Vergifete Atmosphäre oder: Der niedrige Preis hat seinen Preis

25 08 2007

Das erste Opfer des mit Blei vergifteten Spielzeugs aus China ist… nein, nicht ein vierjähriger Kalifornier, sondern Zhang Shuhong, der Inhaber der chinesischen Herstellerfirma Lida Toy Company im südchinesischen Foshan, welche die verseuchten Sesamstrassen-Figuren an den weltgrößten Spielzeugverkäufer, den amerikanischen Konzern Mattel lieferte. Zhang fand man erhängt in seiner Fabrikhalle.

Zur Erinnerung: Mattel hatte vergangene Woche weltweit mehr als 18 Millionen in China hergestellte Spielzeuge wegen Sicherheitsbedenken zurückgerufen, rund eine Million davon in Deutschland. Grund für den größten Rückruf in der Firmengeschichte sind bleihaltige Farben sowie Magnetteile, die sich leicht ablösen und von Kindern verschluckt werden können. Aber auch bei Zahnpasta, Tierfutter, Reifen, Meeresfrüchten und Hustenmittel Made in China hatte es in jüngster Vergangenheit Skandale gegeben. Die Frage, die ich mir als dreifacher Vater von drei kerngesunden Kindern stelle – selbst die harmlosesten Allergien haben einen großen Bogen um meine Kinder gemacht -, lautet: Leiden tatsächlich die Kinder darunter?

Das Schlagwort: Unsere Kinder in höchster Lebensgefahr! geistert durch die Gazetten und beherrscht die Elterngespräche auf den Kinderspielplätzen der Republik, falls dort überhaupt noch Kinder spielen. Wahr ist, dass die meisten Gegenstände in unseren Haushalten – sei es Fernseher, Computer, T-Shirts oder Töpfe, selbst Knoblauch und tiefgefrorene Erdbeeren – aus China stammen. Wahr ist auch: Dort werkeln in abertausenden von Fabrikhallen abermillionen von chinesischen Arbeitern. Wahr ist aber leider auch dies: Diese Firmen vollenden für eine handvoll Dollar das schmutzige Werk westlicher Unternehmen, darunter von Weltkonzernen. Diese Herstellerfirmen werden ihrerseits beliefert von aberabertausenden von Subunternehmern – die einen liefern Farben, die anderen Magnete oder Kunstwatte zum Ausstopfen der niedlichen Teddys. Entlang der Lieferketten findet eine gnadenlose Preisdrückerei statt, bei der Unglücke und Fehler wie die jüngsten systemimmanent und daher unvermeidlich sind. Der niedrige Preis hat eben seinen Preis.

Und dennoch: Betrachtet man diese Angelegenheit nüchtern, dann sind diese Stoffe meist harmlos für den Menschen, und selbst wenn sie schädlich sind, dann erst in tausendfach höheren Mengen. Damit sie schaden, müsste das Kind sie löffelweise essen. Hinzu kommt, dass die Ergebnisse der Untersuchungen sehr oft davon abhängen, wer diese in Auftrag gibt und bezahlt. Machen wir uns nicht verrückt. Wir schaden unserem Kind mehr, indem wir ihm die mit bleihaltiger Farbe versehene Spielzeugfiguren wegnehmen und es stattdessen auf einen Spielplatz schicken, der – wie so oft in einer deutschen Großstadt – nicht allzu weit von einer Strasse entfernt liegt.

Bleihaltiges Spielzeug macht Angst. Panik schadet aber mehr.

Ps. Einen informativen Artikel zum Thema hat der The Economist hier: http://www.economist.com/people/displaystory.cfm?story_id=9645770 veröffentlicht.





Chinesischer Blogger hinter Gittern

25 08 2007

Der chinesische Blogger, He Weihua, ist in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden – offenbar weil er regimekritische Beiträge in Internet-Foren und auf seiner eigenen Seite veröffentlichte.

Nach Angabe von Verwandten in der südchinesischen Provinz Hunan war He Weihua von den Behörden vorgeladen und Anfang des Monats festgenommen worden, nachdem er im Juli den Anstieg der Schweinefleischpreise in China in einem Artikel kritisiert und den Zusammenbruch der Kommunistischen Partei wegen Korruption vorhergesagt hatte.

Ein Verwandter berichtete, He Weihua leide keineswegs an einer Geisteskrankheit. Vielmehr habe er in jüngster Zeit mehrere Artikel für die in China von der Zensur gesperrte regimekritische Webseite „Boxun“ geschrieben. Schon im Dezember 2004 war He Weihua in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen worden, wie „Reporter ohne Grenzen“ berichtete.

Quelle: ard-Tagesschau





Neues Gesetz soll vor willkürlichen Räumungen schützen

25 08 2007

Chinas oberste Rechtsexperten begannen gestern mit Beratungen über Gesetzesvorhaben zum althergebrachten Problem im Bereich von Grunderwerb. Insbesondere wollen sie Änderungen im Grunderwerbsrecht vorschlagen, welche Enteignungen von städtischen Grund- und Immobilienbesitzern detailliert regeln sollen.
Spektakuläre Zwangsräumungen für neue städtische Bauprojekte haben in der Vergangenheit häufig Proteste ausgelöst und führten zu Wellen der Empörung in ganz China. Um sowohl das Recht von privaten Grundeigentümern zu schützen als auch dem öffentlichen Interesse gerecht zu werden, wird das neue Gesetz, das im Oktober in Kraft tritt, Enteignungen nur im Interesse der Allgemeinheit ermöglichen. Nach dem neuen Gesetz muss den ausgesiedelten Bewohnern eine „faire“ Entschädigung gezahlt und neuer, angemessener Wohnraum angeboten werden.

_done_0326nailhouse_600big.jpg Das Nagelhaus in Chongqing

Das neue Gesetz wird das bisherige bedingungslos ersetzen, sofern dieses dem neuen widerspricht. Der Gesetzgeber soll dem Staatsrat das Recht übertragen, neue Richtlinien auf diesem Sektor autonom zu erlassen. Dieses neue Gesetz soll dem Staat, der Gemeinschaft und den einzelnen Bürgern jeweils den gleichen Schutz bieten.

Quelle: Shanghai Daily