Mein Buch „China aufgefächert“

20 01 2017

Vor kurzem bin ich über das Manuskript meines Buches über China gestolpert. Der Text wurde nie veröffentlicht, und ich dachte, bevor es auf meiner Festplatte von den Motten gefressen wird, stelle ich ihn online. Die letzte Bearbeitung, dh. vor allem Aktualisierung der Daten, habe ich 2013 vorgenommen, und so werden die Teile, die sich mit aktuellen Ereignissen beschäftigen – Politik, Bankenwesen, Wirtschaft zum Beispiel – heute von den teils stürmischen Entwicklungen überholt und somit veraltet sein. Andere dagegen haben von ihrer Aktualität nichts eingebüßt.

Ich habe vor, diesen Text stückweise online zu stellen, weil ich manches doch noch überfliegen und gegebenfalls aktualisieren werde, falls meine Zeit dafür reicht. Manche Teile des vorliegenden Texts habe ich verfaßt als Unterrichtsmaterial für meine Dozententätigkeit an einem Business College, andere sind das Ergebnis meiner Erfahrungen in China und weitere wiederum waren Gegenstand meines Sinologiestudiums.

Die verschiedenen Teile habe ich dann schließlich zusammengefasst, um dem Leser ein kleines China-Kompendium an die Hand zu geben, in dem er schnell die wichtigsten Informationen zu Geschichte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft findet. Das Buch sollte ihm auch helfen, sich als Expat oder Student im chinesischen Alltag zurechtzufinden.

Los geht’s heute mit dem Inhaltsverzeichnis auf  der neuen Blogseite – dazu oben CHINA AUFGEFÄCHERT anklicken.

 

 

 

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Geld mit mehr Wert

25 10 2007

Neulich habe ich irgendwo einen kurzen Bericht eines deutschen Bankkunden aus Nordchina gelesen. Dieser hatte den Eindruck, er sei für die Angestellten ein Ärgernis gewesen. Als ausländischer Bankkunde sei man schlicht eine doppelte Störung: nicht nur die gewöhnliche in Gestalt eines chinesischen Kunden. Die kann man ganz schnell aus der Welt schaffen, indem man den Kunden wegjagd oder ihm etwa den geforderten Vordruck aushändigt, um sich dann den wichtigen Dingen des Lebens zu zuwenden: essen, trinken, telefonieren. Nein, ein ausländischer Kunde sei ein härterer Brocken. Dieser erfordere nämlich größere Anstrengungen, zum Beispiel ein Gespräch in Englisch. Soweit der Ruf aus Nordchina.

Vor einigen Wochen war es soweit. Mein Bargeld war alle, ich brauchte neues. Bin also in die nächste Filiale nach Tangjia gefahren, dort wo ich mein Konto auch eröffnet hatte. Dort gibt es zwei Geldautomaten. Als ich eine Weile vor dem linken stand, verschiedene Knöpfe drückte und kein Geld rauskam, da gesellte sich ein junger Angestellter von alleine dazu und versuchte mir zu helfen. Er ging die gesamte Palette aller möglichen Tastenkombinationen durch, wie auch ich das vorher getan hatte – trotzdem bot der Automat lediglich die Möglichkeit an, die Karte zurückzubekommen. Meine Kohle rückte er nicht raus. Also holte der Angestellte Hilfe in der Gestalt eines etwas älteren Kollegen. Dieser erklärte, dass ich an dem linken Automaten leider kein Bargeld ziehen kann (den Grund hab ich nicht verstanden), aber am rechten Automaten ging’s problemlos. Die ganze Zeit waren die beiden super nett, geduldig und darauf aus, mich nicht ohne mein Bargeld gehen zu lassen. Zum Schluss entschuldigten sich die beiden geradezu für die Unannehmlichkeiten.

Mir fällt hier in Zhuhai auf, dass egal wo ich hingehe, was auch immer ich brauche die Chinesen hier sind nett, oft hilfsbereit und stets freundlich und geduldig. Meist zueinander, und fast immer zu mir und den anderen Ausländern.

