgesuchte Fotos:
 

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Hühneraugen heissen auf Chinesisch Hühneraugen!

 
 
   

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  Die von mir so heiss geliebten Jiaozi

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 … und die fleissigen Hände die diese Teigtaschen mit Fleisch- und Gemüsefüllung schneller zubereiten als ich sie essen kann, und das soll schon was heissen.
 
 
  

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Obst- und Gemüsestände einmal nachts hellwach…

  

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… und einmal tagsüber schläfrig

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Zhuhai wird Jahr für Jahr zur lebenswertesten Stadt Chinas gewählt. Das Strassennetz trägt sicherlich dazu bei….

 
 
 

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… und die Meeresseite sicherlich auch.
  
 
 

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 Backfisch hie….
 
                         
 
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                        … und da.                  Die Meerjungfrauen – die auf dem rechten Foto ist das Wahrzeichen von Zhuhai.
 
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Während auf der Rückseite noch die Schweinehälften verladen werden, wird vorne die Restaurantmannschaft auf Vordermann gebracht, damit möglichst viel davon an den Gast gebracht wird.  
 
 
 
                                                         

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Für mich das heimliche Wahrzeichen von Zhuhai: Die ewig stehende Uhr am Grenzübergang nach Macau.

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Und zum Schluss die nächste Folge der beliebten Chinglish-Serie.

 





China – oder das Offenbarwerden der eigenen Schwächen

15 10 2008
 
Das kommt dabei raus, wenn sich zweit alte kluge Männer zusammensetzen. Mir war es jedenfalls ein Genuss, Helmut Schmidt und Kurt Biedenkopf zuzuhören, als sie in der Phönix-Veranstaltung "Nachbar China"  vom 29. Februar 2008 über eben jenes grosse Land diskutierten, in dem ich nun seit 14 Monaten lebe. Auch wenn ich nicht mit jedem ihrer Worte einverstanden bin, so doch mit fast jedem. Am Interessantesten fand ich die Passagen, in denen sie über Deutschland sprechen. An diesen Stellen wird China zum Spiegel, in dem die beiden Deutschland kritisch betrachten.
 
Wehmut beschleicht einen, wenn man diese ehemaligen Grössen der deutschen Politik mit der heutigen real existierenden politischen Elite dieser Bundesrepublik vergleicht. Das waren noch Zeiten! Für die jüngeren von euch: Schmidt und Biedenkopf hatten politische Funktionen in einer Zeit, in der deutsche Politiker Argumente in die Runde warfen. Erst später wurde man deutscher Aussenminister, indem man Steine auf Polizisten warf und sein eigenes Auto RAF-Terroristen für Waffentransporte zur Verfügung stellte. So, genug gequatscht! Am besten selber gucken: Nachbar China
 
Ich weiss leider nicht, wie man hier diesen Videopodcast hier einbetten kann. Also bitte den Link anklicken und zur Phönix-Videothek rüberschalten. Dieses Gespräch geht über eine Stunde, aber es lohnt sich wirklich! Man braucht dazu den Real Player oder den Windows Media Player, man kann diese MP4-Datei auch runterladen.
 
 




Einer Wird Gewinnen heisst jetzt: Einer Hat Gewonnen

15 10 2008
Hier ein kleiner Nachtrag zu meinem Beitrag vom 7. Oktober – EWG jetzt mit China -, weil er so gut dazu passt. In Der Welt von heute:  Soros erklärt China zum Gewinner der Finanzkrise sagt George Soros (einer der Börsengurus, einer der reichsten Männer der Welt):

WELT ONLINE: Wird sich die globale Finanzwelt letzten Endes nicht radikal wandeln? Die Vereinigten Staaten werden ihre Spitzenposition verlieren. Sie werden, wie auch Teile Europas, sozialisierte Banken haben und enorme Schulden. Und das kommunistische China wird zur neuen globalen Finanzmacht. Es ist flüssig und kann im Westen investieren.

