Eiserne Reisschale voller Dollar

22 11 2007

 

 

Eiserne Reisschale war gestern – heute müssen es schon goldene Wasserhähne sein. Mindestens. Der Traum vom einfachen Reisschalenwäscher zum Dollar-Milliardeur wird für immer mehr Chinesen wahr. Die Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt weist für dieses Jahr 66 Milliardeure in China auf, nach schlappen 15 in 2006. Das Gesamtvermögen der ersten 40 auf dieser Liste beläuft sich auf 120 Milliarden – wir sprechen hier immer noch von US-Dollar, nur so zur Erinnerung -, eine Verdreifachung des Vorjahresergebnisses (38 Milliarden).

 

Der reichste Chinese hat 16,2 Mrd. angehäuft. Getreu dem Motto Geld allein macht nicht glücklich, es müssen auch noch Immobilien und Aktien hinzukommen, floss zum einen das meiste Geld infolge von Börsengängen der jeweiligen Unternehmen, zum anderen sind die meisten von ihnen im Immobiliengeschäft aktiv. Bis auf zwei von ihnen haben alle ihr Geschäft klein angefangen. Und, Damen aufgepasst -: elf von ihnen sind jünger als 40!

Der Artikel mit der Namensliste – leider ohne private Emailadresse oder Telefonnummer: http://members.forbes.com/global/2007/1112/069.html





Yahoo? Ja, pfui!

22 11 2007

 

Yahoo-Manager und Rechtsanwalt Michael Callahan hat sich für seine Falschaussagen vor einem Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses entschuldigt. Diese – ich nenne sie – Lügen betrafen die Verstrickungen von Yahoo, die zur Verhaftung eines chinesischen Dissidenten geführt hatten. Callahan beteuert, er sei nicht korrekt über die Hintergründe der Ermittlungen gegen den 2004 verhafteten Shi Tao informiert gewesen, als er 2006 in einer Anhörung ausgesagt hatte. Eine Yahoo-Sprecherin sagte demnach, das Problem sei eine schlechte Übersetzung einer Anordnung aus China gewesen, die einem Yahoo-Anwalt zur Zeit der Anhörung im Februar 2006 vorgelegen habe.

Shi wurde im April 2005 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Der chinesische Journalist war festgenommen worden, nachdem er unter einem Pseudonym auf einer ausländischen Website über Repressalien berichtet hatte. Chinas Polizei hatte ihn ausfindig machen können, nachdem Yahoo ihr Daten zu seinem Email-Account ausgehändigt hatte sowie auch Inhalte von Emails. Callahan hatte während der Anhörung ausgesagt, dass seinem Unternehmen zum Zeitpunkt der Datenanfrage keine Informationen über die Hintergründe der Ermittlungen vorgelegen hätten.

Die Dui Hua Foundationhat hingegen ein Dokument veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass der Beschuldigte ausdrücklich wegen der „unerlaubten Weitergabe von Staatsgeheimnissen ans Ausland“ gesucht wurde.

Yahoo-Manager entschuldigt sich – so what? Ich werde trotzdem nach wie vor einen großen Bogen um Yahoo machen. Wenn sich ein Konzernmanager entschuldigt, dann ist das so, wie wenn ein Krokodil auf seine Tränen als Zeichen der Reue über gerade gefressenes Opfer hinweist. Alles Lügen!

Weil der chinesische Text des Durchsuchungsbefehls falsch übersetzt wurde, dann kann ich nur jedem ratem, diese Software zu meiden und auf andere Übersetzungssoftware umzusteigen! Diejenige von Yahoo (falls es diese war, aber warum soll Yahoo ein Konkurrenzprodukt benutzen, gell?) ist der letzte Dreck, wenn sie einen Menschen für zehn Jahre ins Gefängnis bringen kann. Also bloss die Finger davon lassen!