Einen weniger guten Aspekt, was chinesische Banken angeht – dieser hat allerdings nichts mit den Unterschieden zwischen Nord- und Südchina zu tun -, gibt es doch. Als ich neulich in einer anderen Provinz, weit weg von Zhuhai, Geld abgehoben habe, da wurde ein Prozent der abgehobenen Summe als Gebühr berechnet. Ziemlich viel, find ich. Dafür aber ist hier die Kontoführungsgebühr unbekannt.





Eine galaktische Erfahrung?

19 09 2007

Eine Frage ist für mich seit heute definitiv beantwortet: Alle Behörden auf diesem unserem Blauen Planeten – unabhängig von kulturellem Hintergrund, politischem System, Kontinent, Höhe über dem Meeresspiegel, Klima, Sprache, Hautfarbe und Religionszugehörigkeit der Bediensteten – alle, aber auch alle Behörden funktionieren gleich! Was ist daran so neu?, wird der eine oder andere fragen, der schon mal seine Steuererklärung in Oer-Erkenschwick abgegeben und einen Bauantrag in Clausthal-Zellerfeld gestellt hat. Vielleicht ist das für den einen oder anderen eine abgewetzte Binsenweisheit. Für mich als einen unheilbaren Optimisten dagegen bleibt die ewige Hoffnung am Leben, irgendwann, irgendwo einmal an einem Verwaltungsakt teihaben zu dürfen, nach dessen Vollzug man sagen kann: WOW! Wie zum Beispiel nach dem neuerlichen Sieg der deutschen Fussballnationalmannschaft gegen Argentinien bei der Frauen-WM – in China (womit ein Bezug hergestellt wäre).

Also heute, heute war mein großer Tag: Visum beantragen! Und zwar mein Jahresvisum für China. Nachdem der Gesundheitscheck keine Ablehnungsgründe geliefert hatte, und auch sonstige Genehmigungen eingeholt waren, bin ich heute morgen nach Zhuhai gefahren. Bewaffnet mit mustergültig, in schönster Handschrift ausgefüllten Formularen (alle Fotos am rechten Fleck bombensicher festgeklebt), frisch rasiert, gut gelaunt und frohen Mutes (habe schliesslich auch noch an Ersatzfotos gedacht! ha! ganz schön clever von mir!) betrat ich das für Visumangelegenheiten, Ausländer- und sonstige Sicherheitsfragen zuständige Amt. Am Service-Schalter im ersten Stock bat ich die freundlich lächelnde junge Dame um eine Wartenummer. Die Nummer: 08, der Wartebereich für Ausländer fast leer. Gut! Zum Mittagessen bin ich wieder zu Hause. Allerdings bat mich die Angestellte vorsorglich, ihr meine Antragsunterlagen zu zeigen. Ebenfalls freundlich lächelnd breitete ich meinen ganzen Stolz vor ihr aus. Allerdings fiel der hübschen Bediensteten gleich auf, dass mein Foto auf dem Antragsformular einen weissen Hintergrund vorweist. Auf meinen Einwand hin, der Fotograf in Tang Jia habe mir ausdrücklich zugesichert, bei den von ihm angefertigten Aufnahmen handele es sich ganz bestimmt um Fotos für einen Visumantrag, antwortete die nach wie vor sehr freundlich wirkende Chinesin: Nun, so war es im letzten Jahr. In diesem Jahr akzeptieren wir nur noch Aufnahmen mit blauem Hintergrund. Durch jahrzehntelange Grabenkämpfe mit Behörden gestählt, habe ich alle weiteren Fragen und Einwände als Zeitvergeudung verstanden und mir diese verkniffen, bis auf eine: Wo kann ich Fotos mit blauem Hintergrund anfertigen lassen?

Zum Glück war das Fotostudio gleich gegenüber, auf der anderen Strassenseite. Diese habe ich auch überquert, ohne mich auf die Motorhaube eines der vielen vorbeisausenden Autos zu verirren. Allerdings war der Laden proppenvoll. Wohl alles Dumme, die nicht mitbekommen haben, dass die Modefarbe dieser Saison Blau heisst. Irgendwann war auch ich an der Reihe. Während der Fotograf sein Handwerk verrichtete: Gucken Sie mehr nach rechts! Nein, nicht sooo weit, zurück. Jetzt mehr nach oben! Und lächeln Sie ein wenig… gesellte sich die Chefin dazu und erzählte mir, dass ihr Mann Amerikaner sei, der in Wyoming lebt. Dann hat sie mir noch angeboten, dass Foto privat und gratis per Email zuzuschicken. Echt nett. Doch auch die netteste Unterhaltung ist irgendwann zu Ende; spätestens dann, wenn das Touristenvisum ausläuft und man noch keinen Ersatz hat.

