Im Streit um billige Stahlimporte aus China will die Bundesregierung den Druck auf China in der Europäischen Union erhöhen, berichtet die tagesschau: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/stahl10.html. Unter anderem heisst es dort: Stahlhersteller wie ThyssenKrupp und Salzgitter werfen China vor, (…) mit Billig-Stahlprodukten auf die internationalen Märkte zu drängen. Die Konzerne wollen sich nun dagegen wehren. China ist der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt und seit kurzem Nettoexporteur. Der deutsche Stahlverband rechnet damit, dass das Land in diesem Jahr zehn Millionen Tonnen Stahl in die EU exportiert – doppelt soviel wie 2006. Am stärksten wird (…) die Nachfrage in Brasilien, Russland, Indien und China steigen, das inzwischen der weltweit größte Stahlproduzent und Stahlverwender ist.
Also ich, Mensch von geringem Verstande, begreife da etwas nicht. Jahrelang wird auf China von allen Seiten eingeprügelt: Nur wegen Chinas unstillbarem Hunger nach Stahl stiegen seine Preise ins unermessliche. Ob Fahrpreiserhöhung bei der Deutschen Bahn ab Dezember (Stahlpreise sind zu hoch) , ob Bauverzögerungen bei etlichen deutschen Bauprojekten (weil die Chinesen jedweden Stahl aufkaufen, so die Projektleitung einer Bahnlinie in München) – an allem ist China schuld. Und nun heulen sie, dass der Stahl billiger geworden ist – und wer ist schuld? China natürlich. Also liebe deutsche Wirtschaftsexperten und Politiker, entscheidet euch! Entweder, oder. Beides geht nicht.
Fakt ist: China hat innerhalb von nur zwei Jahren seine Stahlproduktion fast vervierfacht, und dementsprechend wird der Überschuss nun auf dem Weltmarkt angeboten. Und weil es davon so viel gibt, ist er günstig zu haben. Volkswirtschaftslehre, 1. Semester, 1. Vorlesungsstunde.