Mit den Capri-Fischern nach Macau

4 10 2007

Voller Vorfreude – nach meiner Reise nach Nordchina und dem anschliessenden dreitägigen Auskurieren der Montezumarache – bin ich heute morgen in aller Herrgottsfrühe, das heisst gegen acht, nach Macau aufgebrochen. Endlich nach Macau! mit einem Langzeitvisum, keine Gebühren, kein neues Visum notwendig, das wird ein Spaziergang, ein schöner und voller Erinnerungen noch dazu.

Zunächst von meiner Insel nach Tangjia, in den 10er Bus umgestiegen, eine knappe Stunde nach Gongbei. Während der Fahrt liefen mir Bilder vom Heiligabend 1980: zuerst mit ein paar Freunden in die zweisprachige – auf Kantonesisch und Portugiesisch abgehaltene – Christmesse in der großen, überfüllten barocken Str. Francis Xavier Kirche, danach zu Füssen der Fassade der ausgebrannten Kathedrale Sao Paolo uns auf den Rasen gelegt unsere Schätze ausgepackt: Schwarzbrot, Schweizer Käse und eine Flasche Chianti, die wir kurz vorher in Hongkong gekauft hatten. Das war das erste Mal nach einem knappen halben Jahr in Taiwan, das wir etwas westliches essen und trinken konnten. Und vor uns soweit das Auge reicht, das jadegrüne Perlflussdelta, mit chinesischen Fischerbooten, die vor der blutroten, im Meer versinkenden Sonne im Hintergrund, mit ihrem Fang nach Hause zurückkehrten… Ein Genuss für alle Sinne. Das Lied Die Capri-Fischer auf Chinesisch, live und in Farbe, selbst eine Freundin hieß Marie (ok: Maria, und kam nicht aus Capri sondern aus Karlsruhe oder so, aber immerhin); nur vom Ablauf her anders herum als es Rudi Schuricke beschrieb.

Wir sind in Gongbei! – kreischt die Stimme aus allen Lautsprechern, auch aus dem direkt über meinem Ohr. Plötzlich rausgerissen aus meinen traumhaften Erinnerungen, sehe ich schon beim Aussteigen an der Endhaltestelle vor dem gigantischen Grenzübergang die Gründe, warum ich auch heute nicht nach Macau gehen kann: Sie sind viele tausend an der Zahl, alle haben schwarze Haare, sind chinesisch und stehen Schlange. Die Goldene Woche! Eine der dreien im Jahr. Mein Vorstellungsvermögen hatte mich schlicht im Stich gelassen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Myriaden Chinesen meine Idee heute, ausgerechnet heute! in die Tat umsetzen werden.

Am liebsten würde ich es mit Rudi Schuricke halten: ich komm zurück morgen früh. Das Problem ist nur, dass es morgen früh nicht anders sein wird. Also bis zum nächsten Mal, irgendwann. Um es mit den Capri-Fischern zu schliessen: Macau, ich vergess dich nie!

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