Ich war dann mal weg

14 09 2008
 
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Die letzten drei Monate habe ich – bis auf zwei Pausen zwischendurch – überwiegend auf den Philippinen verbracht. Wie soll ich anfangen? Was soll ich aus den unzähligen Erlebnissen herausheben? Ich fang an mit den Eckdaten, und dann fällt mir vielleicht was ein. Also das erste Mal bin ich Anfang Juni auf die Phils gereist, darüber hab ich aber schon ausführlich geschrieben. Ende Juni zurück nach China, gut zwei Wochen später wieder hin, und bis vor fünf Tagen dort geblieben, mit Ausnahme einer kleinen Reise nach Macau und Hongkong, wo wir versucht haben, ein China-Visum für meine philippinische Freundin zu bekommen. Aufgrund der Olympischen Spiele ("Eine Welt ein Traum") wurden aber viele Menschen, vor allem aus Ländern der "Dritten Welt", so auch meine Filipina, komplett ausgesperrt. Andere wiederum, aus der "Ersten Welt", konnten eines – wenn auch stark reduziertes – bekommen. Ich konnte, aber habe dankend verzichtet und bin mit meiner Freundin stattdessen auf die Philippinen zurückgeflogen.

Überhaupt Olympia, weil mich so viele danach gefragt haben. Ist an mir weitgehend spurlos vorbeigegangen. Wenn einer 100 Meter seitwärts, mit nur locker zugeschnürten Schuhen, zur Tribüne grinsend in 9,69 Sekunden hüpft und ihm danach empfohlen wird, den Lauf nur etwas ernster zu nehmen, um dann 9,55 zu laufen. Und wenn einer acht Weltrekorde im Stundenrhythmus nach Belieben schwimmt, auf Strecken die so unterschiedlich sind wie 100 Meter und 10.000 Meter Lauf, und für die man absolut unterschiedliche Technik, Training und körperliche Voraussetzungen mitbringen muss – ja, dann frag ich mich, wieviel das noch mit Sport und wieviel mit den Milliarden der Sponsoren und TV-Anstalten zu tun hat. Und ich beantworte die Frage für mich glatt mit: Das hat mit Sport nichts zu tun! Der griechische Schäfer Louis Spiridon übrigens gewann 1896 den Lauf von Marathon nach Athen. Er wird auf den letzten Metern vom griechischen Kronprinzen persönlich begleitet. Als Belohnung für seinen Sieg bekommt er einen Ölzweig und eine Silbermedaille (!) sowie Gratiskleidung und -rasur bis an sein Lebensende.

Ich habe diese "Spiele" 2008 an mir vorbeiziehen lassen. Nicht ganz. Eines Abends, gerade in Hongkong angekommen, sah ich im TV wie deutsche Reiter ein paar Ecken weiter Goldmedaillien umgehängt bekamen. Und an einem anderen Morgen auf dem Weg zum Frühstück an einem der Public Viewings in Macau hörte ich plötzlich die deutsche Nationalhymne:

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So ich machs kurz: China hätte niemals die Olympischen Spiele kriegen dürfen. Westliche Medien haben zugenüge Argumente für diese Aussage geliefert; stellvertretend für viele, diese hier.  Für mich waren die 40 Millionen Blumenkübel verstreut über ganz Beijing ein Sinnbild dieser Veranstaltung. So wie diese Blumen nur für zwei Wochen den Dreck und die Rückständigkeit von Beijing verdeckt haben und nach Olympia-Ende auf dem Müll gelandet sind, genauso haben diese "Spiele" und Dutzende von Goldmedaillien für chinesische Sportler die Tatsache verdeckt, dass so gut wie niemand hier Sport treibt und die olympische Idee keinerlei Wurzeln in China hat. Ich habe noch keinen Chinesen schwimmen, laufen oder in der Freizeit Rad fahren sehen. Sport findet in China nur im Fernsehen statt.

Nun habe ich mich verquatscht. Werde später meinen Philippinen-Bericht fortsetzen.

 

 

 
 

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One response

14 09 2008
Juergen

:-)) ich mache meine Bemerkung aber noch zu Olympia und bin deiner Meinung. Es hat nur noch sehr wenig mit Sport zu tun, es ist eher reiner Komerz. Habe selbst auch kaum etwas davon mitbekommen. Und interessiert war ich nur an Bereichen, wo ich Sportler persönlich kannte. Diese kann ich einschätzen und werten. Bei anderen, s. Laufen, Schwimmen, da zweifle ich stark.

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