 

Und bevor ich jemals eine Yahoo-Email versende, schicke ich lieber einen Brief – für die jüngeren von uns: ein beschriebenes Blatt Papier, in einen Briefumschlag gesteckt, eine Briefmarke drauf geklebt und in den Briefkasten geworfen) – oder besuche den Empfänger gleich persönlich und flüster ihm meine Botschaft lieber direkt ins Ohr.

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/98363





Diao was? – Das Weltkulturerbe vor der Nase

5 11 2007

- Diao was? – bekam ich meist als Antwort zu hören. Selbst manche der angesprochenen Chinesen konnten mit dem Begriff Diaolou nichts anfangen. Dabei wollte ich mir nichts geringeres ansehen als das neueste Weltkulturerbe der UNESCO. Also früh aufstehen, runter nach Gongbei (für die Neuen: die Stadtmitte von Zhuhai), in den Fernbus nach Kaiping umsteigen, hinsetzen, Schuhe ausziehen, Rückenlehne nach hinten drücken und während der dreistündigen Fahrt auf der Autobahn den fehlenden Schlaf nachholen.
Die Stadt Kaiping ist für die architektonisch einzigartigen Diaolou (碉楼) bekannt, auch wenn diese nicht direkt in der Stadt sondern außerhalb stehen. Ein Diaolou, zu Deutsch etwa Wachturmhaus, ist ein befestigtes, meist fünf- oder sechsgeschossiges Haus mit Veranda und verzierten Balkonen, das sowohl als Wohnhaus wie auch, praktischerweise, als Verteidigungsanlage genutzt wurde.
Mehr als 1.800 dieser Wohntürme ragen mitten in den Reisfeldern, den Bambuswäldern und den grünen Berglandschaften in den Himmel. Es gibt drei Arten von Diaolou: Gemeinschafts-Diaolou – gebaut gemeinsam von mehreren Familien; diese wurden auch gemeinsam als Fluchtburgen genutzt; davon stehen noch 473. Familien-Diaolou – gebaut und genutzt von einer einzigen Familie (1.149) und reine Wachtürme, die jüngsten, von denen es noch 221 gibt.
Sie alle sind heute unbewohnt, stehen einsam im Feld oder mitten in einem alten Dorf – und alle erzählen ein Stück chinesischer Geschichte: Von der Emigration chinesischer Bauern im 19. und 20. Jahrhundert in die ganze Welt, vor allem nach Nordamerika und Südostasien. Dort zu Reichtum gekommene Chinesen bauten diese festungsartigen Wohnburgen, um ihre Angehörigen vor Plünderungen der umherziehenden Banden zu schützen.
Die Diaolou kombinieren auf eine skurrile Art und Weise westliche und chinesische Architektur. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Chinesen, die ihre Heimat verlassen hatten und mit dem im Ausland verdienten Geld um Kaiping später Häuser bauten, Stilelemente aus ihren Gastländern mitbrachten. Und damit man von weitem sehen konnte, dass er in der Ferne zu Geld gekommen ist, mussten die Häuser um jeden Preis auffallen. Also wurde die östliche Fassade wie ein toskanisches Landhaus gestaltet, die Südseite wiederum im Stil einer Südstaaten-Villa drapiert. Den restlichen Teilen wurden Barock- oder Jugendstil-Elemente verpasst und oben drauf wurde ein Zwiebelturm draufgesetzt.

Diese skurrile Mischung der architektonischen Stile macht sie so einzigartig, dass sie 2001 von Chinas Zentralregierung unter Denkmalschutz und Ende Juni 2007 von der UNESCO auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt wurden. Und ich find sie so faszinierend, dass ich noch mehrmals dahin fahren werde. Es sind ja nur drei Stunden Busfahrt.
Und hier findet ihr die passenden Fotos:

http://whc.unesco.org/en/list/1112

http://www.china.com.cn/aboutchina/zhuanti/kpdl/node_7018678.htm

http://image.baidu.com/i?tn=baiduimage&ct=201326592&cl=2&lm=-1&pv=&word=%B5%EF%C2%A5+%BF%AA%C6%BD&z=0

(alternativ auf Baidu gehen: http://image.baidu.com/ und dort in die Suchmaske 碉楼 开平 reinsetzen, fertig)

oder auch in meinem Album auf Putfile (eine kleine Auswahl):

http://www.putfile.com/zhouzhouforwenwen
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Wieviel bin ich wert?

