Friede, Freude, Sushi – oder alles wird wieder gut

8 05 2008

 

Nach all den Belanglosigkeiten über fiese Visa, philippinische Kindermädchen in Hongkong und geisternde Wikipedia, diesmal etwas Staatstragendes.

Frohe Botschaft für alle Freunde des Weltfriedens!

Chinas Staatspräsident Hu Jintao hält sich zurzeit in Japan auf. Es ist der erste derartige Besuch seit zehn Jahren. Bei einer Rede in der Waseda-Universität zu Tokio sagte er gestern unter anderem:

Die traditionellen freundschaftlichen Beziehungen zwischen China und Japan wurden ernsthaft beschädigt durch Japans imperialistische Invasion in China in den 30er und 40er Jahren (des letzten Jahrhunderts). (…) Während dieser unglücklichen historischen Periode (meine Hervorhebungen) erlitt das chinesische Volk tiefes Unglück, jedoch wurden die Japaner durch den Krieg ebenfalls schwer verletzt.“ Und weiter sagte Hu: Das Ziel des Erinnerns an die Geschichte sei es, Lehren daraus zu ziehen und nicht Hass zu verbreiten. Die beiden Völker sollten die Geschichte als Spiegel benutzen, um mit dessen Hilfe in die Zukunft zu schauen.

Alles schön und gut, aber wie soll ich einen Spiegel benutzen um nach vorne zu schauen? Indem ich rückwärts gehe…? Das soll mir einer erklären. Das ist schon wieder so eine Parabel aus der Abteilung: Nicht alles was hinkt ist auch ein Vergleich. Aber wenn es dem Weltfrieden nützt…

 

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Höre und staune: traditionelle freundschaftliche Beziehungen, unglückliche historische Periode, die Japaner ebenfalls schwer verletzt… – alles neue Töne. Vielleicht kommt man in China jetzt wieder ins Gefägnis für Kritik an Japan, wie das bis Anfang der 90er Jahre der Fall war, als die Volksrepublik sich viel von der Zusammenarbeit mit ihrem ungeliebten Nachbar versprach. Also liebe chinesische Mitbürger, ab sofort keine Steine mehr auf japanische Autos werfen!

 Und für alle Freunde der chinesischen Sprache, der Artikel im Original:  Wieder Freunde

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5 responses

9 05 2008
Volker

Hallo, du bist ganzschön mutig. Wo alle Welt kuscht und China den Ar…..  leckt, damit ja keine wirtschaftlichen Interessen beschädigt werden, da gibst du solch einen Kommentar ab? Na, na…..

9 05 2008
克千

Hallo Volker, also so schlimm wie das im Westen mit der Redefreiheit dargestellt ist, so ist es hier nicht. Die chinesischen Blogger kritisieren millionenfach die Zustände in ihrem Land. Beispiel: Die Frau des Dissidenten Hu Jia schreibt ihr Blog immer noch und das Blog kann man hier ohne weiteres lesen.

9 05 2008
Juergen

Ich denke auch, dass nicht alles genauso ist, wie es in den Medien wiedergegeben wird. So ein neues Medium, wie das Internet, ist nicht so schnell mundtot zu bekommen…abschalten geht auch schlecht. Und wer mitdenkt und zwischen Zeilen lesen kann, der findet vieles.China und andere asiatische Länder haben allerdings einen wesentlichen Nachteil – die für viele unbekannte Schrift. Somit ist man auf sekundäre Informationen angewiesen und kann nicht so locker in den Artikeln und Blogs schmöckern. Aber genau aus dem Grunde lese ich sehr gern in den Blogs von euch, was so in den normalen Lebensbereichen abgeht.Viele GrüßeJürgen

9 05 2008
克千

Genau, die Sprache ist der wesentlichste Punkt. Ich beobachte schon seit Jahren, dass die ausländische Journaille immer das Gleiche über China schreibt; eine Einanderreihung von Klischees, sie schreiben kaum etwas neues. Immer die gleiche, negative Brühe. Es liegt im Wesentlichen an den nicht vorhandenen oder nicht ausreichenden Sprachkenntnissen. Ich weiß, dass die meisten Korrespondenten kein Chinesisch beherrschen oder nur sehr wenig. Und sie verlassen nur ganz selten ihre Redaktionen in Beijing, Shanghai, Hongkong oder Singapur. Und das China über das sie berichten, hat mit meinem China hier herzlich wenig zu tun.  Chinas alltägliche Wirklichkeit ist bunter als die westlichen Berichte darüber, und sie ist viel mehr als Dissidenten, verseuchte Gewässer und Landarbeiter. Hier ist so viel zu berichten, aber die deutschen Medien berichten meist nur das selbe. Deshalb verfolge ich nur noch sehr sporadisch die westliche Berichterstattung über China. Das wäre so, als ob Deutschland auf Jagd auf Ausländer in den östlichen Bundesländern, auf Drogenabhängige und Aidskranke und auf Hartz4-Empfänger reduziert wäre in den chinesischen Medien. Übrigens: Hiesige Medien berichten durchgehend sehr positiv und freundlich über China.

9 05 2008
克千

ich meinte eben, die chinesischen Medien berichten durchgehend sehr positiv über Deutschland, natürlich.

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