Philippinen – Samar und Leyte

30 09 2008
 
Weil man sein Wort halten soll, reiche ich hier den kleinen Bericht von meinem zweiten Philippinen-Trip in Juli/August nach. Genauer gesagt: einen Fotobericht – die Kommentare unter den Fotos beachten! Dieses Fotoalbum kann hier bewundert werden.
 
Zur besseren Orientierung hier eine kleine Philippinen-Karte. Tacloban ist die Hauptstadt der Provinz Leyte und Samar liegt südöstlich von Leyte. Die Calicoan Island liegt am äussersten Zipfel von Samar, ganz unten im Süden, da wo nur noch der Pazifik kommt.
 
 
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Lesen geht ins Auge

26 09 2008
 
Eins der ersten Dinge die mir in China auffielen, als ich letztes Jahr ins Land kam, war die grosse Zahl an Brillenträgern, vor allem unter den jungen Chinesen. Selten sehen sie so aus:
 
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aber ich habe schon Schulklassen gesehen, in denen schätzungsweise 80% der Schüler Brillen trugen. Um dieser allgemeinen Augenschwäche beizukommen, müssen die jungen Chinesen ihre Augen behandeln. In jeder zweiten Unterrichtspause ertönt dann aus den unabdingbaren Lautsprechern, die in jedem Klassenraum unter der Decke hängen, eine sanfte Musik und eine Stimme fängt an zu zählen: eins, zwei, drei… bis acht. Die Schüler rennen dann nicht wie sonst wild raus sondern bleiben auf ihren Stühlen sitzen und schliessen auf dieses Kommando hin ihre Augen und fangen an, verschiedene Stellen um die Augen herum mit ihren Fingern zu massieren, genauer gesagt: zu akupunktieren. Das ganze dauert etwa fünf Minuten.
 
Weil dadurch aber Dreck und Bakterien in die Augen gelangen, was häufig zur Augenentzündung führte, wurde ab diesem Schuljahr die Nasenwurzel, gleich neben den Augen aus dem Programm rausgenommen. Dafür werden jetzt die Ohrmuscheln traktiert, was – nach Auffassung der Traditionellen Chinesischen Medizin – zu gleichen positiven Effekten für die Augen führen soll.
 
 
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Der Mut zur Bratwurst

21 09 2008
 

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Ich selbst musste mir meine Freiheit nehmen, sonst hätte ich sie nicht bekommen. Ich war achtzehn Jahre alt, also volljährig und im letzten Ausbildungsjahr zur technischen Zeichnerin, als ich auf dem Nachhauseweg von der Arbeit allen Mut zusammennahm, um – was ich lange beschlossen hatte – eine Bratwurst zu essen. Bratwürste aßen nur die gavur, die Ungläubigen, denn sie bestehen meist aus Schweinefleisch – und Schweinefleisch ist haram, verboten. Ich bestellte also die Wurst und erwartete, dass mit dem ersten Biss sich entweder die Erde auftat und mich verschlang oder ich vom Blitz erschlagen wurde. Die Wurst war nicht besonders lecker, aber das Entscheidende war, dass – nichts geschah.

Die deutsch-türkische Soziologin Necla Kelek in der FAZ: Freiheit die ich meine 

 





Radio Eriwan- diesmal aus China

19 09 2008
Endlich wollte ich mit meinem Bericht aus den Philippinen anfangen, aber das bleibt uns wohl als running gag erhalten, denn es gibt laufend spannende Neuigkeiten aus anderen Dschungeln, zuerst aus dem deutschen Behörden- und nun aus dem chinesischen Milch-Dschungel.
 
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Radio Eriwan gibt es jetzt auch aus China. Während die staatliche Nachrichtenagentur beschwichtig und beruhigt: Most liquid milk on the market did not contain melamine and was safe to drink  , sieht das die überregionale China Daily aber ganz anders: Liquid milk sold by three leading companies is contaminated with melamine . So ist das Glas Milch mal fast leer, mal fast voll mit Melamin.
 
Auch wenn die unvermeidlichen Experten betonen, dass auch die am höchsten kontaminierte Milch keinerlei Schäden verursacht solange man weniger als zwei Liter täglich davon trinkt, habe ich heute morgen meine persönliche Rückrufaktion durchgeführt:
 
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Im tiefsten Dschungel verschollen

17 09 2008

 

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Haha, nicht im Dschungel auf einer einsamen philippinischen Insel am Ende der Welt. Nee nee, da habe ich jedesmal mühelos den Weg nach draussen gefunden. Wenn es diesmal nur ein lächerlicher Urwald mit Schlangen, Malaria, Jaguaren und all den anderen üblichen Verdächtigen wäre! Bin auch nicht in eine Fallgrube von Abu Sayaf im tiefsten Regenwald von Mindanao gefallen. Wenn’s nur das wäre. Nee, diese Geschichte ist viel komplizierter, der Ausgang ungewiss. Und sie spielt nicht irgendwo in den Tropen sondern kurz hinterm Hamburger Hauptbahnhof. Genauer gesagt im Finanzamt Hamburg Oberalster, fünfter Stock. Und sie geht so:

Mein Leben lang habe ich meine Steuer bei dem og. Finanzamt… genau: entrichtet! (oder sogar noch schlimmer). Rechtzeitig bevor ich letztes Jahr nach China ging, hatte ich diesen Schritt der zuständigen Sachbearbeiterin mitgeteilt. Daraufhin sagte die Dame, ich möchte dann 2008 meine – vorerst – letzte Steuererklärung für die 2007er Monate, die ich in Deutschland verbrachte, einreichen. Und dann schickte sie mich noch zu einem anderen Hamburger Finanzamt, das für deutsche Staatsbürger zuständig ist, die im Ausland leben. Gesagt getan. Der Herr im neuen Finanzamt lies sich von mir schriftlich bestätigen, dass ich meinen Wohnsitz dauerhaft ins Ausland verlege, und wünschte mir ein gutes Leben in China (sein Glückwunsch ist übrigens in Erfüllung gegangen).

Am 20. Juli dieses Jahres habe ich auf elster-online.de meine elektronische Steuererklärung gemacht. Dieser Vorgang wurde beim Absenden auch bestätigt. Nun, nach etwa acht Wochen wollte ich langsam den Stand der Dinge wissen und habe auf mein dortiges Steuerkonto geschaut… kein Vorgang verzeichnet, kein Eingang einer Nachricht, keine Spur meiner Steuererklärung vom 20. Juli, geschweige denn mein Steuerbescheid wäre eingegangen.

Leicht irritiert aber immer noch frohen Mutes rief ich am nächsten Morgen deshalb die nette Dame beim FA HH Oberalster an. Da teilte mir meine Sachbearbeiterin mit, dass meine Steuernummer gelöscht wurde und somit keine Steuererklärung mehr dort abgegeben werden kann. Sie riet mir, an meinem jetzigen Wohnsitz – in China – meine Steuererklärung für 2007 zu machen. Weil schliesslich die §§ 40 ff. Abs.1a) der Durchführungsvorschriften zur novellierten Einkommensteuerdurchführungsverordnung (EStDV) zum alten Einkommenssteuergesetz (EStG), aber insbesondere die §§ 67 und 68 – aber hier nur die Abs. 49f bis 69c und dann Abs. 74 und 78 – der Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UStDV) zum allseits bekanntem § 17 Abs. 4 des Umsatzstergesetzes (UStG) das so regeln. Ach so!

Sie meinte auch noch, ich könnte das andere Finanzamt anrufen und nach einer Lösung fragen. Gesagt getan. Da es aber um den Zeitraum vor meiner Auswanderung geht, fühlte sich der Herr dort logischerweise nicht zuständig. Eine Email an Kundenservice@FA… blieb bisher ohne Reaktion. Und nu!

Ach! Wäre ich jetzt bloss im tiefsten Mindanao-Urwald, geschwächt von wochenlanger Malaria, auf der Flucht vor einem heranstürmenden schwarzen Jaguar (ich weis, die leben dort garnicht!), im nächsten Augenblick gezwungen mit dem bis an die Zähne bewaffneten Anführer der Abu Sayaf-Rebellen von Angesicht zu Angesicht zu kämpfen! Ach was gäb ich dafür! Was hätte ich da für ein leichtes Spiel! Stattdessen: Finanzamt Hamburg Oberalster, fünfter Stock, Frau Kuklinski-Hühnemeyer, mit einer drei-fünftel Stelle und einem Hausfrauen-Kampfhaarschnitt. Hilfe!!!

 

 

 





Ich war dann mal weg

14 09 2008
 
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Die letzten drei Monate habe ich – bis auf zwei Pausen zwischendurch – überwiegend auf den Philippinen verbracht. Wie soll ich anfangen? Was soll ich aus den unzähligen Erlebnissen herausheben? Ich fang an mit den Eckdaten, und dann fällt mir vielleicht was ein. Also das erste Mal bin ich Anfang Juni auf die Phils gereist, darüber hab ich aber schon ausführlich geschrieben. Ende Juni zurück nach China, gut zwei Wochen später wieder hin, und bis vor fünf Tagen dort geblieben, mit Ausnahme einer kleinen Reise nach Macau und Hongkong, wo wir versucht haben, ein China-Visum für meine philippinische Freundin zu bekommen. Aufgrund der Olympischen Spiele ("Eine Welt ein Traum") wurden aber viele Menschen, vor allem aus Ländern der "Dritten Welt", so auch meine Filipina, komplett ausgesperrt. Andere wiederum, aus der "Ersten Welt", konnten eines – wenn auch stark reduziertes – bekommen. Ich konnte, aber habe dankend verzichtet und bin mit meiner Freundin stattdessen auf die Philippinen zurückgeflogen.