1 11 2007

Anlässlich Halloween und Allerheiligen wollen wir uns heute einem ernsten Thema widmen. Wieviel bin ich wert? Diese Frage mögen viele Menschen überall auf der Welt tagtäglich sich oder ihrem Partner stellen. Das kann sich beispielsweise auch eine Frau fragen, die sich vor dem Spiegel für eine Abendparty hübsch macht und dabei an die vielen gutaussehenden und reichen Männer denkt, die da kommen werden. Diese Frage kann auch ein verunsicherter Teenager an den Schulpsychologen richten. Das aber meine ich nicht. Wie gesagt, es ist Allerheiligen heute und ich frage, wieviel bin ich wirklich wert? Ich meine, wieviel ist mein Körper wert? Eine mögliche Antwort ist hier:

The Cadaver Calculator (zu finden hier: http://www.justsayhi.com/bb/cadaver

oder auch hier: http://kuhfladen.wordpress.com/2007/09/23/was-meine-leiche-kosten-wurde/

zu finden. Ob diese Methode eine allgemeine Zustimmung findet?

Wie kriege ich jetzt noch die Kurve…

Also noch einmal: Wieviel bin ich wert? Stellt man diese Frage in China, wird die Antwort unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob man Bauer oder Städter ist. Im vorliegenden Fall geht es um den justiziabel-monetären Wert eines Menschen, beispielsweise im Falle des Ablebens infolge eines Autounfalls. Bisher war es hier die gängige Praxis, dass die Entschädigung im Todesfalle eines Bauern niedriger ausfiel, als wenn in der Hosentasche des Unfallopfers eine Aufenthaltsgenehmigung für Shanghai, Guangzhou oder Beijing gefunden wurde.

Vor kurzem wurde vor einem Beijinger Gericht der aufsehenerregende Fall des Wanderarbeiters Tao verhandelt, der im Oktober 2006 bei einem Autounfall in Chinas Hauptstadt getötet worden war. Dieser Prozess wurde in den Medien mit „Ein Leben-ein Preis-Prozess“ überschrieben. Der 31jährige Tao besass lediglich eine Aufenthaltsgenehmigung für die Provinz Jiangxi, nicht jedoch für Beijing, obwohl er seit 1995 in Chinas Hauptstadt lebte und arbeitete. Die Hinterbliebenen verklagten die Gegenseite, ein großes Unternehmen, auf etwa 43.000 Euro Schmerzensgeld. Das Gericht in erster Instanz sprach den Hinterbliebenen jedoch eine Entschädigung in Höhe von nur etwa 7.300 Euro zu. Der Richter schloss sich der Argumentation der Verteidung an, wonach Taos Familie nur eine Entschädigung für einen Bauern zustehe, weil Tao in Beijing nicht amtlich gemeldet war.

Das Gericht in zweiter Instanz zog jedoch in Betracht, dass Taos gewöhnlicher Aufenthaltsort und der Ort an dem er sein Einkommen erwirtschaftete, seit mehr als zehn Jahren Beijing war. Als Massstab wurde nun ein jährliches Durchschnittseinkommen eines hauptstädtischen Arbeiters in Höhe von 1.640 Euro herangezogen, auf 20 Jahre hochgerechnet und schliesslich zwischen beiden Parteien gleichermassen aufgeteilt. Somit kam dieses Gericht auf den Betrag in Höhe von 16.400 Euro. Mit Unterhalt für Taos Kinder, mit Schmerzensgeld für erlittenes seelisches Leid und mit den für die Hauptstadt massgeblichen Lebenshaltungskosten summierte sich die Entschädigungssumme für Taos Familie schlussendlich auf mehr als 41.000 Euro.