Ich also wieder über die Strasse, in das Amtsgebäude rein. Erster Stock, die freundliche junge Dame kurz mal aus dem Sekundenschlaf gerissen, Nummer gezogen. Gut fünf Minuten gewartet. Ding dong, meine Nummer erscheint, bin dran. Während ich meine wohlsortierten Unterlagen aus dem Ordner hole und mein Konterfei vor blauem Hintergrund betont lässig vor die junge freundliche Visabeamtin lege, lobt sie mich für mein Chinesisch und fragt nach dem Grund für meinen Chinaaufenthalt. Weil ich China sehr mag! – nach dieser Antwort kann rein gar nichts mehr schief gehen, dessen bin ich mir jetzt total sicher.

Als sie aber mein Antragsformular in die Hand nimmt, und das Wort Aber… sehr langsam in ihrer Kehle beginnend, über die Zungenspitze rollt, zwischen den zugespitzten Lippen ihrem Mund entweicht und sich in meine Ohren bohrt – in diesem Moment schmilzt all meine Zuversicht dahin, wie der dünne Eisbelag auf den tiefgekühlten Coladosen in der Zhuhaier Mittagssonne. … Sie haben das Formular per Hand ausgefüllt! Fieberhaft versuche ich mich an jede Verhaltensweise für Ausländer in China zu erinnern die ich jemals in einem der unzähligen China-Ratgebern gelesen habe. Von Handschriften-Verbot war nirgends die Rede. Seit einem halben Jahr werden alle Formulare bei uns automatisch gelesen und elektronisch archiviert. Sie müssen es auf dem Computer ausfüllen. Tut mir leid. Mir auch. Vor allem, weil mein Mittagessen ohne mich stattfindet. Rund eine Stunde Hinweg, eine gute Stunde Behörde und Fotostudio, eine Stunde zurück – das bedeutet, mein gewohntes Mittagessen ist für heute passe; muss mich dringend um meine Nahrungsaufnahme andernorts als sonst kümmern. (Ich habe neulich von meiner rasanten Sinisierung geschrieben. Der ständige Hunger, oder vielmehr das ständige Denken ans Essen, ist ein weiteres Zeichen dafür!) Also morgen noch einmal hin: die hübsche Angestellte am Infoschalter bitten, eine Nummer für mich zu ziehen; der freundlichen Visa-Beamtin erzählen, dass mich meine China-Affinität in dieses Land geführt hat; vielleicht auch beim Fotostudio vorbeischauen und der freundlichen Chefin ein Danke schön! für das Emailfoto sagen – China lehrt Gelassenheit. Und Dankbarkeit. Zum Beispiel dafür, dass Chinas Strafgesetzbuch keine Strafen für handschriftliche Einträge auf amtlichen Formularen vorsieht.

Tief entspannt und voller Dankbarkeit überlegte ich auf dem Heimweg im Bus, warum es so ist, dass Antragsteller aus allen Weltgegenden von ähnlichen Erlebnisses mit Behörden berichten. Vielleicht ist es so, weil nur Menschen mit einem besonderen Beamten-Gen sich zu einer derartigen Tätigkeit hingezogen fühlen? Und sind sie erst einmal drin und tragen dort Verantwortung für die Funktionsweise ihrer Institution, dann verrichten sie ihren Job nach einem seit Jahrmillionen festgelegten Muster. Wie zum Beispiel verschiedene Vogelarten, die ihre Nester immer nach einem speziellen, ihrer Art eigenem Muster bauen? Neulich habe ich gelesen, dass sogar Wale in verschiedenen Dialekten miteinander kommunizieren. Warum ist das so? Ich sage nur: Gene. Und wenn meine These stimmt, wonach die Beamten ein besonderes Gen in ihrem Erbgut vorweisen können, wird man dieses Gen auch bei Beamten auf von Außerirdischen bewohnten erdähnlichen Exoplaneten in fernen Galaxien finden? Oder geht man auf diesem Planeten – sagen wir mal auf dem OGLE-2005-BLG-390Lb, der glücklicherweise kälter sein soll als der Ypsilon Andromedae D – aufs Amt und nach 10 Minuten kommt man raus mit genehmigtem Antrag auf Anbau am alten Geräteschuppen im Schrebergarten?

