Wieviel bin ich wert?

1 11 2007

Anlässlich Halloween und Allerheiligen wollen wir uns heute einem ernsten Thema widmen. Wieviel bin ich wert? Diese Frage mögen viele Menschen überall auf der Welt tagtäglich sich oder ihrem Partner stellen. Das kann sich beispielsweise auch eine Frau fragen, die sich vor dem Spiegel für eine Abendparty hübsch macht und dabei an die vielen gutaussehenden und reichen Männer denkt, die da kommen werden. Diese Frage kann auch ein verunsicherter Teenager an den Schulpsychologen richten. Das aber meine ich nicht. Wie gesagt, es ist Allerheiligen heute und ich frage, wieviel bin ich wirklich wert? Ich meine, wieviel ist mein Körper wert? Eine mögliche Antwort ist hier:

The Cadaver Calculator (zu finden hier: http://www.justsayhi.com/bb/cadaver

oder auch hier: http://kuhfladen.wordpress.com/2007/09/23/was-meine-leiche-kosten-wurde/

zu finden. Ob diese Methode eine allgemeine Zustimmung findet?

Wie kriege ich jetzt noch die Kurve…

Also noch einmal: Wieviel bin ich wert? Stellt man diese Frage in China, wird die Antwort unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob man Bauer oder Städter ist. Im vorliegenden Fall geht es um den justiziabel-monetären Wert eines Menschen, beispielsweise im Falle des Ablebens infolge eines Autounfalls. Bisher war es hier die gängige Praxis, dass die Entschädigung im Todesfalle eines Bauern niedriger ausfiel, als wenn in der Hosentasche des Unfallopfers eine Aufenthaltsgenehmigung für Shanghai, Guangzhou oder Beijing gefunden wurde.

Vor kurzem wurde vor einem Beijinger Gericht der aufsehenerregende Fall des Wanderarbeiters Tao verhandelt, der im Oktober 2006 bei einem Autounfall in Chinas Hauptstadt getötet worden war. Dieser Prozess wurde in den Medien mit „Ein Leben-ein Preis-Prozess“ überschrieben. Der 31jährige Tao besass lediglich eine Aufenthaltsgenehmigung für die Provinz Jiangxi, nicht jedoch für Beijing, obwohl er seit 1995 in Chinas Hauptstadt lebte und arbeitete. Die Hinterbliebenen verklagten die Gegenseite, ein großes Unternehmen, auf etwa 43.000 Euro Schmerzensgeld. Das Gericht in erster Instanz sprach den Hinterbliebenen jedoch eine Entschädigung in Höhe von nur etwa 7.300 Euro zu. Der Richter schloss sich der Argumentation der Verteidung an, wonach Taos Familie nur eine Entschädigung für einen Bauern zustehe, weil Tao in Beijing nicht amtlich gemeldet war.

Das Gericht in zweiter Instanz zog jedoch in Betracht, dass Taos gewöhnlicher Aufenthaltsort und der Ort an dem er sein Einkommen erwirtschaftete, seit mehr als zehn Jahren Beijing war. Als Massstab wurde nun ein jährliches Durchschnittseinkommen eines hauptstädtischen Arbeiters in Höhe von 1.640 Euro herangezogen, auf 20 Jahre hochgerechnet und schliesslich zwischen beiden Parteien gleichermassen aufgeteilt. Somit kam dieses Gericht auf den Betrag in Höhe von 16.400 Euro. Mit Unterhalt für Taos Kinder, mit Schmerzensgeld für erlittenes seelisches Leid und mit den für die Hauptstadt massgeblichen Lebenshaltungskosten summierte sich die Entschädigungssumme für Taos Familie schlussendlich auf mehr als 41.000 Euro.

Das Bemerkenswerte an diesem Urteil ist, dass hier zum ersten Mal kein Unterschied zwischen einem Menschen vom Lande und einem Städter gemacht wurde. In China immer noch eine Seltenheit.

