Schnelles Internet

31 03 2008
 
 
Vor einiger Zeit bin ich ins Dorf gezogen, und da musste mein Internetanschluss auch umziehen. An einem Sonntag nachmittag, kurz von Toresschluss um 17.30, bin ich zum Büro von China Telecom in Tangjia gefahren, um die Anschlussverlegung zu beantragen. Ihr lest richtig: Sonntag nachmittag. Das Büro ist nämlich sieben Tage die Woche eröffnet, von morgens bis abends. Nach einer kurzen Wartezeit war ich dran. Die Adressenänderung und sonstige Angaben waren nach drei Minuten erledigt. Zum Schluss frage ich noch, wie lange ich denn warten muss bis ich meinen Anschluss benutzen kann. Die freundliche Dame meinte, bis zu drei Tagen kann es dauern, zum einen weil mein neuer Wohnort recht weit weg vom Schuss, in einem Dorf auf einer abgelegenen Insel liegt, zum anderen weil der Techniker derzeit ziemlich beschäftigt ist.
 
Geplagt von Erinnerungen an die Deutsche Telekom – als ich ein gleiches Unterfangen auch noch nach vier Wochen nicht als erfolgreich abgeschlossen nennen durfte, stattdessen aber nach unzähligen Telefonaten mit sämtlichen Kundenservice-Mitarbeitern dieses Etablissements um einige graue Haare reicher geworden und beim Wort Deutsche Telekom mein hysterisches Lachen nicht mehr unter Kontrolle hatte –  habe ich mich auf eine längere Zeit ohne meine geliebten QQ, Baidu, MSN, skype, Firefox, Thunderbird und andere Verbindungen zur nahen und weiten Welt seelisch vorbereitet.
 
Am nächsten morgen, da lag ich noch im Bett, da ruft draussen eine kräftige männliche Stimme laut meinen chinesischen Namen. Draussen steht ein Blaumann wie er im Buche steht: eine große Tragetasche um die eine Schulter gehängt, eine Drei-Meter-Leiter an der anderen Schulter. Freundlich wünscht er mir einen guten Morgen und bittet, reinkommen zu dürfen. Es stellt sich aber heraus, dass mein Haus noch keinen Internet- und Telefonanschluss hat… und der Telekom-Mann kein Kabel dabei. Also entschuldigt er sich für diese Unanhemlichkeit und verschwindet. Nach ein paar Minuten kommt er mit zig Meter langen Kabelrolle zurück, steigt auf die Leiter und verlegt ruckzuck die Leitung vom nächstgelegenen Knotenpunkt, um mein Haus herum bis in meine Anschlussdose.
 
Zack! Um 11.30 ging das kleine Lämpchen an meinem Notebook neben dem Wort online an und ich konnte in meinem neuen Domizil auf einer kleinen einsamen Insel unter der Sonne, am anderen Ende der Welt lesen, wie es einem Menschen mit ähnlichem Anliegen in der deutschen Hauptstadt am Anfang des 21. Jahrhunderts erging: Lost in Telekom
 
Am nächsten Tag rief die nette Dame vom Schalter bei mir auf dem Handy an und fragte, ob ich mit dem Service zufrieden bin. Fürs nächste Mal, gab ich zur Antwort, wünsche ich mir eine freundliche Mitarbeiterin aus der Kundenbetreuung von China Telekom, die mir die Wartezeit auf den neuen Anschluss irgendwie vertreibt. Und dann… ja und dann kann es ruhig so lange dauern wie bei der Deutschen Telekom! Nein, dann soll es auch so lange dauern. Und wehe, der Telekom-Blaumann weckt mich wieder!
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