Hallo Fans und Gemeinde, nach meinem Umzug von China auf die Philippinen setze ich meine Notizen fort, und zwar hier:
Ich würde mich freuen, wenn ihr dann und wann mal reinschaut und eure Kommentare dort hinterlasst.
Hallo Fans und Gemeinde, nach meinem Umzug von China auf die Philippinen setze ich meine Notizen fort, und zwar hier:
Ich würde mich freuen, wenn ihr dann und wann mal reinschaut und eure Kommentare dort hinterlasst.
Über Besuch dort und Kommentare würde ich mich sehr freuen. Bis gleich dann…
Silvester
Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im Geringsten.
Ich merke nur: die Zeit verrinnt
Genau so wie zu Pfingsten,
Genau wie jährlich tausendmal.
Doch Volk will Griff und Daten.
Ich höre Rührung, Suff, Skandal,
Ich speise Hasenbraten.
Mit Cumberland, und vis- à-vis
Sitzt von den Krankenschwestern
Die sinnlichste. Ich kenne sie
Gut, wenn auch erst seit gestern.
Champagner drängt, lügt und spricht wahr.
Prosit, barmherzige Schwester!
Auf! In mein Bett! Und prost Neujahr!
Rasch! Prosit! Prost Silvester!
Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
In heimlichen Geweben.
Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,
Beginnt ein neues Leben.
Joachim Ringelnatz
aus: Allerdings
Mein neues Leben begann vor etwa zwei Wochen, wenn auch ohne Krankenschwester, Champagner und Skandal, dafür aber mit Rührung. Den Abschied von China umwehte doch eine zarte Wolke aus Wehmut. Diese wurde aber schnell von den neuen Herausforderungen vor Ort in Tacloban in der tiefsten philippinischen Provinz verweht: unser Haus von Kakerlaken befreien, neues Bett kaufen, den Wasserfall aus der Klospülung auf Bachstärke drosseln, sich auf den Märkten nicht übers Ohr hauen lassen und einiges mehr. Und nicht zuletzt eine Heiligabendfeier für drei Dutzend Gäste aus dem Nichts zaubern.
Als meine Freundin auf meine Frage, was wir denn besonderes all den Gästen anbieten könnten, "Spaghetti" antwortete, da dachte ich zuerst, es ist schon wieder so eine höfliche Reaktion, nach dem Motto: Wir wollen den Neuankömmling nicht gleich mit ausgefallenen Wünschen: Karpfen blau, geröstete Prinzessinenböhnchen undsoweiter überfordern. Aber nein, die Ecke im Supermarkt mit Spaghetti und Zubehör war völlig überfüllt. Spaghetti – alles von Del Monte – ist in der Tat DAS Heiligabendessen hier auf den Philippinen. Also war es für mich ein Leichtes die angereiste Familienbaggage (meiner Freundin) unter den blinkenden Xmas-Lichterketten Made in China glücklich zu machen. Als ich dann noch eimerchenweise Eiscreme aufgefahren habe, da hat mich auch die letzte der schätzungsweise acht Nichten meiner Freundin angefangen, heissinnig zu lieben. Alle waren sich einig: der neue Ausländer in der Familie kann reichlich und lecker kochen! hehe….
So einfach kann man Menschen glücklich machen… womit ich gleich bei "einfach" und "glücklich" gelandet bin. Auch wenn ich jetzt voll in die Klischees reinhaue: Das Verhältnis zwischen arm und glücklich ist hier unglaublich klein. Oder mit anderen Worten: Die caroll singers die seit dem 16. Dezember in Batallionstärke auch vor unserem Haus allabendlich philippinische Weihnachtslieder sangen, bekamen regelrecht glänzende Augen, als wir ihnen säckchenweise Reis als Geschenk überreichten.