Nachzulesen (auf Chinesisch) hier: http://news.sina.com.cn/c/2007-10-24/022512775518s.shtml





Kind in Deutschland – schädlich wie die Autobahn

31 10 2007

Gestern auf dem Weg von Tangjia auf meine Insel habe ich wieder einmal erlebt, wie vernarrt Chinesen in Kinder sind. Eine junge Mutter mit einem etwa zweijährigen Jungen stieg in den Bus ein, und während der Fahrt hat sich fast keiner der anderen Fahrgäste es nehmen lassen, mit dem Jungen kleine Spässchen zu treiben: Grimassen schneiden, ein lustiges Wort, winken,, am Fuss ziehen. So etwas erlebe ich hier ständig. Sobald ein Kind irgendwo auftaucht, steht es sofort im Mittelpunkt. Die Mutter oder Vater werden nach dem Namen und anderen Einzelheiten gefragt, die Erwachsenen treiben kleine lustige Spässe mit dem Kleinen. Für mich undenkbar, dass sich irgendjemand in China mal über ein lautes Kind beschweren oder ein Kind auf irgendeine Weise unfreundlich behandeln könnte.

Diese kleine, alltägliche Begebenheit fiel mir wieder ein, als ich gerade den SPON ansurfte und die Schlagzeile: Kindergarten mit Lärmschutzwand sah. Der Artikel über einen Hamburger Kindergarten, der umziehen muss, weil es den Anwohnern zu laut ist, und an der neuen Stätte eine Lärmschutzwand errichten muss, hat mir die Haare zu Berge stehen lassen. Kleine Kostproben daraus:

(…) Bis Juli 2008 müssen sie das rote Backsteinhaus im Hamburger Stadtteil Marienthal räumen, müssen mit Sack und Pack, Bauklötzen und Teddybären, ausziehen, weil Nachbarn vor dem Hamburger Landgericht 2005 wegen Lärmbelästigung geklagt hatten und Recht bekamen. (…)

(…) Doch noch ehe übermorgen Bürgermeister Ole von Beust den Grundstein legen wird, flatterte beim zuständigen Bezirksamt Wandsbek Beschwerde um Beschwerde gegen den Bau der neuen Kita ein. Einer Kita mit 340 Quadratmetern Platz zum Toben und – einer Lärmschutzwand. (…)

(…) „Wir wollten uns nur vor dem befürchteten Chaos schützen“, sagt ein 83-jähriger Anwohner, der sich an den Kosten für den Anwalt mit beteiligt hat. (…) „Wir haben doch nichts gegen die Kinder“, sagt er (…)

Deutschland traurig Vaterland.

Der Artikel ist hier zu finden: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,514473,00.html





Geld mit mehr Wert

25 10 2007

Neulich habe ich irgendwo einen kurzen Bericht eines deutschen Bankkunden aus Nordchina gelesen. Dieser hatte den Eindruck, er sei für die Angestellten ein Ärgernis gewesen. Als ausländischer Bankkunde sei man schlicht eine doppelte Störung: nicht nur die gewöhnliche in Gestalt eines chinesischen Kunden. Die kann man ganz schnell aus der Welt schaffen, indem man den Kunden wegjagd oder ihm etwa den geforderten Vordruck aushändigt, um sich dann den wichtigen Dingen des Lebens zu zuwenden: essen, trinken, telefonieren. Nein, ein ausländischer Kunde sei ein härterer Brocken. Dieser erfordere nämlich größere Anstrengungen, zum Beispiel ein Gespräch in Englisch. Soweit der Ruf aus Nordchina.

Vor einigen Wochen war es soweit. Mein Bargeld war alle, ich brauchte neues. Bin also in die nächste Filiale nach Tangjia gefahren, dort wo ich mein Konto auch eröffnet hatte. Dort gibt es zwei Geldautomaten. Als ich eine Weile vor dem linken stand, verschiedene Knöpfe drückte und kein Geld rauskam, da gesellte sich ein junger Angestellter von alleine dazu und versuchte mir zu helfen. Er ging die gesamte Palette aller möglichen Tastenkombinationen durch, wie auch ich das vorher getan hatte – trotzdem bot der Automat lediglich die Möglichkeit an, die Karte zurückzubekommen. Meine Kohle rückte er nicht raus. Also holte der Angestellte Hilfe in der Gestalt eines etwas älteren Kollegen. Dieser erklärte, dass ich an dem linken Automaten leider kein Bargeld ziehen kann (den Grund hab ich nicht verstanden), aber am rechten Automaten ging’s problemlos. Die ganze Zeit waren die beiden super nett, geduldig und darauf aus, mich nicht ohne mein Bargeld gehen zu lassen. Zum Schluss entschuldigten sich die beiden geradezu für die Unannehmlichkeiten.