Das Bemerkenswerte an diesem Urteil ist, dass hier zum ersten Mal kein Unterschied zwischen einem Menschen vom Lande und einem Städter gemacht wurde. In China immer noch eine Seltenheit.

Nachzulesen (auf Chinesisch) hier: http://news.sina.com.cn/c/2007-10-24/022512775518s.shtml





Geld mit mehr Wert

25 10 2007

Neulich habe ich irgendwo einen kurzen Bericht eines deutschen Bankkunden aus Nordchina gelesen. Dieser hatte den Eindruck, er sei für die Angestellten ein Ärgernis gewesen. Als ausländischer Bankkunde sei man schlicht eine doppelte Störung: nicht nur die gewöhnliche in Gestalt eines chinesischen Kunden. Die kann man ganz schnell aus der Welt schaffen, indem man den Kunden wegjagd oder ihm etwa den geforderten Vordruck aushändigt, um sich dann den wichtigen Dingen des Lebens zu zuwenden: essen, trinken, telefonieren. Nein, ein ausländischer Kunde sei ein härterer Brocken. Dieser erfordere nämlich größere Anstrengungen, zum Beispiel ein Gespräch in Englisch. Soweit der Ruf aus Nordchina.

Vor einigen Wochen war es soweit. Mein Bargeld war alle, ich brauchte neues. Bin also in die nächste Filiale nach Tangjia gefahren, dort wo ich mein Konto auch eröffnet hatte. Dort gibt es zwei Geldautomaten. Als ich eine Weile vor dem linken stand, verschiedene Knöpfe drückte und kein Geld rauskam, da gesellte sich ein junger Angestellter von alleine dazu und versuchte mir zu helfen. Er ging die gesamte Palette aller möglichen Tastenkombinationen durch, wie auch ich das vorher getan hatte – trotzdem bot der Automat lediglich die Möglichkeit an, die Karte zurückzubekommen. Meine Kohle rückte er nicht raus. Also holte der Angestellte Hilfe in der Gestalt eines etwas älteren Kollegen. Dieser erklärte, dass ich an dem linken Automaten leider kein Bargeld ziehen kann (den Grund hab ich nicht verstanden), aber am rechten Automaten ging’s problemlos. Die ganze Zeit waren die beiden super nett, geduldig und darauf aus, mich nicht ohne mein Bargeld gehen zu lassen. Zum Schluss entschuldigten sich die beiden geradezu für die Unannehmlichkeiten.

Mir fällt hier in Zhuhai auf, dass egal wo ich hingehe, was auch immer ich brauche die Chinesen hier sind nett, oft hilfsbereit und stets freundlich und geduldig. Meist zueinander, und fast immer zu mir und den anderen Ausländern.

Einen weniger guten Aspekt, was chinesische Banken angeht – dieser hat allerdings nichts mit den Unterschieden zwischen Nord- und Südchina zu tun -, gibt es doch. Als ich neulich in einer anderen Provinz, weit weg von Zhuhai, Geld abgehoben habe, da wurde ein Prozent der abgehobenen Summe als Gebühr berechnet. Ziemlich viel, find ich. Dafür aber ist hier die Kontoführungsgebühr unbekannt.





Having Fun Prohibited!

23 10 2007

Sollte einer von euch mal unter schlechter Laune leiden und nicht wissen, wie er/sie da wieder rauskommt, hier eine heisse Empfehlung:

http://www.engrish.com/detail.php?imagename=fun-prohibited.jpg&category=CHINGLISH&date=2007-10-15

Aus dem What is…:

Q. What is Engrish?
A. Engrish can be simply defined as the humorous English mistakes that appear in Japanese advertising and product design.