Der stundenlange Regenguss hat gerade aufgehört, also können wir endlich in die Stadt aufbrechen. Schliesslich steht Sylvester vor der Tür und somit die nächste Feier bei uns. Das Essenkochen - Lechon (Spanferkel) und Bihon (ein Nudelgericht), andere Nationalgerichte der Filipinos – steht uns wieder bevor. Und die bestellte Karaokeanlage muss auch abgeholt werden. Womit wir eine philippinische Grossfamilie in Tacloban, Leyte vollends glücklich machen werden.
Doch Ringelnatz’ Worte:
Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im Geringsten.
… kann ich allerdings nicht bestätigen. Dass bald das neue Jahr beginnt, spüre ich ganz deutlich. Zumindest so deutlich, wie dass hier vor wenigen Tagen der Geburtstag Jesus’ gefeiert wurde und nicht eine Konsumorgie. Die meisten Geldbeutel waren zwar leer, die Kirchen dafür knallvoll, und zwar jeden Abend. Und so bekam ich trotz der über 30°C im Schatten ganz schön viel Weihnachtsgefühl.
Da dieser Bericht mit China-Terminal betitelt ist, und ich inzwischen aus China weg bin und auf den Philippinen lebe, schliesse ich dieses Blog, aber nicht ohne ein paar Bilder von meinem neuen Wohnort:
Am ersten Weihnachtstag, fünf Minuten von unserem Haus entfernt…
… hier auch.
Maligayan Pasko… ! Da kann man nur: …at ang happy new year 2009!!! zurückrufen. Ein Pedicab-Fahrer vor unserem Haus wünscht Frohe Weihnachten.
Einige der jüngeren Familienmitglieder, die ich für diese eine Sekunde einfangen konnte.
Diese jungen Damen wünschen uns allen ein glückliches 2009… dem schliesse ich mich an.
Hühneraugen heissen auf Chinesisch Hühneraugen!
Die von mir so heiss geliebten Jiaozi
Obst- und Gemüsestände einmal nachts hellwach…
… und einmal tagsüber schläfrig
Zhuhai wird Jahr für Jahr zur lebenswertesten Stadt Chinas gewählt. Das Strassennetz trägt sicherlich dazu bei….
Für mich das heimliche Wahrzeichen von Zhuhai: Die ewig stehende Uhr am Grenzübergang nach Macau.
Und zum Schluss die nächste Folge der beliebten Chinglish-Serie.
WELT ONLINE: Wird sich die globale Finanzwelt letzten Endes nicht radikal wandeln? Die Vereinigten Staaten werden ihre Spitzenposition verlieren. Sie werden, wie auch Teile Europas, sozialisierte Banken haben und enorme Schulden. Und das kommunistische China wird zur neuen globalen Finanzmacht. Es ist flüssig und kann im Westen investieren.
Soros: Der amerikanische Einfluss wird schwinden. Er hat bereits abgenommen. In den vergangenen 25 Jahren hatten wir stets ein Leistungsbilanzdefizit. Die Chinesen und die ölproduzierenden Staaten hingegen haben Überschüsse eingefahren. Wir haben mehr konsumiert als produziert. Während wir Schulden aufgehäuft haben, haben sie gespart und Reichtum geschaffen. Den Chinesen wird, mit wachsender Tendenz, eine Menge mehr von der Welt gehören, weil sie ihre Dollarreserven und US-Staatsanleihen in echte Aktivposten umwandeln werden. Das verändert das Machtgefüge. Die Machtverschiebung in Richtung Asien ist die Folge der amerikanischen Sünden in den vergangenen 25 Jahren.
In seinem aus Bohlen gefügten Sarkophag und in den Seitenkammern fanden sich über 140 große Tongefäße, dazu eine vergleichbare Zahl von Gefäßen, die in Lacktechnik ausgeführt waren. Sie dienten dazu, Speisen und Getränke für die Jenseitsreise aufzunehmen. Dazu passt, dass sich im Grab auch zwei große Tische befanden, ebenfalls in Lacktechnik ausgeführt. Besonders auffällig in diesem Grab waren die 101 sogenannten Ohrenschalen. Diese Schälchen dienten dem Genuß von alkoholischen Getränken, und die 56 im Grab gefundenen Figürchen von Dienerinnen und Dienern sollten daran erinnern, daß Wu Yang es sich bei seinen Gelagen gut gehen ließ.