Mir fällt hier in Zhuhai auf, dass egal wo ich hingehe, was auch immer ich brauche die Chinesen hier sind nett, oft hilfsbereit und stets freundlich und geduldig. Meist zueinander, und fast immer zu mir und den anderen Ausländern.

Einen weniger guten Aspekt, was chinesische Banken angeht – dieser hat allerdings nichts mit den Unterschieden zwischen Nord- und Südchina zu tun -, gibt es doch. Als ich neulich in einer anderen Provinz, weit weg von Zhuhai, Geld abgehoben habe, da wurde ein Prozent der abgehobenen Summe als Gebühr berechnet. Ziemlich viel, find ich. Dafür aber ist hier die Kontoführungsgebühr unbekannt.





Having Fun Prohibited!

23 10 2007

Sollte einer von euch mal unter schlechter Laune leiden und nicht wissen, wie er/sie da wieder rauskommt, hier eine heisse Empfehlung:

http://www.engrish.com/detail.php?imagename=fun-prohibited.jpg&category=CHINGLISH&date=2007-10-15

Aus dem What is…:

Q. What is Engrish?
A. Engrish can be simply defined as the humorous English mistakes that appear in Japanese advertising and product design.

Dort gibt es auch eine Chinaabteilung: Chinglish

Es gibt auch einen ernstzunehmenden deutschen Sammler: http://www.chinglish.de

Sonst könnt ihr mt chinglish bzw. engrish googeln. Beispielsweise auf flickr gibt es eine umfangreiche Sammlung von Chinglish-Fotos.





Gutes Wetter schlechtes Wetter

21 10 2007

Mit zwei gesunden Schultern reist es sich leichter. Selbst eine Einhand-Weltumseglung ist als Zweihand-Törn leichter zu absolvieren. Und weil mir für eine solche Reise nicht nur das Boot sondern zurzeit auch noch eine gesunde Schulter fehlt, bin ich dieses Wochenende zu Hause geblieben. Und so habe ich Zeit und Muße über wirklich wichtige Dinge nachzudenken. Zum Beispiel über das Wetter. Genauer gesagt: gutes Wetter, noch genauer: gutes Wetter zum verreisen. Ob Deutschland ob Südchina – hier wie dort wartet man auf gutes Wetter, um draussen etwas zu unternehmen, etwa eine Reise. Aber im Unterschied zu Deutschland ist es mir hier meist zu heiss, um rauszugehen oder wegzufahren. Mit gutem Wetter meine ich hier kühlere Luft und weniger Sonne. Und weil das Wetter hier so schlecht ist, bleibe ich meist zu Hause. Wie heute: Schon um acht Uhr morgens sind es gefühlte 28°C. Da bietet sich die Schulterverletzung gerade so an, um zu Hause zu bleiben und über das Wetter nachzusinnen.





Lebt denn d’r alte Holzkrischi noch?

18 10 2007

Ja er lebt! Aber erstens war mein Blog die letzten Tage nicht zugänglich; zweitens habe ich mich an der Schulter ein wenig verletzt und konnte nicht schreiben (das passiert, wenn ein alter Gaul versucht, wie ein Fohlen über die Wiese zu galoppieren; ist passiert beim lustigen Jagen von Chinesen auf einer Wiese, bin über ein Grasbüschel gestolpert und ziemlich unglücklich aufgeditscht) und drittens ist in den letzten Tagen nichts berichtenswertes passiert. Als ein Schmankerl sozusagen diesmal ein lustiges Foto (geschossen von einer lieben chinesischen Freundin, Lihua, die ich in Hongkong getroffen habe):

dscn7086_b.jpg

One stop shop auf hongkongisch.

小王,谢谢你送给我的相片.