Bevor ich dieser Frage noch weiter nachgehen konnte, stoppte der Bus leider schon vor meinem Haus. Das nächste Mal nehme ich lieber meinen Sonnenschirm wieder mit oder setze mich zumindest auf die schattige Busseite. Besser ist das.





Blut für Visum

4 09 2007

Heute stand die obligatorische Gesundheitsuntersuchung auf dem Plan. Das ist eine notwendige Voraussetzung, um ein Langzeitvisum für die Volksrepublik China zu bekommen und wird in einem eigens dafür eingerichteten Untersuchungszentrum durchgeführt. In der Empfangshalle im Erdgeschoss das Antragsformular ausgefüllt – ein paar Felder auf der ersten DIN-A4 Seite, alles andere durchgestrichen: kein Aids, keine Drogen, keine Selbstmordversuche, noch nicht einmal Halluzinationen. Abgegeben. Sofort einen Laufzettel in die Hand gedrückt bekommen. Zimmer 201: Blutdruck und Körpergröße messen, wiegen, Stempel drauf, fertig. Zimmer 202: EKG, Stempel drauf, fertig. Zimmer 203: Ultraschall der Bauchhöhle, Stempel drauf, fertig. Zimmer 204: Augenkontrolle, Stempel drauf, fertig. Zimmer 205: Pinkelbecher abgeholt. Einen Stockwerk tiefer, auf der Männertoilette halbvoll gemacht (warum eigentlich gibt es in deutschen Einrichtungen dieser Art immer einen Extraraum für eine Handlung, für die es schon einen Raum im Gebäude gibt?!), mit dem Inhalt die Treppe hoch, abgegeben, Stempel drauf, fertig. Zimmer… ha! 208: Blutabnahme, Stempel drauf, fertig. Und das alles absolut ohne Wartezeiten; ok, einmal habe ich drei Minuten gewartet. Ähnlich kurz wie dieser Text war auch die gesamte Prozedur: Nach noch nicht einmal einer halben Stunde war ich wieder draussen. Und wenn die chinesischen Doctores nichts gefunden haben, dann krieg ich nächste Woche mein Jahresvisum für China.





Hongkong, meine Perle…

1 09 2007

ich bin da! Am frühen morgen am Hongkong-Airport gelandet.

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Am größten und dennoch schönsten, saubersten und modernsten Flughafen, den ich je erlebt habe. Alles perfekt durchdacht bis ins kleinste Detail, wirkt sehr beruhigend auf den Fluggast. Beispielsweise wird man vor der Rolltreppe runter zum Zubringer

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durch ein großes Plakat vom Hinunterstürzen gewarnt: Bleiben Sie ruhig: die Züge fahren alle 2 Minuten!

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Der eine Zug fuhr mir vor der Nase weg, der nächste kam zwei Minutern später. Kurze Überfahrt und schon ist man in der riesigen Ankunftshalle. Auch hier alles perfekt durchdacht und blitzeblank sauber. Selbst die Toiletten – porentief rein, Benutzung natürlich gratis – sind mit dem Gepäckwagen befahrbar, was für Einzelreisende einen wichtigen Aspekt darstellt, wenn man sich zwischen nasser Hose und gestohlenem Koffer entscheiden muss. Hier braucht man keine der Alternativen fürchten: die Hose bleibt trocken und der Koffer im Blick. Auf dem Weg zum Bus- oder Zugbahnhof kann man sich auf viellerlei Weise stärken, Geld wechseln und sich von superfreundlichen, geduldigen und lächelnden chinesischen Mädchen am Informationsstand zum Beispiel über den günstigsten Weg ins Zentrum von Hongkong beraten lassen. Ich habe mich für die billigere Variante entschieden: 3,30 Euro mit der Buslinie A21 nach Kowloon statt 9 Euro mit der Schnellbahn. So konnte ich von der ultramodernen aber streckenweise verstopften Autobahn aus die Umgebung des Duftenden Hafens sehen. Hier duftet er vor allem nach Diesel. Der Containerhafen hat bei mir Erinnerungen an Waltershof geweckt.