Die Grabausstattungen stehen in enger Beziehung zu der Lebenswirklichkeit des Toten. Sie sollen diese vor dem Jenseits dokumentieren, damit dem Toten dort eine vergleichbare Position zugewiesen werde. Besonders genau scheinen die Grabtexte zu der Persönlichkeit des Toten zu passen. Und die Grabausstattung des Wu Yang läßt nicht viel Raum für Deutungen: Er war ganz einfach ein früher Gourmet, möglicherweise ein Gourmand, ein Genussmensch und das wollte er auch im Jenseits bleiben.
Südlich der Stadt Tours an der Loire scheint im Herbst 732 eine neue Völkerwanderung im Gang zu sein. Ein Haufen von fast 80.000 bewaffneten Arabern wälzt sich entlang des Flussufers, großenteils beritten und schier unaufhaltsam. Doch am 3. Oktober kommt der Heereswurm plötzlich zum Stehen. Hinter einer Brücke über den Bach Vienne sind stumm und drohend fränkische Panzerreiter aufgetaucht.
Abd er-Rachman, Feldherr des mächtigen Kalifen von Damaskus, ist kein Dummkopf. Aus zahlreichen Schlachten weiß er, dass bei diesen schweren Kavalleristen Vorsicht geboten ist. Doch als seine Späher ihm melden, das Frankenheer sei mit allenfalls 15.000 Mann lächerlich klein, entschließt er sich zum Angriff. Schließlich haben die Truppen der Moslems noch nie eine Niederlage im Feld erlitten. Was Abd er-Rachman unterschätzt: Ihm steht Karl Martell (um 688 – 741) gegenüber, der größte Heerführer des fränkisch-germanischen Reiches.
Die Araber sind gefürchtete Krieger; binnen weniger Jahrzehnte haben sie den Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika erobert. Ihr Kalif ist der bedeutendste Herrscher seiner Zeit und will auch Europa dem Halbmond unterwerfen. Im Jahr 711 setzen seine Truppen bei Gibraltar übers Mittelmeer und zerschlagen sämtliche Heere der spanischen Westgoten. Nur drei Jahre später ist fast die gesamte iberische Halbinsel erobert. Über das Pyrenäen-Gebirge geht die Invasion nordwärts.
725 wird das Heer des Herzogs Eudo von Aquitanien (Südfrankreich) geschlagen. Er selbst flieht nach Paris. Dort residiert Karl, den man „Martell“ (der Hammer) nennt, weil er seine Feinde schonungslos zur Strecke bringt. Karl führt als „Maiordomus“ die Staatsgeschäfte für den völlig lethargischen Merowingerkönig Theuderich IV. Was er von Herzog Eudo hört, ist beunruhigend: Die wilden Reiter aus dem Morgenland sind pfeilschnell, grausam und zahllos. Sie verspeisen mit Vorliebe Herz und Leber ihrer gefallenen Gegner. Darüber hinaus plündern und sengen sie, so dass ganz Südfrankreich einer Wüstenei gleicht.
Karl Martell erkennt die tödliche Gefahr, weiß aber, dass er sich auf sein kampferprobtes Heer verlassen kann. Da ist zum einen das Fußvolk, bewaffnet mit Spieß, Schwert, Schild und der „Francisca“. Es ist die Spezialwaffe seiner Männer – eine einfache oder doppelschneidige Streitaxt. Mit einer daran befestigten Schnur schleudern die Krieger sie auf kurze Distanz gegen den Feind. Für den Zustand der Waffe ist ihr Träger persönlich verantwortlich und muß für Nachlässigkeit hohe Geldstrafen zahlen.
