Karl Martell, der Supermann

10 10 2008
 
Im Jahre 732, also Jahrhunderte vor dem ersten Kreuzzug der Europäer 1095, führten die Moslem im Namen ihrer "Religion des Friedens" einen Kreuzzug nach Europa, der von dem Franken Karl Martell gestoppt wurde. Diese Rettung der westlichen Zivilisation, Identität und Freiheit, und zugleich eines der Glanzlichter der deutschen Geschichte, jährt sich heute zum 1276ten Mal.
 
 

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Nachdem sie die Iberische Halbinsel brutal unterworfen haben, schien der Siegeszug der Araber in Europa unaufhaltsam. Der Kalif von Damaskus war in vielen Schlachten gestählt – und der fränkische Hausmeier Karl Martell eigentlich kein ebenbürtiger Gegner, als die beiden in der Nähe von Tours aufeinandertrafen.

Südlich der Stadt Tours an der Loire scheint im Herbst 732 eine neue Völkerwanderung im Gang zu sein. Ein Haufen von fast 80.000 bewaffneten Arabern wälzt sich entlang des Flussufers, großenteils beritten und schier unaufhaltsam. Doch am 3. Oktober kommt der Heereswurm plötzlich zum Stehen. Hinter einer Brücke über den Bach Vienne sind stumm und drohend fränkische Panzerreiter aufgetaucht.

Abd er-Rachman, Feldherr des mächtigen Kalifen von Damaskus, ist kein Dummkopf. Aus zahlreichen Schlachten weiß er, dass bei diesen schweren Kavalleristen Vorsicht geboten ist. Doch als seine Späher ihm melden, das Frankenheer sei mit allenfalls 15.000 Mann lächerlich klein, entschließt er sich zum Angriff. Schließlich haben die Truppen der Moslems noch nie eine Niederlage im Feld erlitten. Was Abd er-Rachman unterschätzt: Ihm steht Karl Martell (um 688 – 741) gegenüber, der größte Heerführer des fränkisch-germanischen Reiches.

Die Araber sind gefürchtete Krieger; binnen weniger Jahrzehnte haben sie den Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika erobert. Ihr Kalif ist der bedeutendste Herrscher seiner Zeit und will auch Europa dem Halbmond unterwerfen. Im Jahr 711 setzen seine Truppen bei Gibraltar übers Mittelmeer und zerschlagen sämtliche Heere der spanischen Westgoten. Nur drei Jahre später ist fast die gesamte iberische Halbinsel erobert. Über das Pyrenäen-Gebirge geht die Invasion nordwärts.

Sie nannten ihn den "Hammer"

725 wird das Heer des Herzogs Eudo von Aquitanien (Südfrankreich) geschlagen. Er selbst flieht nach Paris. Dort residiert Karl, den man „Martell“ (der Hammer) nennt, weil er seine Feinde schonungslos zur Strecke bringt. Karl führt als „Maiordomus“ die Staatsgeschäfte für den völlig lethargischen Merowingerkönig Theuderich IV. Was er von Herzog Eudo hört, ist beunruhigend: Die wilden Reiter aus dem Morgenland sind pfeilschnell, grausam und zahllos. Sie verspeisen mit Vorliebe Herz und Leber ihrer gefallenen Gegner. Darüber hinaus plündern und sengen sie, so dass ganz Südfrankreich einer Wüstenei gleicht.

Karl Martell erkennt die tödliche Gefahr, weiß aber, dass er sich auf sein kampferprobtes Heer verlassen kann. Da ist zum einen das Fußvolk, bewaffnet mit Spieß, Schwert, Schild und der „Francisca“. Es ist die Spezialwaffe seiner Männer – eine einfache oder doppelschneidige Streitaxt. Mit einer daran befestigten Schnur schleudern die Krieger sie auf kurze Distanz gegen den Feind. Für den Zustand der Waffe ist ihr Träger persönlich verantwortlich und muß für Nachlässigkeit hohe Geldstrafen zahlen.

Die Araber hatten zu viel Beute im Gepäck

Karls entscheidende Streitkraft bilden die schweren Reiter. Sie tragen einen Panzer aus kleinen, schuppenförmigen Eisenplatten, einen visierlosen Helm und Beinschienen. Im Kampf sind sie nur schwer zu verwunden. Eine Ausfuhr der fränkischen Panzerhemden ist bei Todesstrafe verboten. Ein weiterer Trumpf dieser Kavallerie ist die Benutzung von Steigbügeln und holzverstärkten Ledersätteln, die dem Reiter einen sicheren Sitz auf seinem Roß ermöglichen.