Dort gibt es auch eine Chinaabteilung: Chinglish

Es gibt auch einen ernstzunehmenden deutschen Sammler: http://www.chinglish.de

Sonst könnt ihr mt chinglish bzw. engrish googeln. Beispielsweise auf flickr gibt es eine umfangreiche Sammlung von Chinglish-Fotos.





Gutes Wetter schlechtes Wetter

21 10 2007

Mit zwei gesunden Schultern reist es sich leichter. Selbst eine Einhand-Weltumseglung ist als Zweihand-Törn leichter zu absolvieren. Und weil mir für eine solche Reise nicht nur das Boot sondern zurzeit auch noch eine gesunde Schulter fehlt, bin ich dieses Wochenende zu Hause geblieben. Und so habe ich Zeit und Muße über wirklich wichtige Dinge nachzudenken. Zum Beispiel über das Wetter. Genauer gesagt: gutes Wetter, noch genauer: gutes Wetter zum verreisen. Ob Deutschland ob Südchina – hier wie dort wartet man auf gutes Wetter, um draussen etwas zu unternehmen, etwa eine Reise. Aber im Unterschied zu Deutschland ist es mir hier meist zu heiss, um rauszugehen oder wegzufahren. Mit gutem Wetter meine ich hier kühlere Luft und weniger Sonne. Und weil das Wetter hier so schlecht ist, bleibe ich meist zu Hause. Wie heute: Schon um acht Uhr morgens sind es gefühlte 28°C. Da bietet sich die Schulterverletzung gerade so an, um zu Hause zu bleiben und über das Wetter nachzusinnen.





2,928571428571 – oder alt und glücklich

20 10 2007

Der chinesisch-amerikanische Nobelpreisträger in Physik, Yang Zhenning, ist glücklich verheiratet. Während des Besuchs der Sun Yat-Sen Universität in Guangzhou sagte er auch noch, seine Frau mache ihn jünger und vitaler. Und dann wurde er noch händchenhaltend und im Hotelpool mit seiner Frau plätschernd in vielen chinesischen Medien und auf unzähligen Internetseiten abgebildet. Und er fügte noch hinzu: Sie lässt mich wirklich die Energie der Jugend spüren.

Nun, das alleine wäre noch keiner Nachricht wert. Aber: Yang ist 85 und seine Frau… 31. Ja richtig: 54 Jahre Unterschied, oder mit anderen Worten: Herr Yang (wird wie young ausgesprochen) war zum Zeitpunkt der Heirat vor drei Jahren 82 und seine Braut 28, also 2,928571428571 älter. Pourquoi pas? Durch ihre Heirat am Heiligabend 2004 wurden Professor Yang und die Studentin Weng Fan in China über Nacht berühmt. Sie halten Chinas Medien und das Internet so ähnlich in Atem, wie in Deutschland etwa Effe und seine Was-erlauben- Strunz-Blondinen oder Bohlen und seine Veronas.

Aber im Unterschied zu Deutschland, wo der Bild-Leser oder Fernsehzuschauer über die Chaoten aus der Rubrik Sie sündigen so schön für uns! bestenfalls mit der Schulter zuckt, häufiger aber einen Vogel zeigt, ist mir hier in China - weder in den Medien, noch in den Blogs oder privat – noch keine abfällige Bemerkung, Kritik oder gar Entrüstung über diese Beziehung begegnet. Es amüsiert die Chinesen eher ein wenig, viele bewundern die beiden gar. Vielleicht symbolisiert dieses Paar in den Augen der Chinesen das Ideal des glücklichen langen Lebens, seit mehr als zwei tausend Jahren eines der höchsten Ziele des Individuums in der chinesischen Kultur.