Karls entscheidende Streitkraft bilden die schweren Reiter. Sie tragen einen Panzer aus kleinen, schuppenförmigen Eisenplatten, einen visierlosen Helm und Beinschienen. Im Kampf sind sie nur schwer zu verwunden. Eine Ausfuhr der fränkischen Panzerhemden ist bei Todesstrafe verboten. Ein weiterer Trumpf dieser Kavallerie ist die Benutzung von Steigbügeln und holzverstärkten Ledersätteln, die dem Reiter einen sicheren Sitz auf seinem Roß ermöglichen.
Normalerweise sind die arabischen Heere jener Zeit allen anderen an Beweglichkeit weit überlegen. Doch auf ihrem Raubzug 732 haben sich die leicht bewaffneten und berittenen Soldaten derart mit Beute bepackt, dass sie diesen Vorteil einbüßen. Karl Martell hingegen läßt nur wenig Gepäck zu und kann die Araber ausmanövrieren. Bei Tours verlegt er ihnen den Weg. Abd er-Rachman hat nur zwei Möglichkeiten: Kampf oder Rückzug. Letzteres ist für den stolzen Moslem undenkbar, also wählt er am 10. Oktober 732 die Offensive.
Die Schlachtordnung der Araber besteht aus drei Linien, welche jeweils allegorische Titel tragen: Die erste „Morgen des Hundegebells“ wird von ausgeschwärmten Reitern gebildet; die zweite „Tag der Hilfe“ und die dritte „Abend der Erschütterung“ bestehen aus dichten Reiter- und Fußvolkkolonnen. Die unaufhörlichen Angriffe der arabischen Kavallerie prallen an dem Fußvolk der Franken ab. Der spanische Chronist Isidorus Pacensis berichtet: „Die Männer aus dem Norden standen bewegungslos wie eine Mauer. Wie ein zu Eis erstarrter Gürtel wichen sie nicht und erschlugen ihre Feinde mit dem Schwert.“
Karl Martell beschließt nun, diesen Erfolg auszunutzen und läßt seine Panzerreiter eingreifen. Er durchbricht an ihrer Spitze die feindlichen Reihen, dringt bis zum arabischen Hauptlager vor und vernichtet alles, was sich den Franken in den Weg stellt. Dass er persönlich seinen Widersacher Abd er-Rachman erschlagen hat, ist eine fromme Legende – der Feldherr kommt während der regellosen Flucht ums Leben.
Die Niederlage der Araber ist so eklatant, dass sich nur noch einmal (737) eines ihrer Heere über die Pyrenäen wagt und wieder vernichtend geschlagen wird. Zu Recht feiert das christliche Abendland Karl Martell als Erretter. 68 Jahre nach der Schlacht bei Tours erreicht sein Werk einen postumen Höhepunkt: Sein Enkel Karl der Große wird in Rom zum Kaiser der europäischen Christenheit gekrönt.
Das monetäre Ungleichgewicht zwischen den USA und China ist der Schlüssel zum Verständnis dafür, wie sich die Finanzkrise auf die Realwirtschaft auswirkt. (…) ist bei der Frage, was uns in den Weltfinanzmärkten noch bevorsteht, nur ein Aspekt wichtig: Was sind die wahren Auslöser dieser Krise und wann wird die Gefahr dieser Auslöser gebannt sein?Die Überbewertung der US-Immobilienmärkte ist ein Symptom und keine Ursache der aktuellen Krise. Worum es wirklich geht, ist die Schieflage der Weltfinanzmärkte, die wir seit genau einem Jahrzehnt beobachten, vor allem die monetären Ungleichgewichte zwischen den USA und China: Erst wenn diese Ungleichgewichte verschwunden sind, wird die Krise vorbeigehen. Leider sind wir von einer Lösung dieses Problems noch sehr weit entfernt.