Normalerweise sind die arabischen Heere jener Zeit allen anderen an Beweglichkeit weit überlegen. Doch auf ihrem Raubzug 732 haben sich die leicht bewaffneten und berittenen Soldaten derart mit Beute bepackt, dass sie diesen Vorteil einbüßen. Karl Martell hingegen läßt nur wenig Gepäck zu und kann die Araber ausmanövrieren. Bei Tours verlegt er ihnen den Weg. Abd er-Rachman hat nur zwei Möglichkeiten: Kampf oder Rückzug. Letzteres ist für den stolzen Moslem undenkbar, also wählt er am 10. Oktober 732 die Offensive.

68 Jahre später wird Karls Enkel in Rom zum Kaiser gekrönt

Die Schlachtordnung der Araber besteht aus drei Linien, welche jeweils allegorische Titel tragen: Die erste „Morgen des Hundegebells“ wird von ausgeschwärmten Reitern gebildet; die zweite „Tag der Hilfe“ und die dritte „Abend der Erschütterung“ bestehen aus dichten Reiter- und Fußvolkkolonnen. Die unaufhörlichen Angriffe der arabischen Kavallerie prallen an dem Fußvolk der Franken ab. Der spanische Chronist Isidorus Pacensis berichtet: „Die Männer aus dem Norden standen bewegungslos wie eine Mauer. Wie ein zu Eis erstarrter Gürtel wichen sie nicht und erschlugen ihre Feinde mit dem Schwert.“

Karl Martell beschließt nun, diesen Erfolg auszunutzen und läßt seine Panzerreiter eingreifen. Er durchbricht an ihrer Spitze die feindlichen Reihen, dringt bis zum arabischen Hauptlager vor und vernichtet alles, was sich den Franken in den Weg stellt. Dass er persönlich seinen Widersacher Abd er-Rachman erschlagen hat, ist eine fromme Legende – der Feldherr kommt während der regellosen Flucht ums Leben.

Die Niederlage der Araber ist so eklatant, dass sich nur noch einmal (737) eines ihrer Heere über die Pyrenäen wagt und wieder vernichtend geschlagen wird. Zu Recht feiert das christliche Abendland Karl Martell als Erretter. 68 Jahre nach der Schlacht bei Tours erreicht sein Werk einen postumen Höhepunkt: Sein Enkel Karl der Große wird in Rom zum Kaiser der europäischen Christenheit gekrönt.

 
 

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3 responses

10 10 2008
Volker

Interessant! Das war mir nicht in Erinnerung. Vielleicht hatte ich das auch nie gehoert. Aber wie kommst du in China dazu ueber europaeische Geschichte zu bloggen? Aber das regt mich auch an, wieder einmal meine Buecher zu waelzen und mein Geschichtswissen aufzufrischen.
Gruss aus Thailand

10 10 2008
克千

Wie ich dazu komme über europäische Geschichte zu schreiben… Angestossen durch die Pro-Köln-Ereignisse Ende September habe ich mir die gegenwärtige Situation in Deutschland und in Europa genauer angesehen. Zum Beispiel den Zustand der Demokratie in D. Und dann habe ich nach Beispielen in unserer Geschichte gesucht, wo unsere Vorfahren mit existentiellen Bedrohungen unserer Zivilisation erfolgreich fertig wurden. Und dabei bin ich auf Karl Martell gestossen, einen Mann mit Eiern. Ach gäbe’s mehr davon, könnte ich mir sogar vorstellen nach D wieder zurückzukehren.

11 10 2008
克千

…. und ist einer da, dann stirbt er sehr bald des unnatürlichen Todes:
 
Wien (dpa) – Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider ist nach einem Bericht der Nachrichtenagentur APA bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Wie es hieß, ereignete sich der Unfall am frühen Morgen in Klagenfurt. Der Dienstwagen des Kärntner Landeshauptmanns und BZÖ-Chefs sei aus noch unbekannter Ursache von der Straße abgekommen und habe sich offenbar überschlagen. Dabei habe Haider, der allein im Auto gewesen sei, schwerste Verletzungen im Kopf- und Brustbereich erlitten, an denen er wenig später gestorben sei.
 
Ist ja klar: Autounfall, kann jedem passieren.

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