Leavin‘ on a jet plane

30 08 2007

Pünktlich um 7:25 am Mittwoch morgen hob ich vom Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel ab. Meine mehrtägige Sorge und zigfaches Umpacken zwischen Koffer und Handgepäck – alles umsonst. Ist 23,5 kg schon über der Toleranzgrenze, oder gehen gar noch 24,2 kilo? Soll ich das T-Shirt von der EM-96 in England mit oder lieber hier lassen und stattdessen noch eine Laufhose einpacken? Derartige Fragen beschäftigten mich die letzten Tage vor der Abreise. Aber wie es sich an diesem Morgen rausstellen sollte, waren sie allesamt für die Katz. Die Dame beim Check in hat nur einen blitzflüchtigen Blick auf die Waage geworfen, nichts zu den letztendlichen 24,2 kg gesagt, auf den Knopf gedrückt und schon war mein Koffer auf dem Weg nach Hongkong. Auch der 11,7 kg Trecking-Rucksack ist kommentarlos als Handgepäck durchgegangen.
Die viereinhalb Stunden in London Heathrow habe ich leidlich überstanden: zunächst mindestens eine halbe Stunde von einem Terminal zum anderen gelaufen, dazwischen eine Mega Schlange vor der Leibesvisitation mit den aberzigtausenden anderen Leidgenossen geduldig mitgelitten. In den restlichen drei Stunden in der Wartehalle hab ich Löcher in die Luft geguckt und mich mit anderen Reisenden unterhalten.

Im Flieger nach Hongkong lief zum Glück passables Filmprogramm (I walk the line – über Johnny Cash). Dank der Bildschirme in der Rückenlehne direkt vor einem konnte ich den Film so richtig gut sehen – und geniessen.





Von Menschen und Affen

27 08 2007

Ich durfte gestern die ungefilterte Sicht der Chinesen auf den Westen mitkriegen. In einer gemütlichen Runde von Chinesen drehte sich das Gespräch um die Überlegenheit der Chinesen gegenüber dem Westen. Aus der Sicht meiner chinesischen Freunde lebten die Chinesen bereits auf der Erde, ja sie hatten bereits funktionierende soziale Strukturen aufgebaut als wir im Westen noch auf Bäumen lebten. Auch die geringer ausgeprägte Körperbehaarung der Chinesen deuten sie als Zeichen für eine höhere Stufe der Entwicklung. Wir Westler tragen noch Reste von unserem Affenfell an uns, während die Chinesen schon drüber hinweg sind. Und erst das Parfüm! Wir haben das Parfüm erfinden müssen, weil wir noch soviele animalische Ausdünstungen loswerden müssen. In den Nasen der Chinesen riechen wir tatsächlich sehr streng. Es war ein sehr informativer Nachmittag.





Ich kann schon die Stunden zählen

26 08 2007

… bis zum Abflug am Mittwoch. Eigentlich müsste ich jetzt völlig aufgelöst durch die Wohnung rennen, an Millionen von unerledigten Dingen denken, und was tue ich? Ich liege flach! Zum Teil liegt es an meinem – zum Glück leichten – Hexenschuss seit gestern mittag, zum Teil aber daran, dass alles Wichtige erledigt ist. Die Möbel sind schon vor Tagen und Wochen verkauft, gleich kommt ein Chinese und holt meine Waschmaschine ab, meinen Kühlschrank kriegt mein Nachbar. Die unzähligen kleinen Dinge bin ich über ein chinesisches BBS hier losgeworden. Meine Freundin hat sich die Mühe gemacht jeden Topf, jedes Lämpchen und jedes Küchengerät zu fotografieren und dort ins Netz zu stellen. Und die Chinesen haben mir hier die Bude eingerannt und die Sachen Stück für Stück gekauft. Viel Besuch, ein paar Euro eingenommen, etwas über das Verhandeln mit Chinesen dazugelernt – und hab jetzt noch Zeit Freunde zum Abschied zu treffen und hier zu schreiben. Ich habe mir die letzten Tage in Deutschland viel stressiger vorgestellt.





Vergifete Atmosphäre oder: Der niedrige Preis hat seinen Preis

25 08 2007

Das erste Opfer des mit Blei vergifteten Spielzeugs aus China ist… nein, nicht ein vierjähriger Kalifornier, sondern Zhang Shuhong, der Inhaber der chinesischen Herstellerfirma Lida Toy Company im südchinesischen Foshan, welche die verseuchten Sesamstrassen-Figuren an den weltgrößten Spielzeugverkäufer, den amerikanischen Konzern Mattel lieferte. Zhang fand man erhängt in seiner Fabrikhalle.

Zur Erinnerung: Mattel hatte vergangene Woche weltweit mehr als 18 Millionen in China hergestellte Spielzeuge wegen Sicherheitsbedenken zurückgerufen, rund eine Million davon in Deutschland. Grund für den größten Rückruf in der Firmengeschichte sind bleihaltige Farben sowie Magnetteile, die sich leicht ablösen und von Kindern verschluckt werden können. Aber auch bei Zahnpasta, Tierfutter, Reifen, Meeresfrüchten und Hustenmittel Made in China hatte es in jüngster Vergangenheit Skandale gegeben. Die Frage, die ich mir als dreifacher Vater von drei kerngesunden Kindern stelle – selbst die harmlosesten Allergien haben einen großen Bogen um meine Kinder gemacht -, lautet: Leiden tatsächlich die Kinder darunter?