Die Geschichte der Ungleichgewichte beginnt nach der Asienkrise 1997/98. Aus den bis dahin kapitalimportierenden Tigerstaaten wurden plötzlich Kapitalexporteure. Asiatische Länder überschütteten die US-Wirtschaft mit niedrig verzinstem Kapital. Diese Strategie ging einher mit einer Unterbewertung asiatischer Währungen und einer Anhäufung von Dollarreserven in den Schatzkammern asiatischer Zentralbanken.
(…) US-Haushalte und Firmen konnten fast grenzenlos Kredite aufnehmen. Heute sind allein die US-Haushalte mit 100% des BIPs verschuldet. Das Gesamtschuldenvolumen des Landes beträgt 235% des BIPs. Dieses schnelle Geld sorgte dafür, dass der Konsum als Anteil am BIP bislang ungeahnte Werte erreichte: Er beträgt heute fast 75 Prozent – im internationalen Durchschnitt sind Werte zwischen 55 und 65 Prozent üblich. Ein Drittel des US-Konsums fließt in Immobilien. So wundert es kaum, dass US-Immobilienpreise plötzlich in die Höhe schnellten und sich zwischen 1998 und 2006 verdreifachten.
(…) Die wirkliche Trendwende könnte aber noch bevorstehen. Denn die Schlüsselfrage zur Zukunft der Weltwirtschaft ist die Frage, ob und wie China seine aktuelle Wirtschaftsstrategie verändern wird. Das Gesamtvolumen der Dollarreserven in China beträgt 1,85 Billionen US-Dollar – das sind fast zwei Drittel des BIP Deutschlands. Und diese Reserven steigen nicht linear, sondern exponentiell: Seit 2001 hat sich der Schatz in jeweils 2 Jahren verdoppelt. Im ersten Halbjahr 2008 kaufte China jede Minute Dollar-denominierte Schulden in Höhe von 1,83 Millionen US-Dollar auf – Tag und Nacht. Sollte die Unterbewertungsstrategie in diesem Tempo weitergehen, dann hätten die Dollarreserven Chinas im Jahr 2011 den Wert von 6,4 Trillionen US-Dollar erreicht – also ca. 10% der Welt-Bruttosozialprodukts oder knapp die Hälfte des US-BIPs. Das erscheint aus heutiger Perspektive undenkbar.
Was aber wird passieren, wenn China die ökonomische Trendwende beginnt? Allein durch den Stopp des Ankaufs von US-Schuldinstrumenten (Staatsanleihen – meine Anm.) würden langfristige US-Zinsen deutlich steigen. Die Konsequenz wäre ein zusätzlicher Rückgang des US-Konsums und auch der US-Immobilienpreise (…). Gleichzeitig würde der Dollar an Wert verlieren und die so billigen chinesischen Produkte im US-Markt deutlich teurer, mit negativen Folgen für die US-Inflation. Die Auswirkungen für die Realwirtschaft wären verheerend.
Die große Frage ist, ob China die Risiken für die eigene Konjunktur aus dem Verkauf von US-Anleihen tatsächlich in Kauf nehmen würde. Bei einem steigenden Yuan und einem fallenden Dollarkurs würde der Schatz aus US-Schatzbriefen deutlich an Wert verlieren. Auch die heute im Rest der Welt so billigen Exporte Chinas würden plötzlich deutlich teurer werden. Andererseits muss China gerade im Kontext der beginnenden US-Rezession seine Wirtschaftspolitik ohnehin überdenken, denn der jetzige Ansatz des auf Export gestützten Wachstums ist nicht mehr nachhaltig.