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Kowloon hat mich mit der schon erwarteten, in den engen Gassen angestauten Hitze empfangen, hat mir keine Eingewöhnungsphase gegönnt. Volle Kanne Sonne und Hitze. Gerettet haben mich die unzähligen Fruchtsaft-Stände an vielen Ecken in Kowloon.

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Und so konnte ich an der Hongkonger Waterkant die Skyline dieser einzigartigen Stadt geniessen.

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Es ist vieles neu aber zugleich – auch nach 26 Jahren Abstinenz – sehr vertraut. Zum Beispiel die Tatsache, dass Freud und Leid, Glück und Elend hier bisweilen Tür an Tür wohnen.

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Ich oute mich lieber jetzt und gleich: Ich liebe diese Stadt mit ihrer einmaligen Atmosphäre. So jetzt ist es raus.

Nicht weit von der Star Ferry Anlegestelle habe ich eine nette Frau aus Beijing getroffen, die in Hongkong Urlaub machte. Wir haben uns ganz angeregt unterhalten und sind hungrig geworden. In einem nahen Shoppingcenter haben wir eine leckere Hundun-Suppe gegessen. Genau das richtige bei dieser Hitze. Wie geplant um halb vier habe ich mit einem modernen und blitzschnellen Katamaran nach Zhuhai übersetzt; trotz oder vielleicht dank des Schaukelns habe ich den ganzen Weg geschlafen. Am Zhuhaier Hafen wurde ich von Herrn Wang abgeholt und mit einem klimatisierten Van nach Qi’ao gebracht. Bisher wurde ich von Herrn Wang sehr gut betreut, er hat mir überall geholfen, alle Fragen beantwortet. Und so konnte ich den Ausblick aus meinem Fenster geniessen:

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Auch wenn das Wetter für mich erträglich ist, einen Hoffnungsschimmer für Hitzeempfindliche gibt es doch: Für die nächsten Tage haben sie im Fernsehen eine „deutliche Abkühlung“ auf… 35°C vorhergesagt! (Sorry für euch Hamburger)

War bisher so mit dem Erledigen – und vor allem mit Schlafen! Ich bin sooooo müde! – beschäftigt, dass ich es noch nicht geschafft habe, ans Meer zu gehen, das direkt vor meiner Nase den Strand mit gleichbleibenden ruhigen Wellen überspült und von Kümos und Fischerbooten in naher und weiterer Ferne durchpflügt wird. Erstaunlich, in wieviel verschiedenen Farben sich so ein Meer in so kurzer Zeit zeigen kann: von mittelblau bis dunkelgrün in etwa 36 Stunden. Ich habe fest vor, in den nächsten Tagen die schmale Strasse zu überqueren und zumindest meine Zehenspitzen ins Meer zu stecken.

Ihr merkt es schon: So wie es in Deutschland begonnen hat, so geht es hier weiter: perfekt. Alles klappt! Das Internet – läuft; selbst der Online-Zugriff auf mein Bankkonto in Deutschland (https://…) klappt problemlos. Die Geschwindigkeit ist dank DSL der China-Telekom doppelt so schnell wie in Deutschland (hier: 100 MBit/s in Deutschland die Hälfte). Alle Seiten, die ich in Deutschland besucht habe, kann ich auch hier aufrufen.

Wo wir schon bei China und Internet sind, da fällt mir ein, dass wir gestern versucht haben, die polizeiliche Anmeldung zu vollziehen, die hier sofort erfolgen muss. Wir sind nach Zhuhai hingefahren, aber bei der Behörde war niemand anzutreffen, alle Türen waren verschlossen. Vielleicht fand gerade eine Versammlung aller Mitarbeiter statt. Hoffentlich war einer der Tagesordnungspunkte das Aufhängen von Schildern mit allgemeinen Öffnungszeiten und mit „Ich komme in … Minuten wieder“! Im gesamten vierstöckigen Gebäude gab es nämlich nicht einmal einen Hinweis auf gewöhnliche Öffnungszeiten, geschweige denn einen Zettel mit der Info, dass an diesem Tag die Behörde geschlossen bleibt. Der Grund liegt vielleicht schon im Bereich von Staatsgeheimnissen. Wer weiss das schon.