Das Schlagwort: Unsere Kinder in höchster Lebensgefahr! geistert durch die Gazetten und beherrscht die Elterngespräche auf den Kinderspielplätzen der Republik, falls dort überhaupt noch Kinder spielen. Wahr ist, dass die meisten Gegenstände in unseren Haushalten – sei es Fernseher, Computer, T-Shirts oder Töpfe, selbst Knoblauch und tiefgefrorene Erdbeeren – aus China stammen. Wahr ist auch: Dort werkeln in abertausenden von Fabrikhallen abermillionen von chinesischen Arbeitern. Wahr ist aber leider auch dies: Diese Firmen vollenden für eine handvoll Dollar das schmutzige Werk westlicher Unternehmen, darunter von Weltkonzernen. Diese Herstellerfirmen werden ihrerseits beliefert von aberabertausenden von Subunternehmern – die einen liefern Farben, die anderen Magnete oder Kunstwatte zum Ausstopfen der niedlichen Teddys. Entlang der Lieferketten findet eine gnadenlose Preisdrückerei statt, bei der Unglücke und Fehler wie die jüngsten systemimmanent und daher unvermeidlich sind. Der niedrige Preis hat eben seinen Preis.

Und dennoch: Betrachtet man diese Angelegenheit nüchtern, dann sind diese Stoffe meist harmlos für den Menschen, und selbst wenn sie schädlich sind, dann erst in tausendfach höheren Mengen. Damit sie schaden, müsste das Kind sie löffelweise essen. Hinzu kommt, dass die Ergebnisse der Untersuchungen sehr oft davon abhängen, wer diese in Auftrag gibt und bezahlt. Machen wir uns nicht verrückt. Wir schaden unserem Kind mehr, indem wir ihm die mit bleihaltiger Farbe versehene Spielzeugfiguren wegnehmen und es stattdessen auf einen Spielplatz schicken, der – wie so oft in einer deutschen Großstadt – nicht allzu weit von einer Strasse entfernt liegt.

Bleihaltiges Spielzeug macht Angst. Panik schadet aber mehr.

Ps. Einen informativen Artikel zum Thema hat der The Economist hier: http://www.economist.com/people/displaystory.cfm?story_id=9645770 veröffentlicht.





Chinesischer Blogger hinter Gittern

25 08 2007

Der chinesische Blogger, He Weihua, ist in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden – offenbar weil er regimekritische Beiträge in Internet-Foren und auf seiner eigenen Seite veröffentlichte.

Nach Angabe von Verwandten in der südchinesischen Provinz Hunan war He Weihua von den Behörden vorgeladen und Anfang des Monats festgenommen worden, nachdem er im Juli den Anstieg der Schweinefleischpreise in China in einem Artikel kritisiert und den Zusammenbruch der Kommunistischen Partei wegen Korruption vorhergesagt hatte.

Ein Verwandter berichtete, He Weihua leide keineswegs an einer Geisteskrankheit. Vielmehr habe er in jüngster Zeit mehrere Artikel für die in China von der Zensur gesperrte regimekritische Webseite „Boxun“ geschrieben. Schon im Dezember 2004 war He Weihua in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen worden, wie „Reporter ohne Grenzen“ berichtete.

Quelle: ard-Tagesschau





Neues Gesetz soll vor willkürlichen Räumungen schützen

25 08 2007

Chinas oberste Rechtsexperten begannen gestern mit Beratungen über Gesetzesvorhaben zum althergebrachten Problem im Bereich von Grunderwerb. Insbesondere wollen sie Änderungen im Grunderwerbsrecht vorschlagen, welche Enteignungen von städtischen Grund- und Immobilienbesitzern detailliert regeln sollen.
Spektakuläre Zwangsräumungen für neue städtische Bauprojekte haben in der Vergangenheit häufig Proteste ausgelöst und führten zu Wellen der Empörung in ganz China. Um sowohl das Recht von privaten Grundeigentümern zu schützen als auch dem öffentlichen Interesse gerecht zu werden, wird das neue Gesetz, das im Oktober in Kraft tritt, Enteignungen nur im Interesse der Allgemeinheit ermöglichen. Nach dem neuen Gesetz muss den ausgesiedelten Bewohnern eine „faire“ Entschädigung gezahlt und neuer, angemessener Wohnraum angeboten werden.

_done_0326nailhouse_600big.jpg Das Nagelhaus in Chongqing

Das neue Gesetz wird das bisherige bedingungslos ersetzen, sofern dieses dem neuen widerspricht. Der Gesetzgeber soll dem Staatsrat das Recht übertragen, neue Richtlinien auf diesem Sektor autonom zu erlassen. Dieses neue Gesetz soll dem Staat, der Gemeinschaft und den einzelnen Bürgern jeweils den gleichen Schutz bieten.

Quelle: Shanghai Daily





Amtlich genehmigte Wiedergeburt

23 08 2007

Chinas Partei/Regierung verbietet buddhistischen Mönchen in Tibet die Wiedergeburt ohne eine staatliche Erlaubnis aus Beijing. Das – auf den ersten Blick groteske – Gesetz wird im September in Kraft treten. Also beeilt euch, ihr wiedergeburtswilligen Mönche, ihr habt noch eine gute Woche, dann ist Schluss mit freier Wahl der Geburt!

Auch wenn man über sowas am liebsten schmunzeln möchte, der politische Hintergrund ist bitterernst. Chinas Regierung unternimmt diesen „wichtigen Schritt zum Institutionalisieren des Managements der Wiedergeburten“, um nach dem Tod des jetzigen Da lai La ma über dessen Nachfolger selbst bestimmen zu können. Weil der Da lai La ma das wichtigste Symbol für die nationale und kulturelle Identität der Tibeter ist, wird die Frage, wer denn das nächste Oberhaupt der Tibeter sein wird, eine der wichtigsten in der Zukunft.

Die Geschichte ist hier: http://www.msnbc.msn.com/id/20227400/site/newsweek/ nachzulesen.