China fehlt der Binnenkonsum: Der Anteil des Konsums am chinesischen BIP ist mit einem Drittel sehr gering, und Chinas Sparquote liegt mit rund 40% des BIP auf einem phänomenal hohen Wert. Ein steigender Wechselkurs bei einem gleichzeitigen Rückgang der Nachfrage aus den USA könnte ein probates Mittel sein, um die große wirtschaftspolitische Wende in China einzuleiten den Binnenkonsums zu fördern. Sollte der Yuan an Wert gewinnen, würden die zahlreich in China vertretenen Unternehmen aus den USA und Europa einen Teil ihrer chinesischen Produktion auf den Binnenmarkt umleiten, um auf den Rückgang der Exportnachfrage zu reagieren. Das in China mittlerweile im Überfluss vorhandene Privatkapital würde nicht mehr nur in den Ausbau des Exportsektors fließen, sondern könnte für Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen und Binnenkonsum genutzt werden.
Die anstehende Trendwende Chinas ist für die Wirtschaft der USA eine mindestens ebenso große Bedrohung wie die Immobilienkrise. Denn die Kombination aus dem Wegfall billigen chinesischen Geldes und dem Rückgang billiger chinesischer Importe, der die US-Inflation weiter in die Höhe treiben würde, könnte die aktuelle US-Konjunkturkrise in eine fundamentale Wirtschaftskrise ausweiten. Erst wenn die weiterhin bestehenden Ungleichgewichte in den Weltfinanzmärkten wieder ausbalanciert sind, wird die Krise vorüber sein.
30. September 2008
Henrik Enderlein lehrt an der Hertie School of Governance in Berlin. Der Originalbeitrag ist hier nachzulesen.
Ich schliesse mich der Meinung des Autors an. Was er allerdings übersieht ist die Tatsache, dass Chinas Regierung in weiser Vorassicht, weit weg von den turboberauschten Zockern an der Wall Street, schon vor Jahren still und leise mit der Abkehr von der Exportorientierung der eigenen Wirtschaft und mit einer Stärkung der Binnennachfrage begann. Darauf bin ich in meinem vorherigen Beitrag etwas näher eingegangen.
Die älteren unter uns werden sich noch erinnern: Jede EWG-Sendung endete mit dem Butler, der Kulenkampff Mantel, Schal und Hut reichte und dabei die soeben gelaufene Sendung sarkastisch kommentierte. Der Butler wurde von Martin Jente, dem Produzenten der Sendung, gespielt. In der Reality-EWG hat sich der Butler inzwischen zum Sieger hochgekämpft, der dem Showmaster nicht nur Textilien reicht, sondern auch noch Kinderspielzeug, Computer und vieles mehr, und das gleich schiffsweise, nach Hause schickt. Auf die sarkastische Pointe verzichtet er allerdings gänzlich, dafür lächelt er.
Chinas Zentralbank setzte seit 1995 mit eiserner Hand einen stabilen Kurs des Yuan zum Dollar durch, ganz gleich, wie die US-Währung im Rest der Welt gehandelt wurde. Die strikte Kontrolle des Kapitalverkehrs schützte das Land zunächst gegen die Asienkrise 1997 und dann gegen die Niedrigzinspolitik der Fed 2001. Als die Fed die US-Währung per Billigzins auf Abwärtskurs setzte, begann die Zentralbank in Peking alle hereinströmenden Dollars zum Festkurs gegen Yuan zu tauschen und vorwiegend in US-Staatsanleihen anzulegen. Dieses Spiel lief zum beidseitigem Vorteil: Der amerikanische Konsument hatte überhaupt Bargeld im Geldbeutel (dessen Gegenwert er allerdings nur zum Teil selbst erwirtschaftete) und China hielt einen riesigen Absatzmarkt für seine Waren am Laufen. Oder mit anderen Worten: Die Chinesen lieferten ihre Waren in die USA, und dafür kriegten sie von den Amerikaner Papier mit den Bildern ihrer toten Präsidenten drauf. Entsprechend wuchsen Chinas Handelsüberschuss mit den USA und die Dollar-Reserven. Mit jetzt schon 1.800 Milliarden Dollar hält China mittlerweile den größten Devisenschatz aller Zeiten.