Yang bekam den Nobelpreis 1957 für seine Arbeit auf dem Gebiet der Elementarteilchen (…for the penetrating investigation of the so-called parity laws… – wie es in der Begründung heisst). Seit 2003 hält Yang regelmässig Vorlesungen – ausschliesslich für Studienanfänger und -anfängerinnen – an der weltberühmten Qinghua-Universität in Beijing. Dort kann er seine Elementarteilchen offensichtlich in aller Ruhe betrachten und nach wie vor in penetrating Manier ausgiebig erforschen. Das nenne ich Alltagsanwendung von ansonsten furztrockener Elementarteilchenphysik!

young_yang1.jpg

 

Weitere Fotos des Paares:

http://www.chinadaily.com.cn/china/2007-09/25/content_6133691.htm

 

 

 





Lebt denn d’r alte Holzkrischi noch?

18 10 2007

Ja er lebt! Aber erstens war mein Blog die letzten Tage nicht zugänglich; zweitens habe ich mich an der Schulter ein wenig verletzt und konnte nicht schreiben (das passiert, wenn ein alter Gaul versucht, wie ein Fohlen über die Wiese zu galoppieren; ist passiert beim lustigen Jagen von Chinesen auf einer Wiese, bin über ein Grasbüschel gestolpert und ziemlich unglücklich aufgeditscht) und drittens ist in den letzten Tagen nichts berichtenswertes passiert. Als ein Schmankerl sozusagen diesmal ein lustiges Foto (geschossen von einer lieben chinesischen Freundin, Lihua, die ich in Hongkong getroffen habe):

dscn7086_b.jpg

One stop shop auf hongkongisch.

小王,谢谢你送给我的相片.





Kein Loch – auch im letzten Loch

12 10 2007

Mir fällt auf, dass ich in China noch keine Funklöcher erlebt habe. Dabei ist das Land 27 Mal größer als Deutschland. Ok, ich war noch nicht im äußersten Westen, was dem Osten in Deutschland und Europa entspricht. Die Provinzen (bzw. Autonome Regionen) Xinjiang, Tibet, Qinghai oder Innere Mongolei etwa sind wesentlich dünner besiedelt, weniger entwickelt, insgesamt ärmer als die östlichen. Vielleicht ist dort die Versorgung mit Richtfunkanlagen nicht so gut wie hier im hochentwickelten Westen und Süden.

Auf die Überlegung bin ich gekommen, nachdem ich auf meiner Inselwanderung am letzten Sonntag an diesem Schild vorbeigeschlichen bin:

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Wie man sieht, ist auch meine klitzekleine Insel am Ende von China lückenlos abgedeckt.

Mir fällt überhaupt auf, dass die Chinesen völlig handyverrückt sind. Soweit ich das sehe, haben viele Chinesen gar keinen Festanschluss mehr. In der Stadt – alle drei Meter ein Handyladen, auch die letzte Bäuerin auf dem Geflügelmarkt telefoniert mit der linken, während sie mit der rechten ein lebendes Huhn der Kundin präsentiert. Ich habe hier schon Fischer auf den Booten telefonieren sehen. Neulich hat ein zahnloser Greis im Bus völlig unverständliche Laute in sein Handy gemurmelt. Von den Jungen ganz zu schweigen. Völlig selbstverständlich klappen sie ihr Handy auf, wenn sie im Gespräch mit mir sich nicht verständlich machen können und nach der Englisch-Übersetzung dort suchen. Kommt man in eine andere Stadt, wird man automatisch per SMS begrüsst und mit Wetter- und anderen Informationen versorgt. Mir fällt auf, dass die Chinesen vielfältiger und häufiger ihr Handy benutzen als die Deutschen.

Und viel, viel häufiger als ich. Ich habe nämlich meine abgrundtiefe Abneigung gegen diese kleinen Dinger immer noch nicht abgelegt. Auch wenn ich hier schon sogar Smsen musste, benutze ich mein Handy nicht gerne. Aber es nützt nichts, ich werde mir bald ein neues Handy zulegen müssen: Meines kann nämlich kein Chinesisch.