Mein erster Gottesdienst

13 05 2008
 
Am letzten Sonntag war ich zum ersten Mal in einer chinesischen Kirche beim Gottesdienst dabei. Die Kirche befindet sich in einer lagerartigen Halle, mitten in einem Wohngebiet. Unter den etwa 500 bis 600 Gottesdienstbesuchern war ich der einzige Ausländer. Mir fiel wieder auf, dass ich wie so oft der einzige und erste Ausländer war, der irgendwo unter den Chinesen auftaucht. Vielleicht ist das der Grund, dass ich mich im Alltag inzwischen mühelos auf Chinesisch verständigen kann? Da meine Freundin dort im Chor singt und vor dem Gottesdienst noch üben und beten musste, hat sie mich um halb neun von der Bushaltestelle abgeholt. An der Tür bekam ich eine chinesisch-englische Bibel und ein chinesisches Liederbuch in die Hand gedrückt.
 
Schon zu diesem Zeitpunkt, also eineinhalb Stunden vor dem Beginn, war der Raum zu etwa zweidrittel gefüllt und die Gläubigen sangen Lobpreislieder in chinesischem Stil, die von einer Sängerin am Klavier mit glockenreiner Stimme vorgesungen wurden. Als die in blaues Hemd und dunklen Rock gekleidete Pastorin um zehn vor den Pult trat, waren alle Stühle besetzt. Weil an diesem Pfingstsonntag auch Muttertag war, handelte die Predigt – da kam der chinesische Familiensinn wieder zum Vorschein – von der Kindesliebe. Auch wenn während der Predigt zwischendurch gelacht wurde, so sah ich nach der Predigt einige weinende Menschen in den Reihen. Meine Nachbarin hinter mir erklärte mir nach dem Gottesdienst, dass sie geweint hat weil sie an ihre schwerkranke Mutter dachte die weit entfernt, in der nächsten Provinz lebt.
 
Eine andere Nachbarin stellte sich mir nach dem Gotttesdienst als Ärztin der traditionellen chinesischen Medizin vor. Um sie herum versammelten sich rasch zahlreiche ältere Frauen, und diese Ärztin war schnell vollends damit beschäftigt, Fragen dieser Frauen zu ihren Erkrankungen und Wehwehchen zu beantworten. Und so konnte ich mich leicht und unbemerkt davon stehlen.
 
Weil so ein Gottesdienst ganz schön schlaucht, war die erste Frage meiner Freundin draussen vor der Kirche, was und wo wir essen könnten. Gestärkt an Geist und Körper, sind wir vom Restaurant in ein neueröffnetes Cafe gezogen, wo wir den ganzen Nachmittag mit Gesprächen über Gott und die – chinesische – Welt verbracht haben. Und weil meine Freundin Tibetin, Christin und chinesische Staatsbürgerin in einem ist, fuhr ich abends reich an neuen Informationen und Ansichten zurück nach Hause.
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One response

14 05 2008
Frank

Du solltest die Ansichten deiner Tibetischen Freundin teilen – Nein glauben was das Christliche angeht,
mit dem Chinesichen wirds dann vermischt mit Aberglaube – wie in der Bibel mit den Mythen.
Was macht man dann als tolaranter Mensch ?
 
Viele Grüsse
Frank & Familie
http://www.thailandfarm.de

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