Herr Wang wird wieder hinfahren, um mich anzumelden. Nach dem – universellen – Erlebnis mit, diesmal chinesischen, Behörden sind wir einkaufen gefahren. Das Notwendige in einem Supermarkt eingekauft: eine Kiste Wasser, Waschpulver, Seife, Shampoo, Messer, Becher und Glas, und Obst. Eine kleine Auswahl der Utensilien, die das Überleben hier sichern:

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Auch eine Prepaid-Simkarte für mein Handy geholt: 6 Euro drauf, alles Gesprächseinheiten, bis auf 1 Euro, dass monatlich als Grundgebühr berechnet wird. Chinaweite Gespräche: 1,9 Eurocent/Minute, nach Deutschland: 20 Eurocent die Minute. Allerdings werde ich das nicht so dringend brauchen: Skype läuft hier tadellos. Habe gestern schon meine Mama und meine Schwester in Deutschland angerufen, die sich über meine so schnelle Meldung sehr gefreut haben.

Ganz besonders hat mich Chunhuas Last minute Geschenk gefreut:

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So ist gewährleistet, dass ich jeden Morgen an Hamburg denke.

 





Leavin‘ on a jet plane

30 08 2007

Pünktlich um 7:25 am Mittwoch morgen hob ich vom Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel ab. Meine mehrtägige Sorge und zigfaches Umpacken zwischen Koffer und Handgepäck – alles umsonst. Ist 23,5 kg schon über der Toleranzgrenze, oder gehen gar noch 24,2 kilo? Soll ich das T-Shirt von der EM-96 in England mit oder lieber hier lassen und stattdessen noch eine Laufhose einpacken? Derartige Fragen beschäftigten mich die letzten Tage vor der Abreise. Aber wie es sich an diesem Morgen rausstellen sollte, waren sie allesamt für die Katz. Die Dame beim Check in hat nur einen blitzflüchtigen Blick auf die Waage geworfen, nichts zu den letztendlichen 24,2 kg gesagt, auf den Knopf gedrückt und schon war mein Koffer auf dem Weg nach Hongkong. Auch der 11,7 kg Trecking-Rucksack ist kommentarlos als Handgepäck durchgegangen.
Die viereinhalb Stunden in London Heathrow habe ich leidlich überstanden: zunächst mindestens eine halbe Stunde von einem Terminal zum anderen gelaufen, dazwischen eine Mega Schlange vor der Leibesvisitation mit den aberzigtausenden anderen Leidgenossen geduldig mitgelitten. In den restlichen drei Stunden in der Wartehalle hab ich Löcher in die Luft geguckt und mich mit anderen Reisenden unterhalten.

Im Flieger nach Hongkong lief zum Glück passables Filmprogramm (I walk the line – über Johnny Cash). Dank der Bildschirme in der Rückenlehne direkt vor einem konnte ich den Film so richtig gut sehen – und geniessen.





Ich kann schon die Stunden zählen

26 08 2007

… bis zum Abflug am Mittwoch. Eigentlich müsste ich jetzt völlig aufgelöst durch die Wohnung rennen, an Millionen von unerledigten Dingen denken, und was tue ich? Ich liege flach! Zum Teil liegt es an meinem – zum Glück leichten – Hexenschuss seit gestern mittag, zum Teil aber daran, dass alles Wichtige erledigt ist. Die Möbel sind schon vor Tagen und Wochen verkauft, gleich kommt ein Chinese und holt meine Waschmaschine ab, meinen Kühlschrank kriegt mein Nachbar. Die unzähligen kleinen Dinge bin ich über ein chinesisches BBS hier losgeworden. Meine Freundin hat sich die Mühe gemacht jeden Topf, jedes Lämpchen und jedes Küchengerät zu fotografieren und dort ins Netz zu stellen. Und die Chinesen haben mir hier die Bude eingerannt und die Sachen Stück für Stück gekauft. Viel Besuch, ein paar Euro eingenommen, etwas über das Verhandeln mit Chinesen dazugelernt – und hab jetzt noch Zeit Freunde zum Abschied zu treffen und hier zu schreiben. Ich habe mir die letzten Tage in Deutschland viel stressiger vorgestellt.