Am 21. Juli 2005, hat China die Reform des Wechselkurssystems für die Landeswährung Renminbi (RMB) begonnen. Der Wechselkurs sollte sich nicht mehr nur am US-Dollar orientieren, sondern künftig auch Angebot und Nachfrage sowie andere Währungen, vor Euro und Yen, berücksichtigen. Seitdem hat der Yuan gegenüber US-Dollar 20 Prozent gewonnen. Am meisten profitiert davon der Chinese der ins Ausland reist und zugleich Importwaren kauft. Beispielsweise sind die Preise für Importautos nur im Mai 2008 im Vergleich zum Vormonat um fast 2 Prozent gefallen. Der Markt für ausländische Lebensmittel ist seit 2003 jährlich um 15 Prozent gewachsen.
Des einen Freud, des anderen Leid. Die chinesischen Exporteure nämlich leiden sehr unter dem starken Yuan, was uns im Westen wiederum erfreuen dürfte. Chinas Exportüberschuss im Mai 2008 betrug „nur“ 20,2 Milliarden US-Dollar, zehn Prozent Rückgang im Vergleich zum Mai des Vorjahres. Allerdings sind im exportorientierten produzierenden Sektor rund 40 Millionen Chinesen beschäftigt, die nun um ihre Arbeitsplätze zittern… Ha! So kompliziert ist Wirtschaft.
Der Aufwertung des Yuan liegt die Erkenntnis der Staatsführung zugrunde, dass die blosse Exportorientierung der chinesischen Wirtschaft keine Garantie für langfristiges Wachstum darstellt. Auch wenn China aus der Diskrepanz zwischen den niedrigen Produktionskosten daheim und den hohen Gewinnen im Westen über viele Jahre astronomische Profite schlug und dies einen relativen Wohlstand nach China brachte, erkannte Chinas Führung inzwischen, dass diese Entwicklung mit katastrophaler Umweltzerstörung und einem hohen Energiekonsum einherging. Zu viel arbeitsintensive Produktion mit niedriger Effizienz – das konnte auf Dauer keine nachhaltige Entwicklung mit sich bringen. Zumal vor allem die Küstenregionen davon profitierten und das Wohlstandsgefälle zu anderen Teilen des Landes sich rapide vergrösserte. Hinzu kam, dass China sich von der Abhängigkeit von den Auslandsmärkten lösen wollte.
Und so entschied Chinas Führung, grundlegenden Stukturwandel vorzunehmen. Eine Massnahme von vielen ist die Aufwertung des Yuan. Inzwischen hat beispielsweise von den rund 5.000 Schuhfabriken im Perlflussdelta, wo ich lebe, rund die Hälfte geschlossen. Auch in anderen Regionen, die vormals von der Produktion einfacher Waren wie Textilien und Spielzeug lebten, werden mehr und mehr höherentwickelte Produkte – Hightech, Elektronik und Maschinen – hergestellt. "Von der Yuan-Aufwertung dürfte auch die deutsche Wirtschaft profitieren." – hoffte freudig erregt der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel. Ich weiß nicht… Von den Fabriken hier im Perlflussdelta sind viele in andere, noch billigere Billiglohnländer wie Vietnam abgewandert. Keine ging nach Deutschland.
Wo wird der Yuan enden? Ha, wenn ich das nur wüsste! Der Zentralbank-Chef Zhou Xiaochuan sagt, China werde die Flexibilität des Yuan schrittweise erhöhen. Allerdings hänge die wirtschaftliche Entwicklung von sovielen instabilen Faktoren ab, dass niemand eine stichhaltige Voraussage treffen kann. Ach so. Also das alles, und wohl viel mehr, steckt hinter der schlichten Zahl 9,467 von heute morgen, und hinter der dünnen Linie, die sich da so durchs Diagramm schlängelt.
Ich danke für eure Aufmerksamkeit. Hehe.