Soros: Der amerikanische Einfluss wird schwinden. Er hat bereits abgenommen. In den vergangenen 25 Jahren hatten wir stets ein Leistungsbilanzdefizit. Die Chinesen und die ölproduzierenden Staaten hingegen haben Überschüsse eingefahren. Wir haben mehr konsumiert als produziert. Während wir Schulden aufgehäuft haben, haben sie gespart und Reichtum geschaffen. Den Chinesen wird, mit wachsender Tendenz, eine Menge mehr von der Welt gehören, weil sie ihre Dollarreserven und US-Staatsanleihen in echte Aktivposten umwandeln werden. Das verändert das Machtgefüge. Die Machtverschiebung in Richtung Asien ist die Folge der amerikanischen Sünden in den vergangenen 25 Jahren.





Ein Gourmet vor dem Herrn

13 10 2008
 
Nach all den Wirrnissen und Gefahren in der Gegenwart – Finanzkrise, schwindende Demokratie in Deutschland,  Melamin in der Milch und schlechte Augen etwa – haben wir es verdient, uns zeitilich wie räumlich aber auch thematisch von den Problemen dieser Welt zu entfernen und uns was angenehmes zu gönnen.
 
 
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Am Tigerbach-Berg im Städtchen Yuanling in der südchinesischen Provinz Hunan wurde 1999 bei Bauarbeiten für ein Hotel ein Grab aus dem Jahr 162 v. Chr. (also Han-Dynastie) entdeckt. Dank eines dem Toten beigegebenen Siegels konnte der Grabinhaber als Wu Yang identifiziert werden. Der Markgaf Wu hatte aufgrund von Verwandtschaft mit dem Kaiserhaus ein Pfründgebiet erhalten, von dessen Steueraufkommen (einige hundert Familien) er gut leben konnte.

In seinem aus Bohlen gefügten Sarkophag und in den Seitenkammern fanden sich über 140 große Tongefäße, dazu eine vergleichbare Zahl von Gefäßen, die in Lacktechnik ausgeführt waren. Sie dienten dazu, Speisen und Getränke für die Jenseitsreise aufzunehmen. Dazu passt, dass sich im Grab auch zwei große Tische befanden, ebenfalls in Lacktechnik ausgeführt. Besonders auffällig in diesem Grab waren die 101 sogenannten Ohrenschalen. Diese Schälchen dienten dem Genuß von alkoholischen Getränken, und die 56 im Grab gefundenen Figürchen von Dienerinnen und Dienern sollten daran erinnern, daß Wu Yang es sich bei seinen Gelagen gut gehen ließ.

 
Zur Grabausstattung gehörte auch eine kleine Grabbibliothek. Sie war, nach dem Brauch der Zeit, auf Bambusstreifen niedergeschrieben und umfasste 1.336 solcher Streifen. Noch ist diese Grabbibliothek nicht wissenschaftlich bearbeitet, doch schon jetzt ist klar, daß ein Text mit dem Titel "Rezepte für schönes Essen", ein knappes Viertel dieser Grabbibliothek ausmachte. Leider hat dieser Teil der Grabbibliothek die beinahe 2.200 Jahre im Grab nicht unbeschädigt überstanden, doch er scheint richtige, nachkochbare Rezepte zu bieten. Die verwendeten Fleischarten reichen vom Pferd bis zur Gans, einschliesslich der Innereien, zum Beispiel Hirschmägen. Eine Reihe von Gemüsen erwähnt diese Schrift, mehrere Arten von Alkoholica kommen hinzu, auch Gewürze fehlen nicht – und sogar die Sojasoße kommt vor. Dieser Text ist das älteste überlieferte chinesische Kochbuch. 

Die Grabausstattungen stehen in enger Beziehung zu der Lebenswirklichkeit des Toten. Sie sollen diese vor dem Jenseits dokumentieren, damit dem Toten dort eine vergleichbare Position zugewiesen werde. Besonders genau scheinen die Grabtexte zu der Persönlichkeit des Toten zu passen. Und die Grabausstattung des Wu Yang läßt nicht viel Raum für Deutungen: Er war ganz einfach ein früher Gourmet, möglicherweise ein Gourmand, ein Genussmensch und das wollte er auch im Jenseits bleiben.