Überhaupt Olympia, weil mich so viele danach gefragt haben. Ist an mir weitgehend spurlos vorbeigegangen. Wenn einer 100 Meter seitwärts, mit nur locker zugeschnürten Schuhen, zur Tribüne grinsend in 9,69 Sekunden hüpft und ihm danach empfohlen wird, den Lauf nur etwas ernster zu nehmen, um dann 9,55 zu laufen. Und wenn einer acht Weltrekorde im Stundenrhythmus nach Belieben schwimmt, auf Strecken die so unterschiedlich sind wie 100 Meter und 10.000 Meter Lauf, und für die man absolut unterschiedliche Technik, Training und körperliche Voraussetzungen mitbringen muss – ja, dann frag ich mich, wieviel das noch mit Sport und wieviel mit den Milliarden der Sponsoren und TV-Anstalten zu tun hat. Und ich beantworte die Frage für mich glatt mit: Das hat mit Sport nichts zu tun! Der griechische Schäfer Louis Spiridon übrigens gewann 1896 den Lauf von Marathon nach Athen. Er wird auf den letzten Metern vom griechischen Kronprinzen persönlich begleitet. Als Belohnung für seinen Sieg bekommt er einen Ölzweig und eine Silbermedaille (!) sowie Gratiskleidung und -rasur bis an sein Lebensende.

Ich habe diese "Spiele" 2008 an mir vorbeiziehen lassen. Nicht ganz. Eines Abends, gerade in Hongkong angekommen, sah ich im TV wie deutsche Reiter ein paar Ecken weiter Goldmedaillien umgehängt bekamen. Und an einem anderen Morgen auf dem Weg zum Frühstück an einem der Public Viewings in Macau hörte ich plötzlich die deutsche Nationalhymne:

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So ich machs kurz: China hätte niemals die Olympischen Spiele kriegen dürfen. Westliche Medien haben zugenüge Argumente für diese Aussage geliefert; stellvertretend für viele, diese hier.  Für mich waren die 40 Millionen Blumenkübel verstreut über ganz Beijing ein Sinnbild dieser Veranstaltung. So wie diese Blumen nur für zwei Wochen den Dreck und die Rückständigkeit von Beijing verdeckt haben und nach Olympia-Ende auf dem Müll gelandet sind, genauso haben diese "Spiele" und Dutzende von Goldmedaillien für chinesische Sportler die Tatsache verdeckt, dass so gut wie niemand hier Sport treibt und die olympische Idee keinerlei Wurzeln in China hat. Ich habe noch keinen Chinesen schwimmen, laufen oder in der Freizeit Rad fahren sehen. Sport findet in China nur im Fernsehen statt.

Nun habe ich mich verquatscht. Werde später meinen Philippinen-Bericht fortsetzen.

 

 

 
 





Aedes (Stegomyia) albopictus

14 09 2008
  
So liebe Freunde, da bin ich wieder. Bevor ich aber in gewohnter Manier über komische Essensgewohnheiten, merkwürdiges Veralten im Strassenverkehr oder über hygienische Zustände in fernen Ländern berichte, ausnahmsweise diesmal was sinnvolles. Und zwar möchte ich euch ein Projekt ans Herz legen, dass sich der Hilfe bei Erforschung und Bekämpfung von Krankheiten verschrieben hat. Unter anderem auch einer Krankheit, die von einem pussierlichen Tierchen namens Aedes (Stegomyia) albopictus, auch unter dem Namen Asiatische Tigermücke bekannt, übertragen wird. Warum Tigermücke? Na darum:
 
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Und was überträgt dieses Stech-Biest? Unter anderem das Dengue-Fieber (für diejenigen, bei denen dieser Link nicht funktioniert:  http://de.wikipedia.org/wiki/Dengue-Fieber). Was Wikipedia bei den Symptomen verniedlichend mit "Kopf-, Glieder-, Gelenk- und Muskelschmerzen" beschreibt, nennen das die englischsprachigen Experten viel zutreffender mit breakbone fever. Dieser Name trifft schon eher zu, was ich am eigenen Leib spüren konnte. Der Knochen, der bei mir tausenmal explodierte, war die Schädeldecke; die anderen Knochen und Gelenke haben mich bloß konventionell tausendfach umgebracht. Einen Brummschädel hab ich immer noch übrigens. War nicht lustig, und daher möchte ich euch wie gesagt das Projekt World Community Grid  (http://www.worldcommunitygrid.org/index.jsp) ans Herz legen. Dieses Projekt widmet sich der Erforschung und Bekämpfung von Krankheiten, unter anderem dem Dengue-Fieber. Man braucht da nur eine kleine Software runterladen und die Rechenleistung am eigenen PC oder Laptop zur Verfügung stellen.