Kein Loch – auch im letzten Loch

12 10 2007

Mir fällt auf, dass ich in China noch keine Funklöcher erlebt habe. Dabei ist das Land 27 Mal größer als Deutschland. Ok, ich war noch nicht im äußersten Westen, was dem Osten in Deutschland und Europa entspricht. Die Provinzen (bzw. Autonome Regionen) Xinjiang, Tibet, Qinghai oder Innere Mongolei etwa sind wesentlich dünner besiedelt, weniger entwickelt, insgesamt ärmer als die östlichen. Vielleicht ist dort die Versorgung mit Richtfunkanlagen nicht so gut wie hier im hochentwickelten Westen und Süden.

Auf die Überlegung bin ich gekommen, nachdem ich auf meiner Inselwanderung am letzten Sonntag an diesem Schild vorbeigeschlichen bin:

100_3035_a.jpg

Wie man sieht, ist auch meine klitzekleine Insel am Ende von China lückenlos abgedeckt.

Mir fällt überhaupt auf, dass die Chinesen völlig handyverrückt sind. Soweit ich das sehe, haben viele Chinesen gar keinen Festanschluss mehr. In der Stadt – alle drei Meter ein Handyladen, auch die letzte Bäuerin auf dem Geflügelmarkt telefoniert mit der linken, während sie mit der rechten ein lebendes Huhn der Kundin präsentiert. Ich habe hier schon Fischer auf den Booten telefonieren sehen. Neulich hat ein zahnloser Greis im Bus völlig unverständliche Laute in sein Handy gemurmelt. Von den Jungen ganz zu schweigen. Völlig selbstverständlich klappen sie ihr Handy auf, wenn sie im Gespräch mit mir sich nicht verständlich machen können und nach der Englisch-Übersetzung dort suchen. Kommt man in eine andere Stadt, wird man automatisch per SMS begrüsst und mit Wetter- und anderen Informationen versorgt. Mir fällt auf, dass die Chinesen vielfältiger und häufiger ihr Handy benutzen als die Deutschen.

Und viel, viel häufiger als ich. Ich habe nämlich meine abgrundtiefe Abneigung gegen diese kleinen Dinger immer noch nicht abgelegt. Auch wenn ich hier schon sogar Smsen musste, benutze ich mein Handy nicht gerne. Aber es nützt nichts, ich werde mir bald ein neues Handy zulegen müssen: Meines kann nämlich kein Chinesisch.





My name is Feiertag. Nationalfeiertag.

9 10 2007

Chinesische Eltern haben mehr als 400.000 Kindern den Vornamen Guoqing gegeben. Das meldet das National Citizen Identity Information Center. Guoqing bedeutet: Den Staat feiern, und ist die Bezeichnung für den Nationalfeiertag anlässlich der Staatsgründung am 1. Oktober 1949. Auch wenn die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua den Patriotismus der Eltern als Grund angibt, es könnte sich auch um eine hintersinnige Anspielung der Namensgeber handeln: Dieser Feiertag ist auch der Anlass für eine der drei Goldenen Wochen in China – die heiss herbeigesehnten Urlaubswochen.

 

 





Ein G für ein M vorgemacht

5 10 2007

Gestern wurden mir an unzähligen Marktständen des riesigen unterirdischen Markts in Gongbei, auf dem Fussweg nach Macau, USB-Sticks mit Sony VAIO drauf und mit 64 GB, ja sogar mit 128 GB drin, angeboten. Und zwar für 8 Euro der kleinere, für 13 Euro der größere, und das schon nach dem ersten Abwinken. Hätte ich überhaupt angefangen zu handeln, hätte ich den Preis locker nochmal halbieren können. Die Händler haben als Reaktion auf meinen skeptischen Blick diesen Stick auch flink in ihre Notebooks reingesteckt, und siehe da: diese haben auch 64 bzw. 128 GB als Volumen angezeigt.

