Mittagspause

27 05 2008
Manche verbringen ihre Mittagspause in der Kantine, manche wiederum im Büro am Schrebtisch, andere gehen spazieren und landen im verlassenen Tempel am Meer. Zum Beispiel ich. Einmal über die Strasse, einen kurzen Feldweg rein, eine fast zugewucherte Treppe hoch und nach insgesamt etwa fünf Minuten Fussweg stehe auf einem Hügel, neben mir ein kleiner alter Tempel zu Ehren des 武帝 Wudi, des mythischen Krieger-Kaisers, vor mir das Perlflussdelta. Nur ahne ich hinter dem Horizont in östlicher Richtung Hongkong, in klaren Nächten sehe ich in weiter Ferne, etwas weiter in nördlicher Richtung die Lichter startender Flugzeuge am Flughafen Shenzhen. Jetzt aber strahlt die Mittagssonne am wolkenlosen Himmel, die Zikaden starten und beenden ihr Konzert wie auf ein Kommando, Duft von Kräutern und Seewasser ist in der vor Hitze klirrender Luft. Und kein Mensch weit und breit.
 
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An der Tempelwand wurden verewigt diejenigen, die gaben:
   
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Gemäss dem Motto: Nehmen ist billiger als Geben, haben sich hier diejenigen verewigt, die nahmen:
 
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Die linke Spardose ziert übrigens die Überschrift: "Kasten der öffentlichen Tugenden", womit wir bei der Symbolhaftigkeit des Bildes wären: Geld geht vor Gott; Gott wird beklaut; nehmen statt geben; stehlen; menschenleerer Gottesraum; null Respekt vor höheren Werten, religiöses Vakuum. Diese Stichworte fielen mir auf die Schnelle ein, als ich davor stand. Irgendwie steht steht dieser Kasten für das heutige China.
 
Bevor der Kopf von der Mittagssonne und diesen schwermütigen Gedanken noch trüber wurde, begab sich der Mittagswanderer auf den Heimweg, nicht ohne seine Augen für die Schönheiten der Natur offen zu halten:
 
 P1010363   Ups! falsches Foto!
 
Hier die richtigen: 
 
     P1010231         P1010358 
 
 P1010401                                 P1010357                               P1010405
 
 
 
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4 responses

27 05 2008
Shuping

so beautiful flowers….

27 05 2008
Juergen

Ja, das Leben hat eben viele Seiten und…nicht alle sind schön, aber… es sind auch nicht alle häßlich. Man sollte sich einfach die passende suchen und darauf konzentrieren…Eine herrliche Gegend, die du mit ihrer (sauberen) Natur genießen kannst ;-))Gruß vom BodenseeJürgen

28 05 2008
克千

Hallo Jürgen,
 
Zhuhai gilt unter den Chinesen als die schönste Stadt Chinas, und meine Insel im Perlflussdelta, außerhalb der Stadt, gilt der Zhuhaiern als Geheimtipp. Zum Glück verirren sich hierher an den Wochenenden keine Tausenden, sondern höchstens Hunderte. Und in der Woche hab ich meine Insel für mich alleine. Ich wohn hier wirklich sehr schön: die Luft sehr sauber, praktisch kein Autoverkehr, ausserhalb des Dorfes praktisch menschenleer. Was will man mehr!

28 05 2008
Volker

Mir gefällt dein Blogeintag sehr gut. Er ist ein Zeugnis von Ruhe, Abgeschiedenheit, Vandalismus und Umweltverschmutzung. Ich wohne an einem Flussufer. Ich halte den Bereich gegenüber meines Grundstücks sauber. Aber ansonsten ist das Flussufer eine Müllkippe. Es gibt auch keine Müllabfuhr, also wo sollen die Leute hin mit ihrem Abfall. Andererseits, niemand will eine Müllafuhr. Denn die kostet Geld. Also Entsorgung in den Fluss ist billiger. Also ich denke, abgesehen von der Politik, sind Thailand und China ziemlich gleich.

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