Auch wenn ich eine Speichermöglichkeit dringend brauche, um für den Notfall meinen Daten-Backup zu machen, bin ich skeptisch und standhaft geblieben. Wollte der Sache erst einmal nachgehen. Und siehe da, heute finde ich im Internet http://testberichte.ebay.at/Fake-64-GB-Sony-Vaio-USB-Sticks_W0QQugidZ10000000003939346 folgende Meldung: Hallo an alle, wieder einmal sind hier Fakes von 64 GB Memory Sticks zu beobachten. Angeblich sollen diese von der Marke Sony sein und aus der Modellreihe VAIO.Einen solchen USB Memorystickk hatte ich kurz in den Händen und konnte durch Tests feststellen, dass diese sich als Produkt der Firma ALCOR identifizierten und die „wahre“ Grösse wohl bei ca. 1GB liegen. Verschiedene Dateien wurden nur mit Nullen aufgefüllt oder geschrieben (siehe auch schon meine Vorgänger!). Beim Löschen und einem HKDSK darach wurden reihenweise unverkettete Einträge gefunden. Ein Hinweis auf fehlende Informationen. Ein Ausführen der Routine CONVERT (um das Medium in ein NTFS-LW zu konvertieren) schlug fehl.

Auch das ist China. Ich denke, ich werd mir demnächst in Hongkong oder Macau eine große externe Festplatte zulegen. Ist wohl die optimale Lösung.





Mit den Capri-Fischern nach Macau

4 10 2007

Voller Vorfreude – nach meiner Reise nach Nordchina und dem anschliessenden dreitägigen Auskurieren der Montezumarache – bin ich heute morgen in aller Herrgottsfrühe, das heisst gegen acht, nach Macau aufgebrochen. Endlich nach Macau! mit einem Langzeitvisum, keine Gebühren, kein neues Visum notwendig, das wird ein Spaziergang, ein schöner und voller Erinnerungen noch dazu.

Zunächst von meiner Insel nach Tangjia, in den 10er Bus umgestiegen, eine knappe Stunde nach Gongbei. Während der Fahrt liefen mir Bilder vom Heiligabend 1980: zuerst mit ein paar Freunden in die zweisprachige – auf Kantonesisch und Portugiesisch abgehaltene – Christmesse in der großen, überfüllten barocken Str. Francis Xavier Kirche, danach zu Füssen der Fassade der ausgebrannten Kathedrale Sao Paolo uns auf den Rasen gelegt unsere Schätze ausgepackt: Schwarzbrot, Schweizer Käse und eine Flasche Chianti, die wir kurz vorher in Hongkong gekauft hatten. Das war das erste Mal nach einem knappen halben Jahr in Taiwan, das wir etwas westliches essen und trinken konnten. Und vor uns soweit das Auge reicht, das jadegrüne Perlflussdelta, mit chinesischen Fischerbooten, die vor der blutroten, im Meer versinkenden Sonne im Hintergrund, mit ihrem Fang nach Hause zurückkehrten… Ein Genuss für alle Sinne. Das Lied Die Capri-Fischer auf Chinesisch, live und in Farbe, selbst eine Freundin hieß Marie (ok: Maria, und kam nicht aus Capri sondern aus Karlsruhe oder so, aber immerhin); nur vom Ablauf her anders herum als es Rudi Schuricke beschrieb.

Wir sind in Gongbei! – kreischt die Stimme aus allen Lautsprechern, auch aus dem direkt über meinem Ohr. Plötzlich rausgerissen aus meinen traumhaften Erinnerungen, sehe ich schon beim Aussteigen an der Endhaltestelle vor dem gigantischen Grenzübergang die Gründe, warum ich auch heute nicht nach Macau gehen kann: Sie sind viele tausend an der Zahl, alle haben schwarze Haare, sind chinesisch und stehen Schlange. Die Goldene Woche! Eine der dreien im Jahr. Mein Vorstellungsvermögen hatte mich schlicht im Stich gelassen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Myriaden Chinesen meine Idee heute, ausgerechnet heute! in die Tat umsetzen werden.

Am liebsten würde ich es mit Rudi Schuricke halten: ich komm zurück morgen früh. Das Problem ist nur, dass es morgen früh nicht anders sein wird. Also bis zum nächsten Mal, irgendwann. Um es mit den Capri-Fischern zu schliessen: Macau, ich vergess dich nie!